War ja irgendwie zu erwarten, dass die aufmerksamkeitsträchtige Inszenierung bei der Übergabe der Austrittserklärungen, dem Bauernverband nicht gefallen wird. Ob es die Dramaturgie der Aktion oder der Verlust von über 80 "Berufskollegen" war? Ich tendiere zu Ersterem. Anders kann ich mir die nicht minder inszenierte Entrüstung der bayerischen Landfrauen (eine Unterorganisation des Bayerischen Bauernverbands) erklären. Auch die etwas weniger moralisierende Erklärung des BBV, die kurz davor veröffentlicht wurde, klingt nach Doppelmoral. Besonders peinlich ist die Bildunterschrift des Fotos:
Die BBV-Landesversammlung - das demokratische Bauernparlament
Was will man damit zum Ausdruck bringen? Etwa, dass jeder der nicht die gleiche Meinung wie der Bauernverband hat, automatisch undemokratisch ist?
Für mich spricht aus diesem diesem Satz das Dilemma, in dem der Deutsche Bauernverband insgesamt steckt. Die Mehrheit der Mitglieder sind kleine bis mittlere Betriebe. Zahlenmässig in der Minderheit sind große Agrarfabriken, finanziell sind es aber die großen Akteure der Branche. Dabei spielt ausgerechnet die Agrarpolitik, die der DBV ja angeblich aktiv mitgestaltet, den Großbetrieben in die Tasche und immer mehr Kleinbetriebe machen die Grätsche. Entweder sind die DBV Funktionäre doch keine so wichtigen Akteure oder sie vertreten die Interessen der Großen und halten sich die Kleinen nur als Stimmvieh.
Gerade in Bayern klafft die Schere zwischen realem Bauernalltag und der Agrarpolitik weit auseinander. Es gibt vergleichsweise viele kleine Betriebe, rund 30% der deutschen Betriebe sind in Bayern, bewirtschaften aber nur knapp 20% der Agrarfläche in der BRD. In dieser Umgebung konnte der BBV gedeihen und die Verdienste um seine Mitglieder sind zahlreich und nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr wundert es, dass Gerd Sonnleitner, der Vorsitzende des BBV gleichzeitig auch der Präsident des Bundesverbandes ist. Unterschiedlicher könnten die Vorgaben nicht sein unter denen er Lobbyarbeit leisten muss. Ein Missverständnis ist da schnell passiert, die Quittung dafür ist jetzt gekommen.
Über Art und Weise der Abrechnung kann man sicher streiten, nur sollte der BBV und erst Recht der DBV die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um die Wahrung der Besitzstände geht, ist man sich auch für keine Anstandsgrenze zu schade. Ich erinnere mich noch sehr gut an Künast-Puppen die an Frontladern baumelten und symbolische Grablegungen gab es ja erst jüngst wieder. Wenn überhaupt sollte das Thema Traktordemo endlich mal beerdigt werden. Welche Meinung soll denn mit einem 5t Gefährt zum Ausdruck gebracht werden? Meiner ist grösser als deiner?
In diesem Sinne, Ball flach halten. Die Bauern können wahrscheinlich ohne Verband leben, umgekehrt ist die Prognose ungünstiger.






