Wie jedes Jahr an Heilig Abend, gehen auch dort die Katholiken in die sog. Christmette. Das ist eine nächtliche Messe, mit der das Christfest eingeläutet wird. Da Weihnachten traditionell auch ein Fest der Kinder ist und damit die Kleinen nicht so lange wach bleiben müssen, gibt es bereits am Nachmittag einen Kindergottesdienst, die sog. Kindermette. Als ich noch in diese Altergruppe gefallen bin, war das ein epochales Ereignis - höchstens übertroffen vom Osterfeuer - das mit einiger Vorfeunde erwartet wurde und fest in den Tagesablauf eingeplant war. Auch jeder Nichtkirchgänger kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass ein Kindergottesdienst, erst Recht zu Weihnachten, sich in seinem Ablauf an den Jüngsten orientiert. Meist eher kurz gehalten, mit kindgerechter Musik, Lesung und Evangelium werden i.d.R. kindgerecht erklärt.
Trotzdem handelt es sich im liturgischen Sinne um eine Messe, also mit Eucharistie. Das wird auch Abendmahl genannt und die Auffassung darüber entzweit nicht nur christliche Religionen, sondern unterteilt scheinbar auch Kinder in zwei Gruppen. Die eine ist ruhig und bringt die nötige Andacht mit, die andere weint hin und wieder und stört (sic!) damit andere Gottesdienstbesucher in deren Andacht. Zumindest ist man im Pfarrgemeinderat von Zwölf Apostel der Meinung diese Unterscheidung treffen zu müssen. Im Pfarrbrief liest sich das dann so:
... einzelne Fälle, in denen Kinder über längere Zeit weinen/stören ... im 10.30 Uhr Gottesdienst kommt es deshalb teilweise zu Spannungen ...Natürlich sind Eltern mit Kindern trotzdem willkommen, so steht es zumindest zu Lesen. Um die Andacht aber wenigstens während der Weihnachtstage zu schützen, gibt es dann diese Lösung:
Zur Gottesdienstordnung am 24.12. wurde vorgeschlagen, für Kleinkinder in der Unterkirche um 15 Uhr eine Kleinkindfeier anzubieten. Die Kindermette um 16 Uhr soll wie bisher stattfinden.Darin kann man nicht nur die mehr oder weniger freundliche Aufforderung lesen, dass Eltern mit Kinder die Sonn- bzw. Feiertagsmessen meiden sollen. Man könnte sogar so weit gehen, dass Kleinkinder nicht einmal mehr im Kindergottesdienst willkommen sind. Stattdessen werden sie zusammen mit ihren Eltern zeitlich und räumlich verbannt.
Was kommt als nächstes? In letzter Konsequenz dürften dann irgendwann auch an ADHS leidende Kinder nicht mehr in die Kirche. Das soll nicht heissen, dass ich Gottesdienste für den Ort der freien Willensentfaltung halte, wo jeder seinen Spass haben soll. Worum es hier geht, sind aber nicht Störungen, die zum reinen Selbstvergnügen gemacht werden. Babys schreien nun mal und die persönliche Andacht sollte ja eigentlich nicht davon abhängig sein ob ein Kind gerade schreit oder nicht.
Das ist schon eine eigenartige Zeit in der wir leben. Allerorts beklagt man den Geburtenrückgang, wenn dann aber doch jemand Kinder kriegt und es auch noch wagt mit ihnen in die Öffentlichkeit zu gehen, dann werden sie zu Störern erklärt und freundlich hinfortkomplimentiert. Das passiert auf Spielplätzen von Wohnanlagen, in Restaurant und jetzt auch in der Kirche. Wenn man bedenkt, dass in der katholische Kirche die Säuglingstaufe die Regel ist, frägt man sich warum ausgerechnet wenn sie im Gottesdienst zu weinen anfangen, schluss sein soll mit Matthäus 19,14
Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich.
