Übers Wochende gab es hier ein wenig Arbeit. Das Blog wurde auf einen anderen Server verschoben und bei der Gelegenheit gleich noch die Blogsoftware auf den neuesten Stand gebracht. Nachdem Serendipity 1.4 lange Zeit gute Dienste geleistet hat, ist jetzt der Schritt zu 1.5 gemacht. Reine Routine, keine Probleme, abgesehen von denen, die dadurch entstanden sind, dass ich vergessen hatte die de_DE locales auf dem Server zu aktivieren.
Weil ich es drüben etwas ausführlicher dargestellt habe und hier im Blog noch nie so richtig erwähnt habe. Der Webserver, auf dem dieses Blog läuft schreibt im Regelfall keine Logdateien und die Analysesoftware Piwik ist so konfiguriert, dass die IP Adresse anonymisiert werden. "Im Regelfall" deswegen, weil es vorkommen kann, dass die Logdateien kurzfristig aktiviere wenn es darum geht Fehler zu suchen.
Vollkommen anonym ist das Blog trotzdem nicht, die IP-Adressen bei Kommentaren werden gespeichert und bei eingebundenen Inhalten, wie etwa Videos und Bilder, kann ich die Speicherung bei den Diensteanbietern nur bedingt beeinflussen. Darum prankt hier, trotz aller Wertschätzung, auch nicht das Logo von "Wir speichern nicht". Grundsätzlich lassen die Bedingungen für das Logo, die Einbindung externer Inhalte zu, bei den Kommentaren will ich auf die Speicherung der IP-Adressen aber nicht verzichten, da ich damit Spammer ermitteln und sperren kann.
Montag, 15. März 2010
Aus dem Maschinenraum
Dienstag, 2. März 2010
Vorratsdatenspeicherung gekippt
Was hat man die Aktivisten gegen die Vorratsdatenspeicherung doch belächelt und als Querulanten abgetan. Heute hat das Bundesverafssungsgericht (BVerG) entschieden, dass die konkrete Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung gegen das Grundgesetz verstösst und damit nichtig ist. "Nichtig" ist dabei die entscheidende Formulierung, die der Präsident des BVerG heute gebraucht hat. Das ist die juristisch freundliche Formulierung für "absolut unbrauchbar". Man erinnere sich dazu an andere Entscheidungen des BVerfG, bei denen Gesetze zwar auch als Grundgesetzwidrig erkannt wurden, mit Blick auf den Staatspragmatismus aber eine Frist zur Änderung gestellt wurde. in der das alte Gesetz gültig blieb.
Weil im Fernsehen auch immer als wiederholt, zitiere ich mich an der Stelle mal selbst: "Damit hätte das Volk einmal mehr der Regierung gezeigt, dass die Demokratie nicht am Montag nach der Wahl endet."
Mehr zum Urteil in der Pressemitteilung des BVerfG.
Weil im Fernsehen auch immer als wiederholt, zitiere ich mich an der Stelle mal selbst: "Damit hätte das Volk einmal mehr der Regierung gezeigt, dass die Demokratie nicht am Montag nach der Wahl endet."
Mehr zum Urteil in der Pressemitteilung des BVerfG.
Sonntag, 14. Februar 2010
PIN-Prüfung bei EC- und Kreditkarten unsicher
Forscher der University of Cambridge haben einen Weg gefunden, die PIN-Prüfung bei EC- und Kreditkarten zu überlisten. Die BBC hat dazu einen Bericht produziert, der das Vorgehen praktisch zeigt. Sieht zwar so aus als wenn dazu ein halbes Rechenzentrum mitschleppen muss, das heisst aber nicht, dass Betrüger die Lücke nicht bereits mit höher integrierten Hilfsmitteln ausnutzen. Wundern würde es mich jedenfalls nicht.
Mir will das jedenfalls nicht einleuchten, dass alle Betrugsfälle, die mit gestohlenen EC- und Kreditkarten passieren, darauf zurückgeführt werden sollen, dass die Bestohlenen angeblich die PIN auf die Karte notiert haben.
