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Montag, 18. Januar 2010
Faire Milchlieferanten und noch mehr faire Milch
Montag, 4. Januar 2010
Journalistische Übungsaufgabe
Heute mal eine Aufgabe für angehende Schreiberlinge:
Recherchieren sie alle oppositionellen Agrarverbände. Greifen sie einen beliebigen Protagonisten heraus und stellen diesen in den Kontext von Nazis, Illuminaten und Freimaurern. Um ihre intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren, erklären sie eine weitere, weitläufig unbekannte Geheimorganisation. Nutzen sie dabei bewusst das Stilmittel der steilen These und diffamieren sie Protest als Zeichen altmodischer und unwissenschaftlicher Denkweise.
Musterlösung: Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern
Recherchieren sie alle oppositionellen Agrarverbände. Greifen sie einen beliebigen Protagonisten heraus und stellen diesen in den Kontext von Nazis, Illuminaten und Freimaurern. Um ihre intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren, erklären sie eine weitere, weitläufig unbekannte Geheimorganisation. Nutzen sie dabei bewusst das Stilmittel der steilen These und diffamieren sie Protest als Zeichen altmodischer und unwissenschaftlicher Denkweise.
Musterlösung: Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern
Donnerstag, 24. September 2009
Der Milchpreis und die Frage der Verantwortung
Gestern lautetet beim Tagesgespräch auf Bayern 2 das Thema "Preisverfall und Überschuss: Sind die Milchbauern selbst schuld?". Als Gesprächspartnerin war Ulrike Müller eingeladen, sie ist Funktionärin beim bayerischen Bauernverband und sitzt für die Freien Wähler im Landtag. Im Ostallgäu betreibt sie zusammen mit ihrem Mann eine Landwirtschaft mit 55 Milchkühen. Zur Einordnung, der Durchschnitt in Bayern sind z.Z. 28 Milchkühe pro Betrieb. Das Gespräch gibt es als Podcast (MP3 Datei) zum Herunterladen. Inhaltlich gab es von Ulrike Müller nichts wirklich aufregendes zu hören, im wesentlichen wurde das Konzept des Bauernverbands wiedergegeben.
Wirklich interessant war ein Anrufer (ab ca. 20:30). Es handelte sich um Jürgen Zettl, der die Initiative "Der faire Milchlieferant" gegründet hat. Sie will erreichen, dass Milchbauern in eigener Verantwortung die Milchproduktion an den Bedürfnissen des Markts ausrichten. Seiner Meinung nach ist die Überproduktion die ganz wesentliche Ursache für die niedrigen Preise.
Recht hat er, auch wenn des der nachfolgende Anrufer, Reinhard Trummer vom BDM, ganz anders sieht, ihm gar "das Messer in der Tasche aufgeht". Die Wortwahl muss der Hr. Trummer mit sich selbst ausmachen, eine gute Figur hat er damit jedenfalls nicht abgeliefert und kann Ulrike Müller getrost die Hand reichen. Auf, dass wieder erfolgreich das Klischee der egoistischen Landwirte gepflegt wurde, für die Verantwortung, zuerst dort zu suchen ist, wo sie einem selbst keine Nachteile bringt.
Zu den fairen Milchlieferanten habe ich ausser einem Bericht von "Unser Land" leider nichts im Netz gefunden.
Da es gut zum Thema passt, die Butterberge der EU wachsen wieder.
Wirklich interessant war ein Anrufer (ab ca. 20:30). Es handelte sich um Jürgen Zettl, der die Initiative "Der faire Milchlieferant" gegründet hat. Sie will erreichen, dass Milchbauern in eigener Verantwortung die Milchproduktion an den Bedürfnissen des Markts ausrichten. Seiner Meinung nach ist die Überproduktion die ganz wesentliche Ursache für die niedrigen Preise.
Recht hat er, auch wenn des der nachfolgende Anrufer, Reinhard Trummer vom BDM, ganz anders sieht, ihm gar "das Messer in der Tasche aufgeht". Die Wortwahl muss der Hr. Trummer mit sich selbst ausmachen, eine gute Figur hat er damit jedenfalls nicht abgeliefert und kann Ulrike Müller getrost die Hand reichen. Auf, dass wieder erfolgreich das Klischee der egoistischen Landwirte gepflegt wurde, für die Verantwortung, zuerst dort zu suchen ist, wo sie einem selbst keine Nachteile bringt.
Zu den fairen Milchlieferanten habe ich ausser einem Bericht von "Unser Land" leider nichts im Netz gefunden.
Da es gut zum Thema passt, die Butterberge der EU wachsen wieder.
