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Faire Milchlieferanten und noch mehr faire Milch
Montag, 4. Januar 2010
Journalistische Übungsaufgabe
Heute mal eine Aufgabe für angehende Schreiberlinge:
Recherchieren sie alle oppositionellen Agrarverbände. Greifen sie einen beliebigen Protagonisten heraus und stellen diesen in den Kontext von Nazis, Illuminaten und Freimaurern. Um ihre intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren, erklären sie eine weitere, weitläufig unbekannte Geheimorganisation. Nutzen sie dabei bewusst das Stilmittel der steilen These und diffamieren sie Protest als Zeichen altmodischer und unwissenschaftlicher Denkweise.
Musterlösung: Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern
Recherchieren sie alle oppositionellen Agrarverbände. Greifen sie einen beliebigen Protagonisten heraus und stellen diesen in den Kontext von Nazis, Illuminaten und Freimaurern. Um ihre intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren, erklären sie eine weitere, weitläufig unbekannte Geheimorganisation. Nutzen sie dabei bewusst das Stilmittel der steilen These und diffamieren sie Protest als Zeichen altmodischer und unwissenschaftlicher Denkweise.
Musterlösung: Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern
Freitag, 13. November 2009
Ein weiterer Ruf nach Landwirtschaft 2.0
Wenn Die_Farmblogger als eines von zwei dominanten Landwirtschafts-Netzwerken genannt wird, schwellt das fast ein wenig die Brust. Relativiert sich aber, wenn man sich den Artikel von Hans Bayartz genauer ansieht. Inhaltlich ist er gut gemeint, das steht ausser Frage, die Analyse der Landwirtschaft und ihres Verhältnises zum sog. Web 2.0 erfolgte aber nur oberflächlich.
Zunächst ist landlive.de keine Zeitschrift, sondern ein reine Communityplattform, die vom Deutschen Landwirtschaftsverlag (DLV) betrieben wird. In der "Szene" ist landlive.de zweifellos prominent, das hat meiner Einschätzung nach zwei wesentliche Gründe: landlive.de wurde nicht aus dem Boden gestampft, sondern konnte durch die Übertragung der Domain xtrac.de auf einen prominenten Namen innerhalb der Agrarforen aufbauen. Der Betreiber DLV hat über seine zahlreichen Print- und Onlineaktivtäten optimale Möglichkeiten landlive.de innerhalb der Zielgruppe zu bewerben. Weniger entscheidend, aber durchaus wichtig: Der Bayerische Bauernverband ist über den BLV Gesellschafter beim Betreiber DLV, das macht landlive.de authentisch. Ausserdem ist landlive.de gut gemacht, die Bedienung ist vergleichsweise einfach und das Community-Management läuft gut. Mein Fall ist das zwar alles nicht, aber der Wurm muss ja auch dem Fisch schmecken.
Vor dem Hintergrund kaum landwirtschaftliche Aktivitäten auf Xing und Facebook zu entdecken, stellt Hans Bayartz die Frage:
Überbordende Technik kann sogar zum Hemmnis der Vernetzung werden, darf doch nicht vergessen werden, dass viele der Vernetzungswilligen aus dem Umfeld der Landwirtschaft in Regionen leben, die nur schlecht ans Internet angebunden sind. Selbst in meiner urban geprägten Umgebung wird seit Jahren um die DSL Anbindung in den Ortsteilen gekämpt.