In dem Zusammenhang ist es vielleicht wichtig darauf hinzuweisen, dass es im konkreten Fall um das PIN-Verfahren geht, für das der in die Karte eingebaute Chip zuständig ist. Das ist das sog. EMV-Verfahren. Die Prüfung über den Magnetstreifen ist seit jeher mangelhaft, diese wurde auch bereits 1997 vom Oberlandesgericht Hamm (Az: 31 U 72/96) festgestellt.
[via]
Mir will das jedenfalls nicht einleuchten, dass alle Betrugsfälle, die mit gestohlenen EC- und Kreditkarten passieren, darauf zurückgeführt werden sollen, dass die Bestohlenen angeblich die PIN auf die Karte notiert haben.
In dem Zusammenhang ist es vielleicht wichtig darauf hinzuweisen, dass es im konkreten Fall um das PIN-Verfahren geht, für das der in die Karte eingebaute Chip zuständig ist. Das ist das sog. EMV-Verfahren. Die Prüfung über den Magnetstreifen ist seit jeher mangelhaft, diese wurde auch bereits 1997 vom Oberlandesgericht Hamm (Az: 31 U 72/96) festgestellt.
[via]
Freitag, 16. Oktober 2009
Suchen EC-Karten-Betrüger im Netz nach ungesicherten Geldautomaten?
Ab und zu sehe ich mir die Suchbegriffe an, mit denen Besucher hier auf das Blog verwiesen werden. Nicht um daraus eine SEO-Strategie abzuleiten, sondern zur reinen Belustigung. Sehr oft kommt z.B. "Austrittserklärung Bauernverband" vor. Heute ist mit ein Suchbegriff untergekommen, der mich stutzig machte: "hat der bankomaten in schwabmünchen kamera"
Versucht da etwa jemand übers Netz Informationen über Geldautomaten zu erhalten? Die Taktik dahinter wäre eigentlich klar. An Automaten, die nicht überwacht sind, lässt sich leicht entsprechende Geräte anbringen, die Karte und zugehörige PIN den Kunden entwenden. Was mich ebenfalls stutzig macht, ist das Wort Bankomat, das kenne ich eigentlich aus Österreich, die Suchanfrage selbst kam aber mit der IP eines deutschen Providers. Die unorthodoxe Pluralbildung macht es nicht seriöser.
Eigenartig, sehr eigenartig.
Versucht da etwa jemand übers Netz Informationen über Geldautomaten zu erhalten? Die Taktik dahinter wäre eigentlich klar. An Automaten, die nicht überwacht sind, lässt sich leicht entsprechende Geräte anbringen, die Karte und zugehörige PIN den Kunden entwenden. Was mich ebenfalls stutzig macht, ist das Wort Bankomat, das kenne ich eigentlich aus Österreich, die Suchanfrage selbst kam aber mit der IP eines deutschen Providers. Die unorthodoxe Pluralbildung macht es nicht seriöser.
Eigenartig, sehr eigenartig.
Geschrieben von Michael Wenzl
in IT
um
09:30
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Tags für diesen Artikel: überwachung, bank

Montag, 14. September 2009
Rette Deine Freiheit
Ein sehenswertes Video von Alexander Lehmann:
Mehr dazu auf RetteDeineFreiheit.de, im Blog und auf Twitter. Für den ebenfalls von ihm stammenden und nicht minder sehenswerten Film "Du bist Terrorist", kann noch bis 24. September beim bitfilm Festival gestimmt werden.
[via]
RetteDeineFreiheit.de from alexanderlehmann on Vimeo.
Mehr dazu auf RetteDeineFreiheit.de, im Blog und auf Twitter. Für den ebenfalls von ihm stammenden und nicht minder sehenswerten Film "Du bist Terrorist", kann noch bis 24. September beim bitfilm Festival gestimmt werden.
