
Vergangenen Freitag fand in München die Impulskonferenz "Nachhaltigkeit trotz(t) Krise" statt. Eingelanden hatten der Deutsche Naturschutzring (DNR) und das "forum Nachhaltig Wirtschaften". Die Dramaturgie war klassisch. Moderiert von Fritz Lietsch und Christoph Santner konnten zunächst Naturschutzverbände ihre Thesen zu zentralen Fragen einer Politk im Sinne der Nachhaltigkeit abgeben. Nach einer Rede von Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, gab es 17 jeweils 99 Sekunden lange Impulsstatements von diversen Personen. Der Vortragsteil wurde abgeschlossen mit einem Schlusswort von Dr. Helmut Röscheisen, dem Generalsektretär des DNR. Danach gab es es leckeres Curry, natürlich aus Bio-Produkten und reichlich "Networking". Für Interessierte bestand die Möglichkeit die Impulse aus den Vorträgen, in einem World-Cafe weiter zu vertiefen.
So weit so gut. Was an Visionen und Forderungen vorgebracht wurde hat niemanden wirklich überrascht, muss es auch nicht, die Probleme sind seit langem analysiert, die Lösungen eigentlich bekannt. Wie so oft fehlt eigentlich nur der Wille. Da in zwei Wochen Bundestagswahl ansteht, kam die Veranstaltung zur rechten Zeit um daran zu erinnern, dass das Kreuz auf dem Wahlzettel auch eine Willensbekundung ist. Damit wäre die Sache eigentlich abgehandelt, wenn bei den Impulsvorträgen nicht ein Verhalten zu Tage getreten wäre, das geradezu typisch für den Umgang vieler grosser Firmen mit dem Thema Nachhaltigkeit ist und Parallelen zum Umgang mit Social Media zeigt.
Auch der Konzernbeauftragte für Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei der BMW Group, Herbert Höltschl hatte 99 Sekunden Zeit seine Impulse für die Gestaltung der Zukunft abzugeben. Was kam war ein gesprochenes Pamphlet, das besser in eine Vorstandssitzung gepasst hätte. Dass damit auch noch die 99 Sekunden voll gerissen wurden, grenzte schon an Unhöflichkeit. Es war zwar beileibe nicht so, dass sich alle an die Redezeitbeschränkung gehalten haben. Von einem erfahrenen Manager wie Höltschl könnte man aber erwarten, dass er den Vortrag seiner Thesen vorher in ein zeitliches Gerüst packt. Damit kam er beim Publikum gar nicht an, er wurde ausgebuht. Dabei ging fast unter, dass er zum Abschluss bekannte, er sei "zum Zuhören hier". Womit er wahrscheinlich sagen wollten, dass ihm und damit wohl auch der BMW Group daran liegt zu erfahren was man in Sachen Nachhaltigkeit erwarte. Ob jemand nach der Blamage den Kontakt gesucht hat, weiss ich nicht. Wünschen tue ich es ihm jedenfalls. Mein Ratschlag für die Zukunft lautet: "Erst zuhören, dann reden". Das ganze Theater mit Corporate-Social-Responsibility-Verbänden und industrienahen Nachhaltigkeits-Think-Tanks ist genauso unglaubwürdig wie die Worthülse vom "Stakeholder", solange das Konzept dahinter seinen Fokus auf die Bedürfnisse der Unternehmen hat. Prof. Dr. Hans-Peter Dürr hat es in seiner Rede auf den Punkt gebracht: "Nachhaltigkeit ist keine technische, sondern eine ethische Frage".






