Thematisch beginnt Bode beim Handel und schildert die allfällige Manipulation des Einkaufsverhaltens durch die geschickte Produktplatzierung in den Regalen und den Versuch durch Markennamen die eine ländliche Idylle vorgeben von den tatsächlichen Produktionsmethoden abzulenken. Am Beispiel der Lebensmittelskandale der letzten Jahre wird dann gezeigt, dass eigentlich der Betrug zum Regelfall geworden ist und bereits gesetzeskonformes Handeln ausreicht um mit imageträchtigen Logos ausgezeichnet zu werden. Wenn man dann liest, dass die Lebensmittelgesetze, die eigentlich zum Schutz des Verbraucher erlassen werden, von Gremien stammen deren Mitglieder fast ausschliesslich aus der Lebensmittel- und Agrarindustrie kommen, dämmert es spätestens, dass der Begriff Verbraucherschutz nicht einmal mehr als Euphmismus durchgeht sondern längst zu einer Lüge geworden ist. Wohltuend ist, dass Bode dabei die Ursache nicht mit stereotypen "Geiz ist geil" oder "der Verbraucher bestimmt selbst was er kauft" Argumenten begründet sondern die Marktsteuerung durch die Industrie hervorhebt. Der Preis der Produkte ist nicht entscheidend für die Qualität, was er am Beispiel Milch darlegt. Es ist schlicht nicht ersichtlich warum eine "Markenmilch" mit bunter Verpackung qualitativ besser sein soll als die nur halb so teure Handelsmarke. Für beide gelten die gleichen Vorschriften was die Erzeugung und Verarbeitung angeht und zum Teil hat die Milch ja auch den gleichen Ursprung.
So kommt der Autor dann auch zu dem Schluss, dass besserer Verbraucherschutz nicht durch eine "Politik mit dem Einkaufswagen" zu erreichen ist, die Verbraucher müssen sich ihre Lobby endlich selbst schaffen und nicht auf das Vertrauen was ihnen von der Industrie vorgesetzt wird. Das ist ausdrücklich doppeldeutig, denn nicht nur das was wir essen folgt dem Diktat der Industrie sondern auch Institutionen die sich dem Namen nach um Lebensmittelsicherheit kümmern sollten werden von der Industrie gesteuert.
Für mich hat sich das Wochenende jedenfalls gelohnt und ich kann jedem das Buch nur ans Herz legen. Sicher, was die Fakten in dem Buch angeht ist zumindest für halbswegs informierte Konsumenten nichts neues dabei. Neu sein dürfte für die meisten der Schluss den Thilo Bode zieht und zumindest ich habe mich dabei ertappt gesehen wie weit ich schon wieder bereit bin Schludereien mit Lebensmitteln als normal anzusehen und, dass es wieder an der Zeit ist etwas kritischer zu werden. Zwei Dinge möchte ich dem Autor aber an die Hand geben. Das dauernde Hervorheben der Automobilindustrie als Beispiel für funktionierenden Verbraucherschutz ist zwar plakativ aber leider falsch. Dafür würde ich als Erweiterung zum Thema Manipulation noch die Werbefilmchen der Lebensmittelindustrie behandeln, die als "Wissensfernsehen" getarnt über den Fernseher flimmern. Vielleicht ist das ja etwas für die nächste Auflage oder wenigstens das "Blog zum Buch" von foodwatch. (







ich habe das Buch von Herrn Bode nicht gelesen aber ihn schon in zwei Talkshows zum Thema (Buchpromo incl. ) erlebt. Vieles was er zum Thema Verbraucherschutzgesetz und Lebensmittelüberwachung sagt, kann ich nachvollziehen. Seine Sicht auf den Markt kaum. Wenn er von Manipulation bei der Präsentation von Produkten im Handel spricht z.B. Erstmal sind das sehr alte Hüte und zweitens was wäre denn sein Alternativvorschlag? Zurück in den Konsum, Tante Emma? Findet er Aldiverkauf von der Palette besser? Da bleibt doch auch die letzte Wertigkeit auf der Strecke. Wir Konsumenten wollen doch auch ein schönes Einkaufserlebnis. Das zeigt zumindest die Abstimmung mit den Füßen.
Markenprodukte: Muss man imer auf die Produktqualität reduzieren? Was ist schlecht an Marken? Sie geben Orientierung und differenzieren ein Einheitsprodukt wie Milch. Marken gehören zu unserem Konsumleben dazu in allen Bereichen und besonders beim Auto. Es ist doch keiner gezwungen sie zu kaufen, oder?
Ich glaube Bode malt ein Bild vom Konsumenten der sehr hilflos da steht. Und nun kommts..... außer Herr Bode und foodwatch helfen.
