Samstag, 23. Februar 2008
BioFach 2008 - Vortragsmarathon
Mein Weg in die Bio-Szene war eher technokratisch, bestimmend für mich waren die Themen Umwelt- und Tierschutz. Gesundheit, das Argument vieler, wenn nicht gar der meisten, Bio-Konsumenten spielt für mich keine Rolle. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass ich Gesundheitsargumente für gefährlich halte. Bei allem was für gesunde Ernährung mit Bio-Produkten spricht, darf man nicht vergessen, dass die gleichen Argumente auch auf konventionelle Produkte übertragen werden können. Der eine tägliche Apfel, der einem den Arzt vom Hals halten soll, tut dies wohl auch wenn er konventionell erzeugt wurde. Viel schlimmer ist aber, dass mit dem sensiblen Thema Gesundheit auch schnell das Vertrauen verspielt ist. Bio-Produkte werden geächtet wenn sich in ihnen Schadstofkonzentrationen finden, die knapp über der Nachweisgrenze liegen, während konventionelle Produkte noch mit einem Vielfachen an Schadstoffen gerne gekauft werden. Das passiert obwohl das inkriminierte Bio-Produkt trotzdem über die gesamte Herstellungskette weniger Umweltschäden und damit auch weniger Gesundheitsschäden verursacht hat, als das konventionelle Pendant.
Gesundheitsbezogene Aussagen - Wie reagieren die Kunden?
- Gesundheitsversprechen haben keine negative Auswirkung auf die Kaufentscheidung
- Gesundheitsversprechen werden vom Konsumenten oft nicht wahrgenommen
- Werden Gesundheitssprechen wahrgenommen, beeinflussen die Kaufentscheidung für das Produkt
- Gesundheitsverprechen sind ein Mittel zur Gewinnung von Gelegenheitskäufern
Die Quintessenz wird wohl die sein, dass in Zukunft vermehrt auf den Verpackungen von Bio-Produkten Gesundheitsverprechen zu finden sind. Die Hersteller sollten also schleunigst ihre Claims bei der EG einreichen, denn ab 2010 dürfen nur noch Gesundheitsversprechen gemacht werden, die auf einer Positivliste vermerkt sind. Es bleibt allerdings die Frage welchen Effekt die Claims haben wenn sie in ähnlicher Form auf allen Produkten zu finden sind.
Nie mehr ohne Gentechnik?
Der Jurist Georg Buchholz schilderte die rechtlichte Situation. Dabei macht er auf einige Tücken aufmerksam. So ist keine explizite Zustimmung eines Feldnachbarn zum Anbau von GVO notwendig. Vorgeschreiben ist lediglich, dass die Nachbarn informiert werden müssen und nur durch aktiven Widerspruch kann der Anbau von GVO verhindert werden. In letzter Konsequenz ist damit sogar ein Unterschreiten der Mindestabstände möglich. Auch die Haftung ist nicht so klar geregelt wie es im politischen Prozess der Gesetzfindung dargestellt wurde. Die Gerichte werden also viel Arbeit bekommen wenn die ersten Kontaminationen stattfinden.
Hans-Ulrich Waiblinger schilderte die Situation aus der Perspektive der Lebensmittelaufsicht und gab Entwarnung. Bei den bisherigen Untersuchungen waren in Bio-Lebensmitteln GVO nur in Konzentrationen unter 0,1% zu finden. Auch bei konventionell hergestellten Produkten war noch keine Konzentration über 0,9% zu finden. Als Problem sieht er die praktische Beurteilung der Verunreinigung, entscheidender als die eigentliche Konzentration ist die Frage ob die Verunreinigung "technisch unvermeidbar" oder "zufällig" war. Denn nur wenn eines von beiden zutrifft wird die Verunreinigung, auch wenn sie unter 0,9% liegt, toleriert. Im konkreten Fall sind also immer Einzelfallprüfungen notwendig.
Martin Miersch hat als Produzent von Bio-Tofu-Produkten (Taifun Tofu) unmittelbar mit dem Rohstoff Soja zu tun, der zumindest beim konventionellen Anbau einen hohen Anteil an GVO hat. Um für die eigenen Produkte sicherzustellen, dass möglichst keine GVO Kontamination stattfindet, beginnt die Kontrolle des Soja-Vertragsanbaus bereits bei der Vermehrung des Saatguts und zieht sich lückenlos hin bis zur Produktion. Trotzdem wurde 2006 erstmalig GVO in den Rohstoffen entdeckt. Dabei handelte es sich um Staub der von den Erntemaschinen aufgewirbelt und über die beachbarten Felder der Vertragsbauern geweht wurde. Diese Form der Verunreinigung konnte noch mit einer Reinigungsanlage in der Griff bekommen werden, zeigt aber auch deutlich, dass ein unabhängiges Nebeneinander von Gentechnik und Bio nicht machbar ist.
