Unter dem Vorwand die ökologische Landwirtschaft zu fördern rühmt sich der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller, dass auch noch nach 2010 Betriebe die Anbindehaltung praktizieren in den Genuss von Prämienzahlungen aus dem Kulturlandschaftspflegeprogramm (KULAP) kommen. Die weitergehende Prämienzahlung ist an die Bedingungen geknüpft, dass es sich um nicht mehr als 35 Tiere pro Betrieb handeln darf und der Anbindestall vor dem Jahre 2000 errichtet sein muss. Die Zahl 35 dürfte schlichtweg deswegen gewählt worden sein, weil damit so ziemlich alle betroffenen Bio-Betriebe in Bayern darunter fallen und wer in den 90ern noch einen Anbindestall gebaut hat um dann auf ökologische Landwirtschaft umzustellen hat wahrscheinlich den tieferen Sinn dahinter noch nicht entdeckt gehabt.
Was da als "praxisgerechte Lösung" verkauft werden soll ist ein Rückschlag für den Tierschutz. Zumindest für mich ist ökologische und nachhaltige Lanfwirtschaft ohne Tierschutz einfach nicht denkbar. Für die betroffenen Landwirte ist es sicher angenehm weiter Fördergelder zu erhalten, bringt aber auch den Betrieben die den Tierschutz ernst nehmen einen wirtschaftlichen Nachteil. Wo die einen Fördergelder fürs lamentieren und nix tun bekommen, drücken bei den anderen die getätigten Investitionen den Gewinn. Da frage ich mich doch welche ökologischen Betriebe damit vor der Exitus bewahrt werden sollen.
Dabei spricht grundsätzlich nichts gegen Ausnahmen, aber es sollten eben auch wirkliche Ausnahmen sein, die individuell geprüft werden müssen. Wer weiss was da noch alles auf dem Betrieb im argen liegt wenn der Zeitraum zwischen Umstellung und 2010 nicht ausreicht die Anbindehaltung abzuschaffen. Es kann doch nicht sein, dass ein Betrieb umgestellt und zertifiziert ist, dessen wirtschaftliche Situtation eine ökologische Wirtschaftsweise nicht zulässt. Im Sinne des Tierschutzes wäre es noch sinnvoll wenn die Prämien nur unter der Bedingung ausgezahlt werden, wenn sofort mit dem Umbau des Stalls begonnen wird. Denkbar wäre auch die Prämien als Ausgleich für die Reduzierung des Bestands zu zahlen, dann wäre wieder mehr Platz im Stall und die Investitionen für den Umbau könnten niedriger ausfallen. Eigentlich ist alles besser, als das Geld so mit der Gießkanne zu verteilen und dabei noch so zu tun als sei das ein Dienst für die ökologische Landwirtschaft.
Dienstag, 30. Oktober 2007
Bio um jeden Preis
Montag, 29. Oktober 2007
Lesewochende
Thematisch beginnt Bode beim Handel und schildert die allfällige Manipulation des Einkaufsverhaltens durch die geschickte Produktplatzierung in den Regalen und den Versuch durch Markennamen die eine ländliche Idylle vorgeben von den tatsächlichen Produktionsmethoden abzulenken. Am Beispiel der Lebensmittelskandale der letzten Jahre wird dann gezeigt, dass eigentlich der Betrug zum Regelfall geworden ist und bereits gesetzeskonformes Handeln ausreicht um mit imageträchtigen Logos ausgezeichnet zu werden. Wenn man dann liest, dass die Lebensmittelgesetze, die eigentlich zum Schutz des Verbraucher erlassen werden, von Gremien stammen deren Mitglieder fast ausschliesslich aus der Lebensmittel- und Agrarindustrie kommen, dämmert es spätestens, dass der Begriff Verbraucherschutz nicht einmal mehr als Euphmismus durchgeht sondern längst zu einer Lüge geworden ist. Wohltuend ist, dass Bode dabei die Ursache nicht mit stereotypen "Geiz ist geil" oder "der Verbraucher bestimmt selbst was er kauft" Argumenten begründet sondern die Marktsteuerung durch die Industrie hervorhebt. Der Preis der Produkte ist nicht entscheidend für die Qualität, was er am Beispiel Milch darlegt. Es ist schlicht nicht ersichtlich warum eine "Markenmilch" mit bunter Verpackung qualitativ besser sein soll als die nur halb so teure Handelsmarke. Für beide gelten die gleichen Vorschriften was die Erzeugung und Verarbeitung angeht und zum Teil hat die Milch ja auch den gleichen Ursprung.
