Ganz ehrlich, ich wäre dem Hype um "HOME", dem Film von Yann Arthus-Bertrand und Luc Besson, ebenfalls beinahe verfallen. Lediglich mein gerade akuter Zeitmangel, hat mich davon abgehalten auch eine öffentliche Aufführung zu organisieren. Die Idee ist verlockend, zwei Protagonistgen, von denen zweifelsfrei bekannt ist, dass es sich im weitesten Sinne um Umweltaktivisten handelt, drehen einen Film um die Menschen wachzurütteln. Das ganze ohne offensichtliche kommerzielle Interessen. Wunderbar!
Einziger Schönheitsfehler: Kosten für die Produktion und Distribution entstehen trotzdem. Grob geschätzt in einer Höhe, dass die Herren Arthus-Bertrand und Besson, diese nur ungern vollständig aus der Privatschatulle begleichen möchten. Da müssen Partner her, das ist im Filmgeschäft ein gängiger Weg, fällt nur nicht immer auf, weil Financiers überlicherweise im Abspann genannt werden, zu einem Zeitpunkt wenn die meisten Kinobesucher schon wieder den Saal verlassen haben. Nicht so bei "HOME", da darf die PPR Group schon im Vorspann mit den Logos ihrer Tochterunternehmen werben. Darunter so illustre Namen wie Puma, Yves Saint Laurent, Gucci und noch einige Luxusartikler mehr. Die Bildsprache dabei ist gerade zu perfide, der Schriftzug "HOME" wird aus den umherfliegenden Logos gebildet. Eine Nummer kleiner wäre schön gewesen, vor allem aber glaubwürdiger. Da geht es meinem Radar nicht viel anders, wie dem Lügendetektor von Kirsten.
Der Film selbst ist positiv formuliert brauchbar. Wer die Fotos oder andere Dokumentararbeiten von Yann Arthus-Bertrand kennt und wie ich schätzt, wird sich bei dem Film aufgehoben fühlen. Wirklich neu und spektakulär ist er nicht, muss er auch nicht. Nur frage ich mich wozu der Aufwand dann notwendig war und ob seine Existenz nicht viel eher der Tatsache geschuldet ist, dass man lieber neuen Weisheiten glaubt, als den alten zu vertrauen. Verglichen mit Koyaanisqatsi aus dem Jahre 1982, wirkt die Bildsprache von "HOME" weit weniger intensiv, lediglich die Bildqualität ist besser. Die eindringliche Stimme, die uns in Yann Arthus-Bertrands Werk zum Nachdenken und Handeln animieren will, ging mir nach 10 Minuten auf den Wecker. Auch hier erscheint mir Koyaanisqatsi, das nur mit Bildern und begleitet durch die Musik von Philip Glass wirkt, nachhaltiger. Wo "HOME" klar punktet ist der positive Bogen, den der Film am Ende findet. Aber muss er das nicht zwangsläufig, um als Werbeplattform eines Luxusartikelkonzerns dienlich zu sein und die Zuschauer mit einem guten Gefühl und dem Willen zum Handeln zu entlassen?
Bei aller Kritik: An dem was der Film sagen will, besteht kein Zweifel. Wir leben über unsere Verhältnisse, auf Kosten unserer Umwelt, der Erde und allem was darauf kreucht und fleucht. Nur weil unser Blick kaum über den eigenen Gartenzaun reicht, besteht noch lange keine Garantie, dass überall das Idyll herrscht, das in unser Weltbild passt.