Was in der Online-Vernetzung fehlt, oder nicht erkannt wird, ist der Nutzen, der sich daraus ergibt. Dazu muss man auch bedenken, dass es in der Landwirtschaft bereits eine ausgeprägte Vernetzung gibt, die mehr oder weniger institutionalisierten Maschinenringe sind ein Beispiel dafür und der sprichwörtliche "Dorfklatsch" gehört ebenfalls dazu. Der Nutzen davon lässt sich unmittelbar ableiten, welcher Vorteil ergibt sich Online? Im wesentlichen Informationsaustausch, dessen Tragweite aber nicht überschätzt werden sollte. Das hat mit der Struktur der Landwirtschaft zu tun. Es gibt nicht den Landwirt bzw. die Landwirtin. Das ist eine ausgeprägt heterogene Gruppe, Wirtschaftsweisen, geologische und klimatische Voraussetzungen, regionale Besonderheiten und vieles mehr unterscheiden sich ebenso wie das Selbstverständnis. Man versuche nur mal einen Schweinemäster, einen Winzer und einen Gemüsebauer an einen Tisch zu bringen, die Basis der gemeinsamen Themen ist eher gering. Selbst zwischen zwei Ackerbauern, die aus unterschiedlichen Bundesländern stammen kann schnell Schweigen eintreten, weil sich die gesetzlichen Regelungen nach die sich richten müssen, unterscheiden. Trotzdem ist natürlich genung Gemeinsamkeit da, Landtreff, Bäuerinnentreff, Agrarforum und landlive.de sind ja das beste Beispiel dafür, dass diese zur Vernetzung im Internet führen.
Ich denke, die zentrale Frage um die es im dem Artikel geht, ist ob eine weitere Community machbar ist und wer sie bezahlt, der Autor Hans Bayartz ist schliesslich als Anbieter von "Social Software" tätig. Die Frage nach dem Geld ist schnell beantwortet, das liegt bei Verbänden und Unternehmen. Bei den Verbänden dominiert personell und vor allem finanziell der Bauernverband, der indirekt an Landwirtschaftsverlagen beteiligt ist, die ihrerseits eigene Comunities betreiben, allen voran landlive.de. Unternehmen gäbe es im landwirtschaftlichen Umfeld genug, deren Engagement im Bereich Social Media und Web 2.0 ist z.Z. noch sehr begrenzt. Ob diese sich allerdings jenseits der eigenen Markenpolitik an eine Landwirtschaftscommunity wagen, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür ist die Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit mit dem Bauernverband zu stark.
Was bleibt ist die Nische in der Nische. Beispielsweise Verbände jenseits der Agrarindustrie oder Segmente wie die Direktvermarkter. Ersteren fehlt schlicht das Geld, wobei ich aus meinen Gesprächen mit Funktionären der bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft weiß, dass der Wille durchaus vorhanden wäre. Bzgl. Direktvermarkter und Web 2.0 gab es hier im Blog schon heftigste Diskussionen, es sind Einzelne, die ihre Vorteile erkennen und nutzen sie dann auch. Für die Mehrzahl der Direktvermarkter gilt wahrscheinlich auch hier, dass der Aufwand für Zeit und/oder Geld eher klein gehalten werden muss.
Es bleibt schwierig in der Landwirtschaft, ob mit oder ohne Web 2.0. Ich glaube auch hier gibt es einen Prozess, der sich dem Internet und seinen Möglichkeiten weiter öffnet. Doch der verläuft langsam, langsamer als in vielen anderen Bereichen, das hat schlicht seine Ursache in der Struktur der Landwirtschaft und so lange ein Gutteil der Zielgruppe noch nicht einmal DSL hat, darf man die Segel nicht zu groß nähen. Gleichwohl halte ich Web 2.0, Social Media oder wie auch immer der nächste Internettrend heissen wird, für die Möglichkeit, die verkrusteten Strukturen innerhalb der Agrarpublizistik aufzubrechen. Die Themen müssen authentisch sein, nämlich von den aktiven Teilnehmern des Agrarsektors und nicht den Verbandslobbyisten. Die Plattform dafür kann eine Communitysoftware sein, ein Blog, Wiki oder Forum, neu aufgebaut oder ein bestehendes System. Wichtiger als der Businessplan ist es das Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Möglichkeiten bestehen und, dass diese über das hinausgehen was sich die Entwickler manchmal dabei gedacht haben.
