Was liegt in diesem Blog näher als heute den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landwirtschaft zu betrachten. Ein schwieriges, dennoch wichtiges Thema, entsteht doch durch die Landwirtschaft etwa die gleiche Menge klimaschädlicher Gase, wie durch den Sektor Transport. Ein interessanter Vergleich. Beim Thema Verkehr wird die Diskussion um Klimaschutz schnell von Emotionen bestimmt , da Umweltschutz mit dem Niedergang der Zivilisation gleichgesetzt wird. Ähnlich in der Landwirtschaft: Oh weh, am Ende müssen wir alle verhungern. Gespeist wird dieses Denken durch Lobbyarbeit, die bei jeder Gelegenheit von einer "grünen Landwirtschaft" spricht und ihren Gipfel in der "Grünen Woche" hat, die nichts anderes als eine Leistungsschau der Agrar- und Ernährungsindustrie ist.In einer Art Gegenrechnung wird angeführt, dass in der Land- und Forstwirtschaft viel CO2 umgewandelt bzw. gespeichert wird. Eine Milchmädchenrechnung, die nicht berücksichtigt wird, dass über die Hälfte der entstehenden Klimagase, Methan und Lachgas sind, mit denen keine Pflanze etwas anfangen kann. Zudem: In einer Kulturlandschaft wie hier in Europa kann kaum ein Stück Grünfläche gedeihen, das nicht im weitesten Sinne land- oder forstwirtschaftlich genutzt wird. In dem Duktus zu Ende gedacht, ist der Agrarsektor dann sogar die heile Welt, die für alle anderen Bereiche den grossen CO2 Killer gibt. Wieder einmal hilft der Blick über Tellerrand. Die grossen biologischen CO2-Speichern gehen verloren, weil Waldflächen gerodet und Moore trockengelegt werden. Rodungsflächen, die dann für den Anbau von Sojabohnen und Ölpalmen Verwendung finden. Passiert halt nur jenseits des eigenen Horizonts, irgendwo in Südamerika. Wenn die Produkte dann nach Europa importiert sind, setzt wieder der Schutzreflex ein: Ohne Soja kein Kraftfutter, ohne Kraftfutter keine Milch und kein Fleisch, wir werden alle verhungern. Bei der Menge an Nahrungsmitteln, die jeden Tag vernichtet werden ist das schlichter Hohn. Es stimmt einfach nicht! Die Landwirtschaft produziert in weiten Bereichen über Bedarf, die niedrigen Milchpreise sind ein Beispiel dafür, bei den Preisen für Schlachtvieh sieht es auch nicht viel besser aus. Der selbst gewählte Ausweg ist da gerne die Steigerung der Produktion, gepaart mit Massnahmen den Absatz zu bewerben. Wieviel Milch und Fleisch sollen wir noch in uns hineinstopfen und wieviele regionalen Märkte sollen noch mit subventionierter Importware ruiniert werden?
Frustrierend genug, dass wir es eigentlich alle schon lange wissen, sich die Änderung aber nur langsamst Bahn bricht. Für die meisten Konsumenten sind Kaufentscheidungen egoistisch motiviert. Das Für und Wider von Bio ist so ein Beispiel. Die eigene Gesundheit zieht da besser als die globalen Zusammenhänge des Klimawandels. Was in der Regel noch besser funktioniert ist der Weg über den Geldbeutel. Wenn konventionelle Produkte auch die Kosten enthalten würden, die durch die Schädigung der Umwelt entstehen, würden sich Kaufentscheidungen wahrscheinlich zügig in Richtung Bio-Produkte verschieben. Regionale Produkte würden nicht mehr nur bei strategischen Käufern im Einkaufswagen landen, müsste das Kilometergeld für Food Miles an der Supermarktkasse berappt werden. Aber halt, damit gefährden wir ja die Chemiekonzerne und die Speditionen gehen womöglich auch noch zu Grunde. Tja, so ist das eben in der Marktwirtschaft, was nix taugt verschwindet wieder von der Bildfläche. Naja, zumindest wäre es so.
Nachtrag: Wie sehr sich die Agrarlobby vor einer Klimadebatte fürchtet, zeigt das amerikanische Agroblog AgWired, das Klimawandel als schlechtes Thema sieht und Agroblogger aufruft die Argumente in die "passende" Richtung zu rücken oder wenigstens der Blog Action Day zu boykottieren. Sorry AgWired, you bet on the wrong horse.





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