Heute Abend läuft im Politmagazin Panorama der Beitrag "Geheimsache Bio". Drei Fragen geht die Sendung nach: Ist Bio wirklich gesünder? Wie steht es um Spritzmittel im Bio-Anbau? Welche Rolle spielt Massentierhaltung und Tierschutz in der ökologischen Landwirtschaft?Insider wissen es bereits, Bio ist nicht nachweislich gesünder, Spritzmittel werden ebenfalls eingesetzt und mit Romantik hat die Tierhaltung auf Biohöfen auch nichts zu tun. Vor dem Hintergrund ist es keine grosse Kunst eine Sendung zu verfassen, die das in den Kontext jener Verbraucher setzt, die Bio primär aus egoistischen Motiven kaufen. Aus eben dem Grund bin ich kein Freund der Gesundheitsargumentation und fordere, trotz eigener Biopräferenz, eine kritische Betrachtung der Kaufentscheidung, bei der die Methoden wichtiger sein sollten als die Siegel.
Ich vermute morgen werden in den Bioverbänden wieder die Telefone glühen und das ist auch gut so. Wer mag, kann sich "Geheimsache Bio" bereits jetzt online ansehen. Bei Bioland hat man die Sendung scheinbar schon gesehen und bereits mit einer Pressemeldung reagiert. Diese rückt zwar einiges ins rechte Licht, was die Redaktion von Panorama verschusselt hat zu recherchieren, das Grundproblem Transparenz bleibt.
Was bei dem einen Pflanzenstärkungsmittel heisst, ist dem anderen ein Spritzmittel. Sicher ist viel Unwissenehit auf Seiten der Verbraucher im Spiel, nur mit offenen Höfen allein kann man das Image auch nicht vermitteln. Zumal da sehr gerne auch die Stereotypen ausgegraben werden. Vielleicht wäre ja Social Media ein Weg die Ideen hinter der Biolandwirtschaft besser zu vermitteln. Nicht nur darauf warten bis jemand etwas wissen will, sondern aktiv werden.
Nachtrag: Naturland kommentiert die Sendung ausfühlicher in einem PDF Dokument.





ich fand die Sendung auch sehr spannend. Die Autorin erschien auf den ersten Blick zwar sehr naiv in ihren Fragen ("Bio wird auch gespritzt???"), aber letztlich hat sie einfach die Perspektive eines besorgten Verbrauchers eingenommen. Für mich gab es folgende Erkenntnisse:
Bioland hat ein Problem mit hinterfragender (kritischer) Berichterstattung. Das ist keine gute Voraussetzung für die Bewältigung zukünftiger Probleme (Skandale).
Erzeuger sind die besten Botschafter ihrer Sache. Verbände kommen deutlich weniger sympatisch rüber.
Angesichts des sher schlechten Informationsstandes der Konsumenten und ihrer gleichzeitig sehr hohen Sensibilität hilft nur absolute Transparenz.
Es bringt nichts, und dies geht an die Medien, Betriebe von Manageraussteigern als Beispiel darzustellen, die 500 Hühner in Parklandschaft halten, ohne Anspruch für einen relevanten Markt zu produzieren oder damit Geldverdienen zu müssen.
Das Argument aus Tierhaltermund, die Tiergruppengröße orientiere sich dem was "auf den LKW passt" führt bei mir zum schmunzeln aber klingt nicht wirklich sympatisch.
Offene Fragen:
Wenn Bioland (lt. Pressemitteilung) so gute Beziehungen zum Julius-Kühn-Institut hat, warum wurde dann nicht schon eine Lösung für die Teilnahme der Bioverbände an der Studie gefunden bzww. eine eigene Studie aufgelegt, um hier eine vergleichbare Transparenz zu schaffen?
Warum fährt eine NDR Journalistin innerhalb einer Sendung mit 3 verschiedenen Fahrzeugen des Volkswagenkonzerns durch die Gegend?
Gruß
Kai