Aus der abschliessenden Publikumsdiskussion war dann auch recht eindeutig herauszuhören, dass die eingeführten Grenzwerte für GVO nicht als Schutz der Verbraucher gesehen werden, sondern als Einfallstor für die schleichende entschärfung der Grenzen. Jürgen Binder vom Verein Gentechnikfreies Europa, formulierte es so: "Wir brauchen keine Grenzwerte sondern ein Muratorium und Importverbot!"
New Ethics - Konsumethik setzt Zeichen
Wer gewinnt das Rennen um den modernen Bio-Konsumenten?
Um das Wissen bereichert, dass die Einordnung als LOHAS eben doch eine Beurteilung durch Aussenstehende ist, die lediglich dazu dient Personen auf Gruppeneigenschaften zu reduzieren, machte ich mich innerlich lächelnd auf den Weg zum Bloggertreffen. Jetzt muss mir nur noch jemand erklären warum es Menschen gibt, die von sich selbst behaupten LOHAS zu sein. Nicht, dass es schlimm wäre, nur warum kommt man auf die Idee einen Marketingbegriff zur Lebensphilosophie zu machen?
Geschrieben von Michael Wenzl
in Agrar
um
20:00
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BioFach 2008 - Messebummel
Nachdem ich den Vortragsmarathon hinter mich gebracht hatte, bin ich über die eingentliche Messe der BioFach 2008 geschlendert. Wie gesagt, das passierte nicht weil mir die Messe nicht gefiele, sondern weil ich einfach kein Messetyp bin. Üblicherweise geh
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Weblog: Die_Farmblogger
Aufgenommen: Feb 23, 22:38
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Zur CeBIT
Keine Angst, ich bin keiner der akkreditierten CeBIT-Blogger, ich schreibe nur über aufstrebende und innovative Messen. Bin jedoch gerade über ein Video gestolpert, das sich alle High-Tech-Fieranten in Hannover mal ansehen und vor allem zu Herzen nehmen s
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Weblog: Die_Farmblogger
Aufgenommen: Mär 06, 11:14
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herwig
Peters Versprecher war grandios, ich glaube aber in seinem Fall nicht, dass er in einer zu starken Identifikation mit der LOHAS-Philosphie begründet ist.
Wenn es Menschen gibt, die sich selbst den LOHAS zuordnen, dann hat das für mich zwei wesentliche Gründe. Sie wollen ökologisch und ethisch korrekt handeln, dabei aber nicht mit den "Müslis" der 70er und 80er in einen Topf geworfen werden. Ausserdem kommt man mit dem kalkulierten Kompromiss der LOHAS innewohnt nicht so schnell in Argumentationsnöte wenn man eben doch mal bei Aldi die Billig-H-Milch kauft.
Und seien wir uns doch ehrlich, in einer Gruppe egal ob selbst oder fremd definiert lebt es sich einfach besser.
Das kann ich auch gut nachvollziehen. Bezogen auf Lebensmittel hat es einige Zeit gedauert bis klar geregeglt war, dass Bio nur dann Bio ist wenn es aus ökologischem Anbau stammt. Mit einem Label "LOHAS" könnte da wieder das gleiche passieren und Produkte nur dem Namen nach als "nachhaltig" deklariert werden.
Hinter der Adressierung von LOHAS steckt oft ein sehr einfaches Beuteschema. Der Prius wird als Lösung der Umweltprobleme gefeiert. Keiner denkt daran, dass der Hybridantrieb ein äusserst komlexer und damit fehlerträchtiger Antrieb ist. Davon abgesehen ist unser Problem nicht ob der Benzinverbrauch um 2l gesenkt werden kann sondern die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit von motorisiertem Individualverkehr. Google steht als der "grüne" Arbeitgeber da weil er ein paar Solarzellen aufstellen lässt. Daran, dass die kaum den Betrieb der Klimaanlagen decken, denkt niemand.
Mein Kriterium ist der Wille zur Veränderung und der Mut zur Gestaltung. Da habe ich mit den Öko-Hardlinern meine Probleme weil sie sich zu sehr auf ihre kleine Nische beschränken und mit den LOHAS weil sie mir zu stark dem Konsum huldigen.
Eigentlich will ich ja nur wissen warum man sich freiwillig einer Gruppe zurordnet von der nicht mehr bekannt ist als die Eigenschaften die ihr Marketingspezialisten zusprechen.
Gibt es den Vortrag von Jörg Reuter irgendwo anzusehen? Schade - den hätte ich gerne gesehen, aber ich hab auch so schon kaum was geschafft
War der Lohas-Versprecher eigentlich echt? gg
Wenn der Versprecher von Peter nicht echt war, dann war er Oscar-verdächtig gespielt