So kommt der Autor dann auch zu dem Schluss, dass besserer Verbraucherschutz nicht durch eine "Politik mit dem Einkaufswagen" zu erreichen ist, die Verbraucher müssen sich ihre Lobby endlich selbst schaffen und nicht auf das Vertrauen was ihnen von der Industrie vorgesetzt wird. Das ist ausdrücklich doppeldeutig, denn nicht nur das was wir essen folgt dem Diktat der Industrie sondern auch Institutionen die sich dem Namen nach um Lebensmittelsicherheit kümmern sollten werden von der Industrie gesteuert.
Für mich hat sich das Wochenende jedenfalls gelohnt und ich kann jedem das Buch nur ans Herz legen. Sicher, was die Fakten in dem Buch angeht ist zumindest für halbswegs informierte Konsumenten nichts neues dabei. Neu sein dürfte für die meisten der Schluss den Thilo Bode zieht und zumindest ich habe mich dabei ertappt gesehen wie weit ich schon wieder bereit bin Schludereien mit Lebensmitteln als normal anzusehen und, dass es wieder an der Zeit ist etwas kritischer zu werden. Zwei Dinge möchte ich dem Autor aber an die Hand geben. Das dauernde Hervorheben der Automobilindustrie als Beispiel für funktionierenden Verbraucherschutz ist zwar plakativ aber leider falsch. Dafür würde ich als Erweiterung zum Thema Manipulation noch die Werbefilmchen der Lebensmittelindustrie behandeln, die als "Wissensfernsehen" getarnt über den Fernseher flimmern. Vielleicht ist das ja etwas für die nächste Auflage oder wenigstens das "Blog zum Buch" von foodwatch. (
Donnerstag, 4. Oktober 2007
Free Burma!
Geschrieben von Michael Wenzl
um
08:00
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Dienstag, 2. Oktober 2007
Alternativer Nobelpreis geht an Gentechnikkritiker
Das kanadische Farmerehepaar Percy and Louise Schmeiser gehören dieses Jahr zu den Preisträgern des alternativen Nobelpreises. Das freut mich persönlich ganz besonders, war es doch ihr Auftreten gegen Monsanto, das mich (und wahrscheinlich viele andere) in Sachen Gentechnik und Saatgutpatente wachgerüttelt hat. Als sie 1998 von Monsanto herausgefordert wurden, gab es hierzulande zwar schon Versuche mit Gentechnik, der großflächige Einsatz schien aber noch in weiter Ferne zu liegen. Heute ist klar, dass die Gentechnik nicht dazu genutzt werden soll um die vermeintliche Knappheit von Lebensmitteln zu beseitigen sondern Macht und Einfluss der Konzerne auf die Nahrungsproduktion zu festigen.
Dabei hört sich die Geschichte die Percy and Louise Schmeiser passiert ist wie eine nordamerikanische Gerichtssoap an. Sie wurden von Monsanto verklagt weil auf deren Feldern 1997 Rapspflanzen wuchsen die aus gentechnisch verändertem Saatgut gekeimt sind - just jenem Saatgut auf das der Konzern ein Patent in Kanada angemeldet hat. Das interessante daran war, die Schmeisers haben nie Monsanto-Saatgut gekauft geschweige denn ausgesät. Die Samen wurden von Feldern in der Umgebung mit dem Wind hergetragen und keimten unbeabsichtigt. Nun könnte man sich noch vorstellen, dass sich die Schmeisers darüber aufregen, dass das Saatgut zu ihnen getragen wurde. Möglicherweise könnte man noch bei dem Besitzer der Ackers von dem Saatgut ursrpünglich stammt ein wenig Verstimmung über den Verlust nachvollziehen. Wenn aber Monsanto die Schmeisers auf 400.000 Dollar (CAN) klagt, muss man schon ein Kenner des kanadischen Rechstsystems sein um darin auch nur entfernt einen Sinn zu erkennen.