Donnerstag, 17. September 2009
Protest der Milchbauern auf dem Lechfeld
Worum es in den Reden ging war selbstverständlich klar, die Landwirte sehen sich einmal mehr in ihrer Existenz bedroht. Von Betriebsschliessungen sprechen nicht nur die Redner, auch unter den Zuhörern fällt das Stichwort "aufhören" oft. Die Schuldigen dafür sind schnell ausgemacht, Handel und Politiker gelten als die Unheilsbringer. Ein schnelle These, die gerne nachvollzogen und beklatscht wird. Woran es fehlt ist die Perspektive und das scheint auch symptomatisch für die gehaltenen Reden zu sein. Lösungen jenseits von "wir brauchen mehr Geld zum Überleben" sind an diesem Abend leider Fehlanzeige, dabei barg die Länge der Reden durchaus die Möglichkeit konkret zu werden. Darüber sollten sich die betroffenen Landwirte schleunigst Gedanken machen. So wichtig so eine Veranstaltungen für die Solidarität unter den Betroffenen ist und Aufmerksamkeit verschafft, so müssen auch Lösungen aufgezeigt werden. Die heutige Situation ist nicht nur die Folge einer falschen Politik, sondern auch das Resultat, dass sich viele Landwirte immer nur den Gegebenheit gefügt und keine Strategien jenseits des Masse gesucht haben.

Wie es gehen kann, zeigte zum Abschluss Susanne Mairhörmann vom Milch-Board auf. In freier Rede und ohne herumnesteln im Manuskript, stellte sie das Milch-Board als das Instrument gegen das Preisdiktat des Handels und der Molkerein vor und betonte, dass es an der Zeit ist selbst die Initiative zu ergreifen. Formal ist das Milch-Board eine Erzeugergemeinschaft, die als Interessenvertreter der beteiligten Milchbauern, die Preisverhandlungen mit den Molkerein führen darf. Vorausgesetzt viele Milcherzeuger treten dem Milch-Board bei, entstünde ein Gegengewicht zur Marktdominanz der Molkerein. Einziges Hindernis sind bisher die Milchbauern, die nur sehr zögerlich bereit sind dem Milch-Board beizutreten. Bleibt zu hoffen, dass sich die anwesenden Milchbauern dem Appell zum Beitritt anschliessen. "Protest der Milchbauern auf dem Lechfeld" vollständig lesen »
Freitag, 11. September 2009
Kein Aufruf zum Milchstreik
In seltener Einmütigkeit schliesst sich dem auch der Bauernverband, sonst nur schwerlich mit BDM und AbL einer Meinung, an und veröffentlicht keinen Aufruf zum Milchstreik. Das versteh nun wer will und vor allem richtig.
Dienstag, 15. Juli 2008
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe
Auf den Bayerischen Bauernverband (BBV) übertragen: "Wenn einer Traktordemos macht, dann sind wir das"
War ja irgendwie zu erwarten, dass die aufmerksamkeitsträchtige Inszenierung bei der Übergabe der Austrittserklärungen, dem Bauernverband nicht gefallen wird. Ob es die Dramaturgie der Aktion oder der Verlust von über 80 "Berufskollegen" war? Ich tendiere zu Ersterem. Anders kann ich mir die nicht minder inszenierte Entrüstung der bayerischen Landfrauen (eine Unterorganisation des Bayerischen Bauernverbands) erklären. Auch die etwas weniger moralisierende Erklärung des BBV, die kurz davor veröffentlicht wurde, klingt nach Doppelmoral. Besonders peinlich ist die Bildunterschrift des Fotos:
Was will man damit zum Ausdruck bringen? Etwa, dass jeder der nicht die gleiche Meinung wie der Bauernverband hat, automatisch undemokratisch ist?
Für mich spricht aus diesem diesem Satz das Dilemma, in dem der Deutsche Bauernverband insgesamt steckt. Die Mehrheit der Mitglieder sind kleine bis mittlere Betriebe. Zahlenmässig in der Minderheit sind große Agrarfabriken, finanziell sind es aber die großen Akteure der Branche. Dabei spielt ausgerechnet die Agrarpolitik, die der DBV ja angeblich aktiv mitgestaltet, den Großbetrieben in die Tasche und immer mehr Kleinbetriebe machen die Grätsche. Entweder sind die DBV Funktionäre doch keine so wichtigen Akteure oder sie vertreten die Interessen der Großen und halten sich die Kleinen nur als Stimmvieh.