Ich müsste mich auch sehr täuschen wenn die Discounter als Lösung präsentiert werden. Wobei es eine Anekdote aus dem Buch gibt die ich köstlich finde:
Als letztes Jahr die Cumarin Diskussion losgetreten wurde, war ja relativ schnell klar, dass man das bis zum Herbst aussitzt und dann so tut als wenn die unnötig hohe Cumarinbelastung gottgeben und somit unabwendar wäre. Rückruf war keine Alternative, schon gar nicht für die Zimtprodukte eines bekannten deutschen Süßwarenunternehmens. Interessanterweise produziert das Unternehmen auch für Discounter, diese Produkte waren aber nicht jenseits der Grenzwerte belastet. Wo ist jetzt da die Wertigkeit? Liegt es einfach daran, dass man den Discountern mehr auf die Finger kuckt und daher aus Angst vor Skandalen sorgfältiger gearbeitet wird?
Aber zurück zu den Marken. Sicherlich wird niemand dazu gezwungen, dass er Marken kauft. Nur wenn ich mir die Aussagen der Lobbyisten und Politiker unmittelbar nach den Lebensmittelskandalen so in Erinnerung rufe, dann war der Tenor immer, dass die "Geiz ist geil" Mentalität daran schuld ist. Kein Wort davon, dass möglicherweise Unternehmen systematisch am Rande oder gar jenseits der Legalität arbeiten. Im Zweifel ist der Verbraucher schuld, stimmt er ja angeblich mit den Füßen ab. Wir glaubens und kaufen die teure Markenmilch, von den gleichen unterbezahlten Landwirten aus den gleichen muffigen Ställen wie die Palettenmilch. Einziger Unterschied, wir haben jetzt ein gutes Gewissen und eine buntere Verpackungen im Kühlschrank.
Ganz ehrlich, auf ein Einkaufserlebnis kann ich getrost verzichten wenn ich keine korrekte Auskunft über die Inhaltsstoffe bekomme. Weil der Verkäufer auch nur die Verpackung ablesen kann und eine Nachfrage beim Hersteller zwar eine Flut von Prospekten auslöst aber konkrete Nachfragen mit dem Hinweis auf Betriebsgeheimnisse abgeblockt werden. Bei den Bäckern und Metzgern bei mir im Ort hingegen habe ich schnell und bereitwillig Auskunft erhalten. In einem Fall wurde der Meister dadurch sogar selbst darauf aufmerksam, dass eine Gewürzmischung seit neuestem Geschmacksverstärker enthalten und hat diese sofort vor den Augen der Kundschaft entsorgt.
Ob der Konsument nun als hilflos dargestellt wird möchte ich nicht sagen. Ich gebe aber gerne zu, dass ich mich schon an der einen oder anderen Stelle gefragt habe wie blind ich eigentlich bin und dabei halte ich mich durch aus für einen kritischen und bewussten Konsumenten. Ich glaube aber, dass es ein weites Feld gibt wo wir Schluderei und Pfuscherei einfach hinnehmen und bereitwillig Argumente der Industrie übernehmen die uns vor der eigenen Konsequenz schützen. Ob man deswegen automatisch Bode bzw. foodwatch als alleinigen Retter annimmt wage ich zu bezweifeln - ich wähle ja auch nicht die CSU nur weil ich mal den Bayernkurier gelesen habe. Aber mal im Ernst, die Luft ist schon recht dünn wenn es um Verbraucherschutz geht. Die meisten sind doch entweder altrusitische Weltverbesserer oder hängen am Tropf des Staates.
> Erstmal sind das sehr alte Hüte
Vollkommen richtig, nur leider noch nicht alt genug. Es gibt genug Menschen die das zwar mal gehört haben aber trotzdem "darauf reinfallen". Es kann ja wohl nicht sein, dass Tricksereien sich dadurch legitimieren, dass sie nur möglichst alt sind. Sie funktionieren immer noch, sonst würden die Hersteller keine Zahlungen für prominente Regalplätze tätigen.
> was wäre denn sein Alternativvorschlag? Zurück in den Konsum, Tante Emma?
> Findet er Aldiverkauf von der Palette besser? Da bleibt doch auch die letzte
> Wertigkeit auf der Strecke.
Das ist eben die Frage welche Wertigkeit dabei (noch) verloren gehen soll. Bei dem chemischen Gebräuen, die uns Industrie als Lebensmittel verkaufen will ist doch der letzte Wert bereis dahin. Abgesehen natürlich vom Gewinn der damit gemacht wird.
> Markenprodukte: Muss man imer auf die Produktqualität reduzieren?
Auf was denn sonst? Wenn ich auf schickimicki und Eindruck machen will gehe ich in den Delikatessenladen. Es geht doch um Lebensmittel - der ganz ordinäre Joghurt zum Frühstück oder die Salami fürs Pausenbrot. Damit will ich nicht meine soziale Stellung darstellen sondern genüsslich satt werden ohne Gefahr zu laufen. dass mich die Zusatzstoffe in meiner Gesundheit gefährden.