[via]
Geschrieben von Michael Wenzl
in IT
um
14:07
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Tags für diesen Artikel: überwachung

Freitag, 17. Juli 2009
Freiheit statt Angst - 12.09.2009 in Berlin
Donnerstag, 2. Juli 2009
Nun also doch ein Freispruch
Über sechs Monate sind jetzt vergangen, aber vielleicht schon bald darf Burkhard Schröder wieder den Rechner sein eigen nennen, der bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt wurde. Vom Amtsgericht wurde er jetzt vom Vorwurf gegen das Waffengesetz verstossen zu haben freigesprochen. Hintergrund war der Beitrag "Rezepturen diverser Explosivstoffe" in einem Forum, den er dort 2005 eingestellt hat und im Original auf ein Usenet Posting von 1995 zurückgeht.
Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat noch die Möglichkeit der Revision. Wenn die Karte wirklich gezogen werden sollte, würde das Verfahren dann entgültig zur Farce werden.
Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat noch die Möglichkeit der Revision. Wenn die Karte wirklich gezogen werden sollte, würde das Verfahren dann entgültig zur Farce werden.
Samstag, 31. Januar 2009
Google meint es mit der Bevormundung nur gut. Ehrlich!
Seit heute habe ich einen Grund mehr. Dabei will ich nicht ausschliessen, dass es das Phänomen schon länger gibt und mir nur nicht aufgefallen ist. Google will mir vorschreiben welche Seiten ich besser nicht besuchen soll. Verpackt wird das als "Malware-Warnung" und könnte fast so etwas wie Benutzerfreundlichkeit sein. Könnte, wenn die Warnung einen berechtigten Grund hätte. Die Seite vor der man mich warnt ist debianforum.de, genauer gesagt eine Unterseite, in der es um das Programm rkhunter geht. rkhunter steht für "rootkit hunter" und ist eine Software, die nach Veränderungen am Betriebssystem sucht, die auf einen Angriff hindeuten können. Damit fällt es in die Gruppe des sog. Intrusion Detection Systems, steht also auf der Seite der "Guten".
Warum Google dann meint vor dem Zugriff warnen zu müssen ist ein Rätsel, vielleicht nur ein Fehler im System. Eines macht es aber deutlich, auf das Internet bezogen ist eine Suchmaschine ein elementarer Bestandteil, der die Meinungsfreiheit einschränken kann. Egal mit welcher Motivation die Suchergebnisse bewertet werden, im Endeffekt führt es zu einer Einschätzung, die von den Benutzern übernommen wird. Das fängt mit dem Algorithmus an, der die Reihenfolge der Suchergebnisse vorgibt und findet seinen Fortgang in den nicht durchschaubaren Gründen für die Warnung vor einer Seite zum Thema Computersicherheit. Das Extrem ist dann, dass auf die Warnung verzichtet wird und die betreffende Seite gar nicht mehr in den Ergebnissen angezeigt wird. Wie jeder weiss, ist das z.B. in China übliche Praxis. Suchmaschinenbetreiber, auch westliche wie google und yahoo, streichen nach Massgabe der Behörden unliebige Webseiten aus den Ergebnissen.
In Europa fühlt man sich in der Hinsicht auf der sicheren Seite. Kaum jemand käme auf die Idee Manipulation zu wittern. Können wir uns da so sicher sein? Wer schon mal in verschiedenen Ländern, die gleiche Suchanfrage gemacht hat, wird festgestellt haben, dass sich die Ergebnislisten unterschieden haben. Es muss also irgendeinen Mechanismus geben, der Kriterien jenseits der Suchbegriffe in die Ergebnisse einfliessen lässt. Wer will da sicherstellen, dass die nicht auch dazu genutzt werden Seiten gar nicht oder nur weit hinten erscheinen zu lassen? Vor allem wer will sicherstellen, dass die Gründe dafür gut genug sind? Im Endeffekt die Benutzer. Dadurch, dass sie die Suchmaschine benutzen wenn sie gut ist und meiden wenn sie schlecht ist. Ich bezweifle allerdings schwerst, dass das Gros der Benutzer überhaupt davon weiss, dass es jenseits von google andere Suchmaschinen gibt. Hinzukommen die vermeintlichen Vorbilder. In der Mehrzahl der Interneteinführungen, privat oder in Kursen, dürfte das Kapitel Recherche mit google anfagen und danach gleich wieder aufhören. Selbst viele Menschen, die sich selbst als kritisch und hinterfragend ansehen, bei jeder Gelegenheit die Schocki vom Konzern aus moralischen Gründen zurückweisen, übertragen ihre Entscheidungskriterien aus dem realen Leben nicht ins Internet.