Aus der katholischen Kirche bin ich schon lange ausgetreten, darum darf ich, ausser einem Appell ans grundsätzliche logische und mitfühlende Denken, auch keine Ansprüche stellen. Aufgeschrieben habe ich das, um es eines Tages meinem Sohn zu zeigen, wenn er sich selbständig für einen Glauben entscheiden will.







Aber um hier kinderlosen keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Kinder werden nicht überall als störend empfunden. Es gibt auch in Deutschland sehr viele Menschen die beim Anblick einer Horde Kinder lächeln.
Gibt es Gründe dagegen für fünf Minuten rauszugehen?
Andere Kinder werden hoffentlich so lange mal ohne Aufsicht klarkommen, wenn nicht ohnehin ein Elternteil dableibt, ich sehe einzig den Aufwand, den man mit Kleinkindern leider meist hat. Die Privatautonomie der Eltern gegen die Religionsfreiheit anderer.
Das obige Ergebnis, welches ich nicht so gut finde, kam vielleicht so zusammen, dass genug Eltern nicht einsehen wollen den Raum zu verlassen oder man sich nicht traut ihnen das zu sagen. "Spannungen" halt, mit einer Ausweichlösung. Eine andere Lösung wäre eine Wahl zu machen (rausgehen oder nicht) und aufgrund dieser Mehrheitsentscheidung eine Hausregel aufzustellen.
Nun noch die offensive anti-ad-hominem Verteidigung:
Ich habe selber von Klein auf gelernt in der Kirche niemanden anders zu stören. Ich hatte von 9 an ständig kleine Kinder um mich rum und habe absolut nichts gegen lautes Spielen, mache ich auch gerne mit. Schreiende Kleinkinder in der näheren Umgebung sind mir auch meist egal (habe nämlich keines), solange ich mich nicht konzentrieren möchte.
Andersherum wird ein Schuh draus. Eine Kirche, die keine zielgruppengerechte Angebote für Kinder hat, ist familienfeindlich. Kleinkinder interessieren sich für andere Dinge als eine anderthalbstündige Messfeier, also bietet man ihnen etwas passendes an.
Und, bitte: nicht Leute anpissen, weil man sie missverstanden hat. Das ist ein Zeichen von Dummheit.
Anderen Dummheit anzudichten ist übrigens auch nicht gerade die klügste Aktion. Ich sehe da jedenfalls kein Mussverständnis vorliegen wenn man in einem Artikel weinen und stören synonym verwendet.
Ich denke kein Vater und keine Mutter kommt auf die Idee, ein Kleinkind in eine Mitternachtsmesse mitzunehmen und das ist auch nicht das Thema. Da werden vom Pfarrgemeinderat zwei Dinge in einen Topf geworfen. Die Sonntagsmesse ist zumindest für gläubige Katholiken usus, da gehören auch Eltern mit Kleinkindern dazu. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich in ZWAP einmal vom Pfarrer zum Bleiben aufgefordert wurde, als ich mit meinem quengelnden Sohn die Messe verlassen wollte. Ich hätte das ehrlich nicht erwartet, aber es hat mit das Gefühl gegeben zur Gemeinde zu gehören. Warum soll das heute nicht mehr möglich sein?
Vielleicht ist das eigentliche Problem ja, dass man nicht miteinander redet.
Und das alles halte ich für kein Problem der Kirche, sondern für einen Denkfehler im Bereich Erziehung. "Das gehört sich so" hätte noch mein Vater gesagt, meine Frau schaut mich immer böse an , meine große Tochter (18) hält mich für grenzdebil.
Viele Dinge sind halt verloren gegangen - oder auch von mir und meiner Generation boykottiert worden. Jetzt sehen wir was wir davon haben.
Ich jedenfalls, möchte, wenn ich einmal im Jahr mit meinem Kindern in eine Kirche gehen, dort eine dem Anlass entsprechende Athmosphäre vorfinden. Spielplätze sind draussen.