Gerade in Bayern klafft die Schere zwischen realem Bauernalltag und der Agrarpolitik weit auseinander. Es gibt vergleichsweise viele kleine Betriebe, rund 30% der deutschen Betriebe sind in Bayern, bewirtschaften aber nur knapp 20% der Agrarfläche in der BRD. In dieser Umgebung konnte der BBV gedeihen und die Verdienste um seine Mitglieder sind zahlreich und nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr wundert es, dass Gerd Sonnleitner, der Vorsitzende des BBV gleichzeitig auch der Präsident des Bundesverbandes ist. Unterschiedlicher könnten die Vorgaben nicht sein unter denen er Lobbyarbeit leisten muss. Ein Missverständnis ist da schnell passiert, die Quittung dafür ist jetzt gekommen.
Über Art und Weise der Abrechnung kann man sicher streiten, nur sollte der BBV und erst Recht der DBV die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um die Wahrung der Besitzstände geht, ist man sich auch für keine Anstandsgrenze zu schade. Ich erinnere mich noch sehr gut an Künast-Puppen die an Frontladern baumelten und symbolische Grablegungen gab es ja erst jüngst wieder. Wenn überhaupt sollte das Thema Traktordemo endlich mal beerdigt werden. Welche Meinung soll denn mit einem 5t Gefährt zum Ausdruck gebracht werden? Meiner ist grösser als deiner?
In diesem Sinne, Ball flach halten. Die Bauern können wahrscheinlich ohne Verband leben, umgekehrt ist die Prognose ungünstiger.
War ja irgendwie zu erwarten, dass die aufmerksamkeitsträchtige Inszenierung bei der Übergabe der Austrittserklärungen, dem Bauernverband nicht gefallen wird. Ob es die Dramaturgie der Aktion oder der Verlust von über 80 "Berufskollegen" war? Ich tendiere zu Ersterem. Anders kann ich mir die nicht minder inszenierte Entrüstung der bayerischen Landfrauen (eine Unterorganisation des Bayerischen Bauernverbands) erklären. Auch die etwas weniger moralisierende Erklärung des BBV, die kurz davor veröffentlicht wurde, klingt nach Doppelmoral. Besonders peinlich ist die Bildunterschrift des Fotos:
Die BBV-Landesversammlung - das demokratische Bauernparlament
Was will man damit zum Ausdruck bringen? Etwa, dass jeder der nicht die gleiche Meinung wie der Bauernverband hat, automatisch undemokratisch ist?
Für mich spricht aus diesem diesem Satz das Dilemma, in dem der Deutsche Bauernverband insgesamt steckt. Die Mehrheit der Mitglieder sind kleine bis mittlere Betriebe. Zahlenmässig in der Minderheit sind große Agrarfabriken, finanziell sind es aber die großen Akteure der Branche. Dabei spielt ausgerechnet die Agrarpolitik, die der DBV ja angeblich aktiv mitgestaltet, den Großbetrieben in die Tasche und immer mehr Kleinbetriebe machen die Grätsche. Entweder sind die DBV Funktionäre doch keine so wichtigen Akteure oder sie vertreten die Interessen der Großen und halten sich die Kleinen nur als Stimmvieh.
Gerade in Bayern klafft die Schere zwischen realem Bauernalltag und der Agrarpolitik weit auseinander. Es gibt vergleichsweise viele kleine Betriebe, rund 30% der deutschen Betriebe sind in Bayern, bewirtschaften aber nur knapp 20% der Agrarfläche in der BRD. In dieser Umgebung konnte der BBV gedeihen und die Verdienste um seine Mitglieder sind zahlreich und nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr wundert es, dass Gerd Sonnleitner, der Vorsitzende des BBV gleichzeitig auch der Präsident des Bundesverbandes ist. Unterschiedlicher könnten die Vorgaben nicht sein unter denen er Lobbyarbeit leisten muss. Ein Missverständnis ist da schnell passiert, die Quittung dafür ist jetzt gekommen.
Über Art und Weise der Abrechnung kann man sicher streiten, nur sollte der BBV und erst Recht der DBV die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um die Wahrung der Besitzstände geht, ist man sich auch für keine Anstandsgrenze zu schade. Ich erinnere mich noch sehr gut an Künast-Puppen die an Frontladern baumelten und symbolische Grablegungen gab es ja erst jüngst wieder. Wenn überhaupt sollte das Thema Traktordemo endlich mal beerdigt werden. Welche Meinung soll denn mit einem 5t Gefährt zum Ausdruck gebracht werden? Meiner ist grösser als deiner?
In diesem Sinne, Ball flach halten. Die Bauern können wahrscheinlich ohne Verband leben, umgekehrt ist die Prognose ungünstiger.
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