Immerhin darf man vorläufig Entwarung geben. Ein google-droid hat den Fehler bemerkt und die Suchergebnisse werden wieder diskriminierungsfrei angezeigt. Nur so viel sollte jedem klar sein, die Mechanismen zur Manipulation der Suchergebnisse sind vorhanden. Ob und wie sie eingesetzt werden entscheidet aber nicht der Benutzer, sondern google aus eigener Motivation oder weil eine staatliche, vielleicht auch wirschaftliche, Authorität es wünscht. Hinterher wird man es höchstens Schönreden.
Nachtrag: Was man so liest, haben die google-droids den Fehler in der Liste ausgemacht, die sie von StopBadware.org erhalten und in der eigentlich nur wirklich gefährliche Webseiten enthalten sein sollen. Von einem "human error" ist die Rede. Ich würde so etwas als Systemfehler bezeichnen, was ist denn wenn so ein Fehler irgendwann mal Absicht ist.
Freitag, 30. Januar 2009
250 GB Onlinespeicher im Tausch gegen "grünes" Versprechen
Ob das nun Online Aktivismus oder doch eher eine Marketingaktion ist, lasse ich mal dahingestellt. Die Fakten: Wer verspricht sich zukünftig umweltfreundlicher zu verhalten, bekommt im Gegenzug von file dropper kostenlos 250 GB Speicherplatz. Den Speicherplatz kann man z.B. nutzen um dort Dateien abzulegen, auf die man von mehreren Rechner aus zugreifen muss oder um grosse Dateien an mehrere Personen zu verteilen. Mein Rat an der Stelle: Den Dienst nur für Dateien verwenden, die grundsätzlich jedem verfügbar gemacht werden dürfen. Die Aktion läuft nur noch heute (30.01.2009), wer es unbedingt haben will, sollte sich mit der Anmeldung beeilen.
[via]
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Samstag, 17. Januar 2009
Ade grünes Internet
Welche Aufregung. Internetbürger, vor allem in ihrer Inkarnation als Benutzer der Suchmaschine Google, sind als Umweltverschmutzer verteufelt worden. Da darf der Schutzreflex nicht fehlen und man sucht nach einer Rechtfertigung für sein schändliches Tun. Es wird relativiert: Eine Internetsuche sei umweltfreundlicher als die Fahrt zur Bibliothek. „Grüne“ Suchmaschinen werden als Alternativen angeboten. Es macht die These die Runde, das Internet bringe im Grunde so viel Gutes, dass Umweltfragen sekundär sind.
Liest man sich den Anlass der Aufregung auf Times Online genau durch und beschäftigt sich mit dem worüber Alex Wissner-Gross eigentlich schreibt wird klar, dass es im Kern nicht um den absoluten Wert des CO2 Ausstoßes geht oder den schwarzen Peter einem Anbieter zuzuschieben. (Nachtrag: mittlerweile ist der Artikel in dem Zusammenhang durch den Redakteur korrigiert worden!). Die 7g CO2, die dort als negative Auswirkung einer Internetsuche genannt werden, sind nicht das alleinige Produkt von google. Die Serverparks von Google sind daran nur zu einem Bruchteil beteiligt, nach deren Angaben sind es 0,2g CO2 je Suchanfrage. Der traurige Rest entsteht durch die Gerätschaften die am Datenverkehr beteiligt sind: Rechner und DSL-Router beim Benutzer, Vermittlungscomputer beim DSL-Anbieter, Router der Internetprovider etc.
