Zunächst ist landlive.de keine Zeitschrift, sondern ein reine Communityplattform, die vom Deutschen Landwirtschaftsverlag (DLV) betrieben wird. In der "Szene" ist landlive.de zweifellos prominent, das hat meiner Einschätzung nach zwei wesentliche Gründe: landlive.de wurde nicht aus dem Boden gestampft, sondern konnte durch die Übertragung der Domain xtrac.de auf einen prominenten Namen innerhalb der Agrarforen aufbauen. Der Betreiber DLV hat über seine zahlreichen Print- und Onlineaktivtäten optimale Möglichkeiten landlive.de innerhalb der Zielgruppe zu bewerben. Weniger entscheidend, aber durchaus wichtig: Der Bayerische Bauernverband ist über den BLV Gesellschafter beim Betreiber DLV, das macht landlive.de authentisch. Ausserdem ist landlive.de gut gemacht, die Bedienung ist vergleichsweise einfach und das Community-Management läuft gut. Mein Fall ist das zwar alles nicht, aber der Wurm muss ja auch dem Fisch schmecken.
Vor dem Hintergrund kaum landwirtschaftliche Aktivitäten auf Xing und Facebook zu entdecken, stellt Hans Bayartz die Frage:
Wollen Landwirte nicht networken, sich austauschen, Kontakte pflegen und die „Wohltätigkeiten“ des Web 2.0 genießen?Sondiert die Ursachen aus Gesprächen mit jungen Landwirten, die zwar viel auszutauschen hätten, doch mit wenig Zeit gesegnet sind, dass interessante Communities fehlen. Es kann sein, dass die junden Landwirte schon wieder zu jung sind, aber wie ich bereits vor einiger Zeit geschrieben habe, das Web 2.0 ist in der Landwirtschaft zwar eher weniger auffällig vorhanden, deswegen aber kein Vakuum. Damals habe ich den Landtreff und den Bäuerinnentreff als Beispiel genannt, heute würde ich auch das Agrarforum zu den aktiveren Communities zählen und von Besuchen diverser Schleppertreffen weiß ich, dass es auch dort eine aktive Online-Gemeinde gibt. Das ist alles nicht immer so webzweinullig wie es sein könnte, muss es auch nicht, denn nicht die Technik bestimmt die Kommunikation, sondern der Nutzen, den die Beteiligten daraus ziehen können.
Überbordende Technik kann sogar zum Hemmnis der Vernetzung werden, darf doch nicht vergessen werden, dass viele der Vernetzungswilligen aus dem Umfeld der Landwirtschaft in Regionen leben, die nur schlecht ans Internet angebunden sind. Selbst in meiner urban geprägten Umgebung wird seit Jahren um die DSL Anbindung in den Ortsteilen gekämpt.
Was in der Online-Vernetzung fehlt, oder nicht erkannt wird, ist der Nutzen, der sich daraus ergibt. Dazu muss man auch bedenken, dass es in der Landwirtschaft bereits eine ausgeprägte Vernetzung gibt, die mehr oder weniger institutionalisierten Maschinenringe sind ein Beispiel dafür und der sprichwörtliche "Dorfklatsch" gehört ebenfalls dazu. Der Nutzen davon lässt sich unmittelbar ableiten, welcher Vorteil ergibt sich Online? Im wesentlichen Informationsaustausch, dessen Tragweite aber nicht überschätzt werden sollte. Das hat mit der Struktur der Landwirtschaft zu tun. Es gibt nicht den Landwirt bzw. die Landwirtin. Das ist eine ausgeprägt heterogene Gruppe, Wirtschaftsweisen, geologische und klimatische Voraussetzungen, regionale Besonderheiten und vieles mehr unterscheiden sich ebenso wie das Selbstverständnis. Man versuche nur mal einen Schweinemäster, einen Winzer und einen Gemüsebauer an einen Tisch zu bringen, die Basis der gemeinsamen Themen ist eher gering. Selbst zwischen zwei Ackerbauern, die aus unterschiedlichen Bundesländern stammen kann schnell Schweigen eintreten, weil sich die gesetzlichen Regelungen nach denen sie sich richten müssen, unterscheiden. Trotzdem ist natürlich genung Gemeinsamkeit da, Landtreff, Bäuerinnentreff, Agrarforum und landlive.de sind ja das beste Beispiel dafür, dass diese zur Vernetzung im Internet führen.
Ich denke, die zentrale Frage um die es im dem Artikel geht, ist ob eine weitere Community machbar ist und wer sie bezahlt, der Autor Hans Bayartz ist schliesslich als Anbieter von "Social Software" tätig. Die Frage nach dem Geld ist schnell beantwortet, das liegt bei Verbänden und Unternehmen. Bei den Verbänden dominiert personell und vor allem finanziell der Bauernverband, der indirekt an Landwirtschaftsverlagen beteiligt ist, die ihrerseits eigene Comunities betreiben, allen voran landlive.de. Unternehmen gäbe es im landwirtschaftlichen Umfeld genug, deren Engagement im Bereich Social Media und Web 2.0 ist z.Z. noch sehr begrenzt. Ob diese sich allerdings jenseits der eigenen Markenpolitik an eine Landwirtschaftscommunity wagen, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür ist die Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit mit dem Bauernverband zu stark.
Was bleibt ist die Nische in der Nische. Beispielsweise Verbände jenseits der Agrarindustrie oder Segmente wie die Direktvermarkter. Ersteren fehlt schlicht das Geld, wobei ich aus meinen Gesprächen mit Funktionären der bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft weiß, dass der Wille durchaus vorhanden wäre. Bzgl. Direktvermarkter und Web 2.0 gab es hier im Blog schon heftigste Diskussionen, es sind Einzelne, die ihre Vorteile erkennen und nutzen sie dann auch. Für die Mehrzahl der Direktvermarkter gilt wahrscheinlich auch hier, dass der Aufwand für Zeit und/oder Geld eher klein gehalten werden muss.
Es bleibt schwierig in der Landwirtschaft, ob mit oder ohne Web 2.0. Ich glaube auch hier gibt es einen Prozess, der sich dem Internet und seinen Möglichkeiten weiter öffnet. Doch der verläuft langsam, langsamer als in vielen anderen Bereichen, das hat schlicht seine Ursache in der Struktur der Landwirtschaft und so lange ein Gutteil der Zielgruppe noch nicht einmal DSL hat, darf man die Segel nicht zu groß nähen. Gleichwohl halte ich Web 2.0, Social Media oder wie auch immer der nächste Internettrend heissen wird, für die Möglichkeit, die verkrusteten Strukturen innerhalb der Agrarpublizistik aufzubrechen. Die Themen müssen authentisch sein, von den aktiven Teilnehmern des Agrarsektors stammen und nicht von Verbandslobbyisten. Die Plattform dafür kann eine Communitysoftware sein, ein Blog, Wiki oder Forum, neu aufgebaut oder ein bestehendes System. Wichtiger als der Businessplan ist es das Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Möglichkeiten bestehen und, dass diese über das hinausgehen was sich die Entwickler manchmal dabei gedacht haben.







Deine Analyse hinsichtlich langsamer Entwicklung und Dominanz des DBV halte ich für treffend.
Beste Wünsche
Hans Bayartz
www.blog.bayartz.de
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DANKE
MfG
Michael Finger
Holztechniker
(banale anmerkung: unbedingt leerzeilen einfügen nach jedem absatz. erhöht die lesbarkeit enorm!)