Das statistische Bundesamt beglückt uns mit den
Zahlen zur Landwirtschaft aus der zweijährlichen Agrarstrukturerhebung. Der allgemeine Trend der Landwirtschaft in den letzten beiden Jahre wird niemand überraschen, die Größe der Anbaufläche ist nur minimal um 0,6% gesunken, auf jetzt 16,9 Mio ha. Die Anzahl der Betriebe ist hingegen drastischer, nämlich um 5%, auf 370800 zurückgegangen. Die logische Konsequenz ist, dass die Betriebe größer werden, im Jahr 2007 hatte ein durchschnittlicher Betrieb 45,7 ha zu bewirtschaften. Interessante Zahl am Rande, 61,7% der Flächen sind gepachtet. Anders formuliert, weit über die Hälfte der Fläche wird nicht mehr von den Eigentümern bewirtschaftet.
Nach dem hinlänglich bekannt hohen Umsatzwachstum bei Bio-Lebensmittel stellt sich natürlich die Frage ob diese sich in den Betriebszahlen der ökologischen Landwirtschaft wiederspiegeln. Je nach Gusto findet man für den Einzelhandel Zahlen die für 2006 eine Steigerung zwischen 16% und 18% sehen und für 2007 sind die Zahlen wohl ähnlich. Wohlgemerkt jedes Jahr, auf zwei Jahre gesehen sind das 34% - 39% Umsatzwachstum bei Bio-Lebensmitteln.
Was passiert mit der ökologische Landwirtschaft in Deutschland? Die Anzahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 5%, auf 14700 und die Fläche um 7,7%, auf 859000 ha. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt damit 4,7%. Immerhin ein Wachstum, aber weit von dem entfernt was die allgemeine Akzeptanz und der tatsächlich Handel mit ökologischen Lebensmitteln vermuten lässt.
Umsatz und Anbaufläche zu vergleichen ist schwierig, da spielt auch noch die Teuerung der Lebensmittel hinein. Trotzdem muss man feststellen, dass da ein Trend eindeutig verschlafen wurde. Die Ursachen sind schnell ausgemacht. Die in den letzten Jahren immer weiter zurückgeschraubte Förderung für umstellungswillige Landwirte ist eine davon. Eine andere ist sicher der Energiemarkt der den Bauern jetzt offen steht. Nicht jeder Landwirt hat in den letzten Jahren der heheren Idee zuliebe umgestellt. Die höheren Absatzpreise für ökologisch erzeugte Produkte waren für einige Rechtfertigung genug. Die höheren Preise lassen sich aber auch als Zulieferer für Biogas-Anlagen erzielen und man hat keine 2 Jahre Umstellungszeit mit niedrigerem Einkommen zu überbrücken.
Glücklich können sich jedenfalls die Landwirte schätzen die schon vor Jahren auf Bio umgestellt haben und jetzt doppelt profitieren. Vom gestiegenen Umsatz mit ökologischen Lebensmitteln einerseits und dem knappen Angebot andererseits. Über den Absatz müssen sich die Bio-Bauern nächstes Jahr sicher keine Gedanken machen, über Konkurrenz aus dem eigenen Lager sicher auch nicht. Bleibt nur zu wünschen, dass die Zahl der umstellungswilligen Landwirte wieder zunimmt und die Agrarzuschüsse genutzt werden diese zu fördern. Was ich mir jedenfalls nicht wünsche ist, dass die Angebotsverknappung dazu führt die Standards für ökologische Landwirtschaft weiter zu verwässern nur um mehr einheimische Bio-Ware auf den Markt zu werfen.
Ein Problem sehe ich bei dem geringen Wachstung trotzdem. Wenn die Abnehmer vorher schon ahnen können, dass die benötigten Waren nicht zur Verfügung stehen, decken sie sich frühzeitig über den Import ein. Das kann dazu führen, dass "lokale" Bio-Ware in den Lagern liegen bleibt.
Wobei die Nische mittlerweile nur noch die Bauern betrifft. Was die Verbraucher angeht ist die Nische nicht mehr so klein. Da hat sich die Situation komplett geändert und alle die vor 10 Jahre noch getönt haben, dass Bio-Landwirtschaft keine Zukunft hat sind Lügen gestraft.
Die Frage die sich mir stellt ist wie man bei der Erzeugung noch nachziehen kann. Klar, höhere Zuschüsse bei der Umstellung. Dafür fehlt im Moment aber der politische Wille. Mein heimlicher Traum ist ja, dass mit der "Gentechnikfrei" Auszeichnung noch mehr Verbraucher auf Bio umschwenken.
Fakt ist aber, dass der Trend verschlafen wurde und sich das frühestens in 2-3 Jahren ändern kann.
Kurz und gut, das mehr an Absatz, das 2008 mit Bio-Lebensmitteln gemacht wird stammt entweder aus dem Import und von deutschen Landwirten die spätestens 2006 mit der Umstellung begonnen haben. Also just der Zeit, die von der Agrarstrukturerhebung abgedeckt wird.
Ich wollte nur noch mal alle Käseliebhaber erinnern, das am 18. Februar der Anmeldeschluss für die Käseweltmeisterschaften in den USA ist. Also nicht vergessen...anmelden
Nähere Infos gibts unter (www.worldchampioncheese.org)...zeigen wir das Österreich tolle Schmankerl zu bieten hat
LG!