Wo das Bachgefühl sofort Percy and Louise Schmeiser Recht geben würde folgte stattdessen ein langer Rechtsstreit, in dem erst vor dem obersten kanadischen Gerichtshof der Agrarkonzern Monsanto in die Schranken verwiesen wurde. Dabei steht der Fall Monsanto vs. Schmeiser nicht allein, laut einem Bericht des Center for Food Safety waren im Jahre 2005 186 Fälle bekannt in denen Bauern und Agrarbetriebe von Monsanto wegen Patentverletzungen auf insgesamt 15.000.000 Dollar verklagt wurden.
Percy and Louise Schmeiser erhalten den Preis zu einem für uns Europäer günstigen Zeitpunkt, zeigen sie uns doch an einem praktischen Beispiel, dass Gentechnik und Saatgutpatente eine Gefahr für die gesamte Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung sind. Vielleicht denkt der eine oder andere noch um und erkennt, dass der Mindestabstand von Feldern nur ein Feigenblatt ist, das die tatsächlichen Probleme nicht einmal im Ansatz löst.
Dabei hört sich die Geschichte die Percy and Louise Schmeiser passiert ist wie eine nordamerikanische Gerichtssoap an. Sie wurden von Monsanto verklagt weil auf deren Feldern 1997 Rapspflanzen wuchsen die aus gentechnisch verändertem Saatgut gekeimt sind - just jenem Saatgut auf das der Konzern ein Patent in Kanada angemeldet hat. Das interessante daran war, die Schmeisers haben nie Monsanto-Saatgut gekauft geschweige denn ausgesät. Die Samen wurden von Feldern in der Umgebung mit dem Wind hergetragen und keimten unbeabsichtigt. Nun könnte man sich noch vorstellen, dass sich die Schmeisers darüber aufregen, dass das Saatgut zu ihnen getragen wurde. Möglicherweise könnte man noch bei dem Besitzer der Ackers von dem Saatgut ursrpünglich stammt ein wenig Verstimmung über den Verlust nachvollziehen. Wenn aber Monsanto die Schmeisers auf 400.000 Dollar (CAN) klagt, muss man schon ein Kenner des kanadischen Rechstsystems sein um darin auch nur entfernt einen Sinn zu erkennen.
Wo das Bachgefühl sofort Percy and Louise Schmeiser Recht geben würde folgte stattdessen ein langer Rechtsstreit, in dem erst vor dem obersten kanadischen Gerichtshof der Agrarkonzern Monsanto in die Schranken verwiesen wurde. Dabei steht der Fall Monsanto vs. Schmeiser nicht allein, laut einem Bericht des Center for Food Safety waren im Jahre 2005 186 Fälle bekannt in denen Bauern und Agrarbetriebe von Monsanto wegen Patentverletzungen auf insgesamt 15.000.000 Dollar verklagt wurden.
Percy and Louise Schmeiser erhalten den Preis zu einem für uns Europäer günstigen Zeitpunkt, zeigen sie uns doch an einem praktischen Beispiel, dass Gentechnik und Saatgutpatente eine Gefahr für die gesamte Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung sind. Vielleicht denkt der eine oder andere noch um und erkennt, dass der Mindestabstand von Feldern nur ein Feigenblatt ist, das die tatsächlichen Probleme nicht einmal im Ansatz löst.
Geschrieben von Michael Wenzl
um
20:00
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