Das Schlagwort Green-IT geht um und wenn man den Erfindern des Begriffs glauben darf, ist die Welt bald in Ordnung, die alte angestaubte Hardware muss nur durch modernere Nachfolger ersetzt werden und das CO2 Problem ist gelöst. Eine Argumentationskette, die den gleichen Irrtümern aufsitzt wie der Versuch die Welt durch den Verkauf neuer Autos retten zu wollen. Wenn ich mir die Computer ansehe, mit denen ich die letzten 30 Jahre gearbeitet habe, ist der Stromverbrauch über die Jahre kontinuierlich gestiegen. Gut, die Rechenleistung ist auch gestiegen. Aber das Phänomen kennt jeder aus eigener Anschauung: Ein Rechner, der vor drei Jahren noch locker die tägliche Arbeit erledigt hat, ist heute ein lahme Krücke, weil die aktuelle Software einen höheren Ressourcenverbrauch hat und/oder der eigene Spieltrieb nach mehr verlangt.
Was für den PC gilt, lässt sich auf die Server in den Rechenzentren übertragen. Nicht nur die Software stellt höhere Ansprüche, Server und deren Leistungswerte sind mitunter ein ähnliches Statussymbol wie Sportwagen. So will es mir nicht einleuchten warum man für Webserver lausigster Prominenz Mehrprozessorsysteme anschafft oder Webseiten, die kaum 10000 Seitenaufrufe am Tag haben, unbedingt auf einem Server gehostet werden müssen, der bei der Flugsicherung besser aufgehoben wäre. Zu technisch? Anders formuliert: Um sicher zu sein, dass eine Webseite immer erreichbar ist, werden zwei Server verwendet, fällt einer aus, springt der zweite ein. Ein Gutteil der Server könnte also eingespart werden, wenn man akzeptieren würde, dass Webseiten auch mal 1 Stunde nicht erreichbar sind. Es gibt Fälle wo eine hohe Verfügbarkeit unabdingbar ist und gar Menschenleben davon abhängen, bei einem Online-Shop ist das sicher nicht der Fall. Der Ausfall bei der Bahn vor wenigen Tagen hat übrigens gezeigt, dass es um die Konzepte solcher Hochverfügbarkeitslösungen nicht immer gut steht, dort hat eine defekte Stromversorgung die IT lahmgelegt.
Es ist eine Lebenslüge, die auch auf das Internet übertragen wird, dass IT per se dazu da sei die Situation zu verbessern. Klingt eigentlich auch romantisch und es bedarf auch gar keiner großen Anstrengungen Beispiele für die These zu finden. Produktzyklen werden kürzer und günstiger, die Kommunikation über Ländergrenzen hinweg erleichtert, man muss nicht mehr mit dem Auto in die Bibliothek fahren etc. pp. Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Ändern wir den Betrachtungswinkel ist es mit der Euphorie vorbei. Wo ist das papierlose Büro, da wir doch alles auf Festplatte haben? Was ist mit den Leute passiert, die durch Computer wegrationalisiert werden konnten? Warum schlägt man sich im nahen Osten immer noch die Köpfe ein, obwohl man E-Mail hat? Wieso gibt es immer noch hungernde Menschen, während es genug Rechenleistung gäbe die Verteilung vorhandener Nahrungsmittel zu organisieren?
