
Mit „Bio trotzt der Krise“ gab die GfK letzte Woche Entwarnung im allgemeinen Krisengejammer. Dabei brauchte es keine großartigen Untersuchungen, um zu erkennen, dass hinter der Bio-Markt immer noch Überzeugungstäter stehen, die sich bei ihren Entscheidungen eher sekundär ums Geld kümmern, zum Teil natürlich auch nicht müssen.
Die Nische lebt und auf der
BioFach kann man erleben, wie viel Masse in der Nische steckt. Zwar hat die Messe leichte Einbußen hinnehmen müssen, 2557 Aussteller und 43500 Besucher an vier Tagen, sind immer noch beeindruckende Zahlen. Subjektiv konnte ich auf den Gängen und an den Ständen jedenfalls keine großen Unterschiede zu den letzten Jahren feststellen. In der Branche ist nach wie vor Euphorie zu spüren. Es gab viele interessante Dinge zu sehen, Axel Weiß von Blog „U wie Umwelt“ hat
ein paar Produkte in Wort und (Bewegt-)Bild festgehalten.
Mein persönliches Messehighlight ist dieses Jahr sehr grundsätzlicher Natur und zwar die thematische Ausrichtung der Messe auf „Organic + Fair“. Zwei Themenfelder, die eigentlich zusammengehören, in der Praxis oft nur geringe Überscheidungen bieten und teilweise sogar gegeneinander ausgespielt werden. Dabei ist „Organic + Fair“ das Traumpaar, an dem sich Produktion und Konsum orientieren sollten.
Besonders gefreut hat es mich dieses Jahr, Hendrik Hasse (aka
Wurstsack) persönlich getroffen zu haben. Seine Diplomarbeit über "
Eine Reise in die Welt der kulinarischen Kommunikation regionaler und nachhaltiger Lebensmittel", habe ich
hier im Blog schon einmal erwähnt und möchte sie nochmals jedem ans Herzen legen (->
issuu.com). Zwischenzeitlich hat er eine weitere Reise unternommen. Dieses Mal mit Alex, einem Bergkäse. Mit ihm ging es zur Biennale in Venedig, um der Frage auf den Grund zu gehen „Was ist Kunst und was ist Käse?". Wenn er weiter so vor Ideen sprudelt, womit ich mir ziemlich sicher bin, wird er noch einigen Wind in die Szene bringen und dabei viel in Bewegung setzen.

Schon seit vielen Jahren in Bewegung ist die Gewürz- und Teemarke
Sonnentor, aus dem Waldviertel in Österreich. Das alleine wäre mir keine Zeile wert, aber das Buch „
Auf der Sonnenseite: Leben und Genießen mit Kräutern & Gewürzen“ von
Johannes Gutmann, dem Gründer und Chef der Firma, ist ein schönes Beispiel dafür, wie die persönliche Lebenseinstellung auf die Unternehmensphilosophie ausstrahlt. Es erzählt die Geschichte von Johannes Gutmann, wie und was ihn bewegt, hat Sonnentor zu gründen. Außerdem werden auf ausgesprochen sinnliche Weise die Kräuter und Gewürze als Produkte der Natur vorgestellt, die der Mensch für sich nutzen kann. Die Texte wurden von Christine Haiden und Nina Roth verfasst, sind glaubwürdig und kurzweilig zu lesen. Die Fotos, mit denen das Buch illustriert ist, wirken ebenfalls authentisch, das gilt sowohl für die Aufnahmen, die aus dem privaten Fundus stammen, wie auch für die professionellen Shootings. Zum Abschluss des Buches gibt es ein Kapitel mit Rezepten, die zum Nachkochen einladen.
Nun soll bitte nicht jeder loslaufen und Autoren mit dem Schreiben der eigenen Unternehmensphilosophie beauftragen. Das Buch taugt auch hervorragend als Vorlage bzw. Rahmen für ein selbst geschriebenes Unternehmensblog. Das sollte in meinen Augen, einen guten Schuss Persönlichkeit enthalten, Geschichten erzählen, Beweggründe darstellen, Entwicklungen dokumentieren, Produkte in ihren Stationen vom Erzeuger zum Konsumenten zeigen. Kurz und gut: Das Innenleben und Umfeld eines Unternehmens authentisch darstellen. Mit dieser Idee im Hinterkopf eröffnet sich dann auch das Tor zur Interaktion. Mit Lesern, die einfach nur die Begeisterung teilen und Freude an der Lektüre haben. Mit Kunden, die durchs Blog das Unternehmen und seine Produkte besser kennenlernen. Mit Partnern, zu denen sich ein neuer Kommunikationskanal öffnet und wodurch sich neue gemeinsame Sichtweisen entwickeln können.
Leider gibt es dafür keine Metrik, die sich als Erfolg messen ließe, aber jeder, der bei einem Text oder Bild schon mal das Gefühl hatte, sich gegenüber einer realen Person zu befinden und von seiner Geschichte gefangen wurde, kann vielleicht verstehen, was ich meine. Das soll Blogs, die reine Fakten, also Nachrichten, Tests, Tutorials etc., veröffentlichen nicht in Abrede stellen. Nur eben alles zu seiner Zeit.
Womit wir dann thematisch auch schon voll beim
Bloggertreffen angelangt wären. Es lag mit den gut 50 Leuten, die dieses Jahr gekommen sind, wieder über den Erwartungen und war eine gute Mischung aus alten Hasen und Neulingen. Die offizielle Teilnehmerliste steht noch aus. Was es bereits gibt, ist eine
erste Blogschau und ein paar
Bilder des Abends.
Der Termin für die BioFach 2011 steht bereits fest, sie wird wieder von Mittwoch bis Samstag sattfinden und zwar vom 16. bis zum 19. Februar 2011.