Ich halte mich ja für einigermaßen informiert, wenn es um Lebensmittel geht. Neulich hörte ich allerdings einen Beitrag beim
Deutschlandfunk (sollte man echt öfter hören), der mich wirklich überraschte. Es ging um Frischfleischangebote beim Lidl und Aldi. Steht dort ja als Truhe mit sauber verpackten und auch ganz ansehnlichen SB-Portionen. Gelegentlich mit dem Hinweis "Frischfleisch". Nun haben die
Fleischforscher aus Kulmbach aber mal genau draufgeschaut und eine Reihe von Produkten eben nicht als Frischfleisch sondern "nur" als Fleischzubereitungen entlarvt. Das perfide: es steht schon drauf aber was es letztendlich bedeutet, erschließt sich nur dem Fachmann im Lebensmittelrecht: Frischfleich darf nur heißen was frisch (nicht aufgetaut) ist und ausschließlich aus Fleisch (o. Knochen u. Fett) besteht. Bei den Fleischzubereitungen und es geht hier nicht um Gyros oder so, wo es ja jeder gleich erkennt, dass noch Marinade dabei ist, darf 1. auch aufgetautes Fleisch verwendet werden, 2. andere Zusätze enthalten sein. Im beschriebenen Fall sind das z.B. Natriumdiacetat und Natriumacetat (zur Haltbarmachung und Glukosesirup (zur geschmacklichen Neutralisation der Säuren). 3. entzieht man sich auf der letzten Handelsstufe dem Rindfleischetikettierungsgesetz, welches nur für Frischfleisch gilt. Die Herkunft ist somit für den Verbraucher nicht mehr transparent. Das Schutzgas in der Verpackung dient letztlich einem hygienischen Produkt und ist nicht weiter schädlich. Es bewart eine kräftige Farbe aber da wird mit entsprechender Beleuchtung in der Fleischtheke auch gemogelt, wenn man es so nennen will.
Ich bin dann mal in unseren Aldi hier marschiert und habe entsprechend als Zubereitung derklariertes Rindfleisch gefunden. Die Bezeichnung steht vorne drauf aber die Zutatenliste nur hinten und weil es nur das schiere Fleisch ist was man sieht, kann ich mir schon vorstellen, dass die meisten Kunden es als Frischfleisch kaufen.
Hier ist der
DLF Beitrag als MP3 und
hier als html.
Laut Lebensmittelzeitung erreichen die beiden Discounter jeweils ca. 6% Marktanteil bei Frischfleisch, wobei dort nicht die oben beschriebene Differenzierung vorgenommen wird. Lidl verkauft seit Anfang 2003, Aldi Nord seit Mitte 2004 und Aldi Süd seit Ende 2005 Fleisch. Aldi Süd setzt von Anfang an auf QS, Lidl seit Beginn 2006. Lidl lobt bei Geflügelfleisch die "fünf D" aus, die für deutsche Elterntiere, Futter aus deutschen Futtermühlen sowie Geburt, Aufzucht und Schlachtung in Deutschland stehen.
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Die dort angesprochene Problematik mit dem u.U. aufgetauten Fleisch und den Konservierungsmitteln fallen ja schon fast wieder in die Kategorie Ekelfleisch. Erst recht wenn man bedenkt, dass die man Herkunft nur bis zum Verarbeitungsbetrieb rückverfolgt werden kann. Bei echten Frischfleisch ist es über die gesamte Herstellungskette, bis hin zur Ohrmarke rückverfolgbar.
Besonders die deutschen Geflügelmäster haben mit dieser Vorgehensweise aber ein Problem. Da im Geflügelbereich der Anteil von Convenience-Ware (z.B. marinierte Putensteaks) besonders hoch ist, kann ein bedeutender Teil des deutschen Geflügelfleisches jederzeit durch importiertes (gefrorenes, gesalzenes) Geflügelfleisch ersetzt werden. Deshalb wird von den Verbänden auch eine Kennzeichnung gefordert, die die Herkunft für verarbeitetes Fleisch einschließt.
Von der Qualität und Frische, soweit man bei diesen Produkten davon sprechen kann, hätte ich immer noch das größte Vertrauen in Aldi, da sind die Verkäuferinnen auch mehr auf Zack, was das Rausräumen gammeliger Ware betrifft. Bei Lidl hab ich schon einiges gesehen, na ja.......Zu den anderen, die sowas anbieten, hätt ich gar kein Vertrauen! Letzendlich bin ich froh um meine Gefriertuhe in der mein Rindfleisch und auch mal ab und zu ein Schwein meines Bruders sein kurzes Dasein fristet.