Entscheidend ist doch was man daraus macht. Das gilt für Beton, Holz und auch das Internet. Man sollte sich aber vor unbegründetem Gutmenschentum hüten. Es reicht nicht Suchmaschinen mit Zertifikaten zu begrünen und den Strom seiner Rechnerlandschaft von greenpeace zu beziehen um sich damit weiterer Verantwortung zu entziehen. Das Internet, wenn man es als Gebilde so plump zusammenfassen will, war noch nie ein rein idealistisches Raum. Ursprünglich ein Mittel der militärischen Forschung, dann für eine sehr kurze Zeit in rein universitären Nutzung, dominieren heute wirtschaftliche Interessen. Die von Zugangs- und Netzanbieter, Betreibern von Rechenzentren, Hardwareanbietern und schlussendlich den Anbietern von Dienstleistungen mit dem und rund um das Internet. Aber es bildete seit jeher auch die Grundlage positiver Entwicklungen, auch wenn die lange nicht so umwerfend sind wie man es gerne darstellt. Da folgt es der Tradition aller technischer Innovationen, das Fernsehen war beispielsweise auch mal die Rettung der Meinungs- und Kulturvielfalt. Was das Internet im Gegensatz dazu bietet sind Nischen, in denen es Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Um bei der Metapher mit der Bibliothek zu bleiben: Was wenn man mit dem Fahrrad zur Bibliothek fährt? Die innere Kontroverse darf aber gerne auch internetaffiner sein. Für aktive Teilnehmer am Internet kann das einfach mal eine Spur kleiner beim neuen Webserver bedeuten, eine schlichtere Oberfläche (ohne Flash!) der Webseite oder der Verzicht auf externe Dienste wie z.B. google-analytics. Damit wären wir wieder bei Alex Wissner-Gross und seinem Artikel auf Times Online. Die Frage ist nicht wie hoch der CO2 Ausstoß ist, sondern wodurch er entsteht und wo die Möglichkeiten der Optimierung liegen. In der Beziehung haben sich viele Protagonisten des Internets auf einen Pfad der Kritiklosigkeit begeben, bei der die Frage ob 7g CO2 pro „googeln“ akzeptabel sind, eher akademischer Natur ist.
Um noch einmal blumig zu werden: Kein halbwegs logisch denkender Mensch käme auf die Idee, den Sinn eines Notarztwagens an dessen CO2 Ausstoß auszumachen. Deswegen macht man noch lange nicht alle Autos zu Notarztwägen.
Liest man sich den Anlass der Aufregung auf Times Online genau durch und beschäftigt sich mit dem worüber Alex Wissner-Gross eigentlich schreibt wird klar, dass es im Kern nicht um den absoluten Wert des CO2 Ausstoßes geht oder den schwarzen Peter einem Anbieter zuzuschieben. (Nachtrag: mittlerweile ist der Artikel in dem Zusammenhang durch den Redakteur korrigiert worden!). Die 7g CO2, die dort als negative Auswirkung einer Internetsuche genannt werden, sind nicht das alleinige Produkt von google. Die Serverparks von Google sind daran nur zu einem Bruchteil beteiligt, nach deren Angaben sind es 0,2g CO2 je Suchanfrage. Der traurige Rest entsteht durch die Gerätschaften die am Datenverkehr beteiligt sind: Rechner und DSL-Router beim Benutzer, Vermittlungscomputer beim DSL-Anbieter, Router der Internetprovider etc.
Das Schlagwort Green-IT geht um und wenn man den Erfindern des Begriffs glauben darf, ist die Welt bald in Ordnung, die alte angestaubte Hardware muss nur durch modernere Nachfolger ersetzt werden und das CO2 Problem ist gelöst. Eine Argumentationskette, die den gleichen Irrtümern aufsitzt wie der Versuch die Welt durch den Verkauf neuer Autos retten zu wollen. Wenn ich mir die Computer ansehe, mit denen ich die letzten 30 Jahre gearbeitet habe, ist der Stromverbrauch über die Jahre kontinuierlich gestiegen. Gut, die Rechenleistung ist auch gestiegen. Aber das Phänomen kennt jeder aus eigener Anschauung: Ein Rechner, der vor drei Jahren noch locker die tägliche Arbeit erledigt hat, ist heute ein lahme Krücke, weil die aktuelle Software einen höheren Ressourcenverbrauch hat und/oder der eigene Spieltrieb nach mehr verlangt.
Was für den PC gilt, lässt sich auf die Server in den Rechenzentren übertragen. Nicht nur die Software stellt höhere Ansprüche, Server und deren Leistungswerte sind mitunter ein ähnliches Statussymbol wie Sportwagen. So will es mir nicht einleuchten warum man für Webserver lausigster Prominenz Mehrprozessorsysteme anschafft oder Webseiten, die kaum 10000 Seitenaufrufe am Tag haben, unbedingt auf einem Server gehostet werden müssen, der bei der Flugsicherung besser aufgehoben wäre. Zu technisch? Anders formuliert: Um sicher zu sein, dass eine Webseite immer erreichbar ist, werden zwei Server verwendet, fällt einer aus, springt der zweite ein. Ein Gutteil der Server könnte also eingespart werden, wenn man akzeptieren würde, dass Webseiten auch mal 1 Stunde nicht erreichbar sind. Es gibt Fälle wo eine hohe Verfügbarkeit unabdingbar ist und gar Menschenleben davon abhängen, bei einem Online-Shop ist das sicher nicht der Fall. Der Ausfall bei der Bahn vor wenigen Tagen hat übrigens gezeigt, dass es um die Konzepte solcher Hochverfügbarkeitslösungen nicht immer gut steht, dort hat eine defekte Stromversorgung die IT lahmgelegt.
