Seit heute habe ich einen Grund mehr. Dabei will ich nicht ausschliessen, dass es das Phänomen schon länger gibt und mir nur nicht aufgefallen ist. Google will mir vorschreiben welche Seiten ich besser nicht besuchen soll. Verpackt wird das als "Malware-Warnung" und könnte fast so etwas wie Benutzerfreundlichkeit sein. Könnte, wenn die Warnung einen berechtigten Grund hätte. Die Seite vor der man mich warnt ist debianforum.de, genauer gesagt eine Unterseite, in der es um das Programm rkhunter geht. rkhunter steht für "rootkit hunter" und ist eine Software, die nach Veränderungen am Betriebssystem sucht, die auf einen Angriff hindeuten können. Damit fällt es in die Gruppe des sog. Intrusion Detection Systems, steht also auf der Seite der "Guten".
Warum Google dann meint vor dem Zugriff warnen zu müssen ist ein Rätsel, vielleicht nur ein Fehler im System. Eines macht es aber deutlich, auf das Internet bezogen ist eine Suchmaschine ein elementarer Bestandteil, der die Meinungsfreiheit einschränken kann. Egal mit welcher Motivation die Suchergebnisse bewertet werden, im Endeffekt führt es zu einer Einschätzung, die von den Benutzern übernommen wird. Das fängt mit dem Algorithmus an, der die Reihenfolge der Suchergebnisse vorgibt und findet seinen Fortgang in den nicht durchschaubaren Gründen für die Warnung vor einer Seite zum Thema Computersicherheit. Das Extrem ist dann, dass auf die Warnung verzichtet wird und die betreffende Seite gar nicht mehr in den Ergebnissen angezeigt wird. Wie jeder weiss, ist das z.B. in China übliche Praxis. Suchmaschinenbetreiber, auch westliche wie google und yahoo, streichen nach Massgabe der Behörden unliebige Webseiten aus den Ergebnissen.
In Europa fühlt man sich in der Hinsicht auf der sicheren Seite. Kaum jemand käme auf die Idee Manipulation zu wittern. Können wir uns da so sicher sein? Wer schon mal in verschiedenen Ländern, die gleiche Suchanfrage gemacht hat, wird festgestellt haben, dass sich die Ergebnislisten unterschieden haben. Es muss also irgendeinen Mechanismus geben, der Kriterien jenseits der Suchbegriffe in die Ergebnisse einfliessen lässt. Wer will da sicherstellen, dass die nicht auch dazu genutzt werden Seiten gar nicht oder nur weit hinten erscheinen zu lassen? Vor allem wer will sicherstellen, dass die Gründe dafür gut genug sind? Im Endeffekt die Benutzer. Dadurch, dass sie die Suchmaschine benutzen wenn sie gut ist und meiden wenn sie schlecht ist. Ich bezweifle allerdings schwerst, dass das Gros der Benutzer überhaupt davon weiss, dass es jenseits von google andere Suchmaschinen gibt. Hinzukommen die vermeintlichen Vorbilder. In der Mehrzahl der Interneteinführungen, privat oder in Kursen, dürfte das Kapitel Recherche mit google anfagen und danach gleich wieder aufhören. Selbst viele Menschen, die sich selbst als kritisch und hinterfragend ansehen, bei jeder Gelegenheit die Schocki vom Konzern aus moralischen Gründen zurückweisen, übertragen ihre Entscheidungskriterien aus dem realen Leben nicht ins Internet.
Immerhin darf man vorläufig Entwarung geben. Ein google-droid hat den Fehler bemerkt und die Suchergebnisse werden wieder diskriminierungsfrei angezeigt. Nur so viel sollte jedem klar sein, die Mechanismen zur Manipulation der Suchergebnisse sind vorhanden. Ob und wie sie eingesetzt werden entscheidet aber nicht der Benutzer, sondern google aus eigener Motivation oder weil eine staatliche, vielleicht auch wirschaftliche, Authorität es wünscht. Hinterher wird man es höchstens Schönreden.
Nachtrag: Was man so liest, haben die google-droids den Fehler in der Liste ausgemacht, die sie von StopBadware.org erhalten und in der eigentlich nur wirklich gefährliche Webseiten enthalten sein sollen. Von einem "human error" ist die Rede. Ich würde so etwas als Systemfehler bezeichnen, was ist denn wenn so ein Fehler irgendwann mal Absicht ist.






