Schlimmer als der Unfug, der schon über das Lied "Sieben Tage lang" in die Welt gesetzt wurde, sind eigentlich nur die mitunter unsäglichen Coverversionen in denen man es verhackstückelt hat. Wobei der Unfug teilweise geradezu komische Elemente liefert. Angwidert von den Bierzeltschunkeleien, die zu modernen Interpretationen des Lieds ablaufen, wird es mitunter zum alten studentischen Protestlied verklärt, womit selbstverständlich betont werden soll welcher Frevel da eigentlich getrieben wird, wenn die Aussage auf die Liedzeile "Was wollen wir trinken" reduziert wird. Geradezu köstlich ist auch welchen Interpreten das vermeintliche Original zugeschrieben wird: Herman van Veen und wenn es ganz doll wird, sind es "Die Höhner".
Dabei ist die Geschichte des Lieds eigentlich kurz erzählt: Es geht zurück auf das bretonische Volkslied "Son Ar Chistr", das den Cidre besingt. Irgendwann in den 1960er Jahren, wird es von Alan Stivell ausgegraben und 1970 veröffentlicht. Eine vermutliche spätere Version des Liedes gibt es auf youtube.
Von Protest noch keine Spur, der kam erst mit der niederländischen Rockband bots, die es 1976 als "Zeven dagen lang" sangen. Drei Jahre später wurden beim Festival "Rock gegen Rechts" in Frankfurt einige deutsche Liedermacher und Autoren auf sie aufmerksam und boten an bei der Übertragung des Texts ins Deutsche zu helfen. Herausgekommen ist dann das "Sieben Tage lang", das zumindest bei den Friedens- und Atomkraftbewegten meines Alters am ehesten bekannt sein dürfte. Die Liedzeile "Wir kämpfen zusammen" schaffte das Mass Identifikation, das z.B. "Macht kaputt was euch kaputt macht" von Ton Steine Scherben als Demohymne ablöste.
Danach gab es noch viele weitere Interpretationen, zu den hörbarsten gehören wahrscheinlich All for one von Blackmore's Night und Gulliver von Angelo Branduardi.
Wozu die Schulstunde? Heute vormittag bin ich zufällig auf das Duo "Lauten & Feen" aus Schwabmünchen gestossen, die ihre Version als "Trinkerlied" darbieten:
Link zum Video
Wem es wie mir gefällt, kann am kommenden Freitag, 11. September 2009, im "Blauen Haus" in Schwabmünchen, mehr von ihnen hören.
Nachtrag 1: Bei der Recherche zu Alan Stivell bin ich über eine weitere interessante Neuinterpretation gestolpert. La tribu de Dana von der franzischen Band Manau ist Tri martolod von Alan Stivell nachempfunden. In meinen Augen ist Alan Stivell einer der wichtigsten Vorreiter des Crossovers aus alter und neuer Musik, wie wir sie heute bei Bands wie Dead Can Dance, Tanzwut, Subway to Sally oder den bereits genannten Blackmore's Night finden. Dass ausgerechnet die Hip-Hopper Manau
sich ebenfalls inspirieren liessen, war mir jedoch neu.
Nachtrag 2: Die schottische Ballade "Willy's Lady" bzw. "Willies Lady" ist so weit mir bekannt ist ohne Melodie überliefert worden und wurde erst im 20. Jahrhundert zur den Noten von "Son Ar Chistr" gesungen, z.B. von der Folksängerin Ray Fisher. Das kann durchaus sein, dass die Wurzeln gleich sind, mir ist nur keine Quelle dafür bekannt, dass "Willy's Lady" der Ursprung der Melodie ist.
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