Es ist eine Lebenslüge, die auch auf das Internet übertragen wird, dass IT per se dazu da sei die Situation zu verbessern. Klingt eigentlich auch romantisch und es bedarf auch gar keiner großen Anstrengungen Beispiele für die These zu finden. Produktzyklen werden kürzer und günstiger, die Kommunikation über Ländergrenzen hinweg erleichtert, man muss nicht mehr mit dem Auto in die Bibliothek fahren etc. pp. Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Ändern wir den Betrachtungswinkel ist es mit der Euphorie vorbei. Wo ist das papierlose Büro, da wir doch alles auf Festplatte haben? Was ist mit den Leute passiert, die durch Computer wegrationalisiert werden konnten? Warum schlägt man sich im nahen Osten immer noch die Köpfe ein, obwohl man E-Mail hat? Wieso gibt es immer noch hungernde Menschen, während es genug Rechenleistung gäbe die Verteilung vorhandener Nahrungsmittel zu organisieren?
Entscheidend ist doch was man daraus macht. Das gilt für Beton, Holz und auch das Internet. Man sollte sich aber vor unbegründetem Gutmenschentum hüten. Es reicht nicht Suchmaschinen mit Zertifikaten zu begrünen und den Strom seiner Rechnerlandschaft von greenpeace zu beziehen um sich damit weiterer Verantwortung zu entziehen. Das Internet, wenn man es als Gebilde so plump zusammenfassen will, war noch nie ein rein idealistisches Raum. Ursprünglich ein Mittel der militärischen Forschung, dann für eine sehr kurze Zeit in rein universitären Nutzung, dominieren heute wirtschaftliche Interessen. Die von Zugangs- und Netzanbieter, Betreibern von Rechenzentren, Hardwareanbietern und schlussendlich den Anbietern von Dienstleistungen mit dem und rund um das Internet. Aber es bildete seit jeher auch die Grundlage positiver Entwicklungen, auch wenn die lange nicht so umwerfend sind wie man es gerne darstellt. Da folgt es der Tradition aller technischer Innovationen, das Fernsehen war beispielsweise auch mal die Rettung der Meinungs- und Kulturvielfalt. Was das Internet im Gegensatz dazu bietet sind Nischen, in denen es Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Um bei der Metapher mit der Bibliothek zu bleiben: Was wenn man mit dem Fahrrad zur Bibliothek fährt? Die innere Kontroverse darf aber gerne auch internetaffiner sein. Für aktive Teilnehmer am Internet kann das einfach mal eine Spur kleiner beim neuen Webserver bedeuten, eine schlichtere Oberfläche (ohne Flash!) der Webseite oder der Verzicht auf externe Dienste wie z.B. google-analytics. Damit wären wir wieder bei Alex Wissner-Gross und seinem Artikel auf Times Online. Die Frage ist nicht wie hoch der CO2 Ausstoß ist, sondern wodurch er entsteht und wo die Möglichkeiten der Optimierung liegen. In der Beziehung haben sich viele Protagonisten des Internets auf einen Pfad der Kritiklosigkeit begeben, bei der die Frage ob 7g CO2 pro „googeln“ akzeptabel sind, eher akademischer Natur ist.
Um noch einmal blumig zu werden: Kein halbwegs logisch denkender Mensch käme auf die Idee, den Sinn eines Notarztwagens an dessen CO2 Ausstoß auszumachen. Deswegen macht man noch lange nicht alle Autos zu Notarztwägen.
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