
Das Singspiel hatte in diesem Jahr nicht nur beim Bühnenbild eine erschreckende Nähe zur platten Unterhaltungsmaschine des Privatfernsehens. Diskussionen um Inhalt und Qualität der Starkbierprobe sind dabei nicht Neues, die Kunstfigur des Bruder Barnabas und das Singspiel haben sich dabei jedoch immer gegenseitig geholfen. War das eine mal flach, hat der prostende Mönch die Kohlen aus dem Feuer geholt und umgekehrt. Wäre dieses Jahr genauso gewesen, hätte da nicht ein Sturm scheinheliger Entrüstung Michael Lerchenberg und Christian Springer zum Rückzug bewogen. Wer bleibt, ist der im flachen Segment wohlfeile Alfons Biedermann, der in diesem Jahr einen neuen Tiefpunkt beim Singspiel markiert hat und die Veranstaltung damit kompatibel fürs Privatfernsehen gemacht hat, selbst Werbepausen waren bereits dramaturgisch eingebaut.

Lerchenbergs Rücktritt schmerzt mich dabei eigentlich gar nicht so sehr, wie der Wirbel um seine Person. Seine Arbeit als Autor, Regisseur, Schauspieler und Intendant schätzte ich ausserordentlich und mir fällt spontan in der bayerischen Theaterszene niemand ein, der auf ein ähnliches Schaffen zurückblicken kann und dabei so integer und bescheiden ist. Vor Christian Springer ziehe ich ebenfalls meinen Hut und gestehe hiermit öffentlich ein, ihn bisher verkannt zu haben. Mit seine Bühnenfigur "Fonsi" bin ich einfach nicht warm geworden. Ein wenig wärmer wurde es mit seiner entlarvenden Analyse von Westerwelles Populismus.
Jetzt darf das Eis als gebrochen angesehen werden. Denn das ist es was wir brauchen, Menschen, die politische Scharlatane entlarven und dabei auch unbequem werden. Schon mehr als genug gibt es, von diesen intellektuellen Tieffliegern ohne Rückgrat, die sich in einem fort selbst beweihräuchern. Was die bigotten Moralapostelen in den letzten Tagen vollkommen übersehen haben ist, wer in der Debatte um Hartz-IV mit grenzwertigen Parolen Stimmung gemacht hat und sich besser einige Zeit zur Besinnung zurückziehen sollte. Vom Rücktritt eines Außenministers und Vizekanzler habe ich jedenfalls nichts mitbekommen.
Nachtrag: Wie es scheint ist der Bayerische Rundfunk einmal mehr eingeknickt. "Inkriminierte Passagen", wie sie ein Sprecher des BR bezeichnet, wurden für die Wiederholung am vergangen Freitag herausgeschnitten. [via]