Zunächst ist landlive.de keine Zeitschrift, sondern ein reine Communityplattform, die vom Deutschen Landwirtschaftsverlag (DLV) betrieben wird. In der "Szene" ist landlive.de zweifellos prominent, das hat meiner Einschätzung nach zwei wesentliche Gründe: landlive.de wurde nicht aus dem Boden gestampft, sondern konnte durch die Übertragung der Domain xtrac.de auf einen prominenten Namen innerhalb der Agrarforen aufbauen. Der Betreiber DLV hat über seine zahlreichen Print- und Onlineaktivtäten optimale Möglichkeiten landlive.de innerhalb der Zielgruppe zu bewerben. Weniger entscheidend, aber durchaus wichtig: Der Bayerische Bauernverband ist über den BLV Gesellschafter beim Betreiber DLV, das macht landlive.de authentisch. Ausserdem ist landlive.de gut gemacht, die Bedienung ist vergleichsweise einfach und das Community-Management läuft gut. Mein Fall ist das zwar alles nicht, aber der Wurm muss ja auch dem Fisch schmecken.
Vor dem Hintergrund kaum landwirtschaftliche Aktivitäten auf Xing und Facebook zu entdecken, stellt Hans Bayartz die Frage:
Wollen Landwirte nicht networken, sich austauschen, Kontakte pflegen und die „Wohltätigkeiten“ des Web 2.0 genießen?Sondiert die Ursachen aus Gesprächen mit jungen Landwirten, die zwar viel auszutauschen hätten, doch mit wenig Zeit gesegnet sind, dass interessante Communities fehlen. Es kann sein, dass die junden Landwirte schon wieder zu jung sind, aber wie ich bereits vor einiger Zeit geschrieben habe, das Web 2.0 ist in der Landwirtschaft zwar eher weniger auffällig vorhanden, deswegen aber kein Vakuum. Damals habe ich den Landtreff und den Bäuerinnentreff als Beispiel genannt, heute würde ich auch das Agrarforum zu den aktiveren Communities zählen und von Besuchen diverser Schleppertreffen weiß ich, dass es auch dort eine aktive Online-Gemeinde gibt. Das ist alles nicht immer so webzweinullig wie es sein könnte, muss es auch nicht, denn nicht die Technik bestimmt die Kommunikation, sondern der Nutzen, den die Beteiligten daraus ziehen können.
Überbordende Technik kann sogar zum Hemmnis der Vernetzung werden, darf doch nicht vergessen werden, dass viele der Vernetzungswilligen aus dem Umfeld der Landwirtschaft in Regionen leben, die nur schlecht ans Internet angebunden sind. Selbst in meiner urban geprägten Umgebung wird seit Jahren um die DSL Anbindung in den Ortsteilen gekämpt.
Was in der Online-Vernetzung fehlt, oder nicht erkannt wird, ist der Nutzen, der sich daraus ergibt. Dazu muss man auch bedenken, dass es in der Landwirtschaft bereits eine ausgeprägte Vernetzung gibt, die mehr oder weniger institutionalisierten Maschinenringe sind ein Beispiel dafür und der sprichwörtliche "Dorfklatsch" gehört ebenfalls dazu. Der Nutzen davon lässt sich unmittelbar ableiten, welcher Vorteil ergibt sich Online? Im wesentlichen Informationsaustausch, dessen Tragweite aber nicht überschätzt werden sollte. Das hat mit der Struktur der Landwirtschaft zu tun. Es gibt nicht den Landwirt bzw. die Landwirtin. Das ist eine ausgeprägt heterogene Gruppe, Wirtschaftsweisen, geologische und klimatische Voraussetzungen, regionale Besonderheiten und vieles mehr unterscheiden sich ebenso wie das Selbstverständnis. Man versuche nur mal einen Schweinemäster, einen Winzer und einen Gemüsebauer an einen Tisch zu bringen, die Basis der gemeinsamen Themen ist eher gering. Selbst zwischen zwei Ackerbauern, die aus unterschiedlichen Bundesländern stammen kann schnell Schweigen eintreten, weil sich die gesetzlichen Regelungen nach die sich richten müssen, unterscheiden. Trotzdem ist natürlich genung Gemeinsamkeit da, Landtreff, Bäuerinnentreff, Agrarforum und landlive.de sind ja das beste Beispiel dafür, dass diese zur Vernetzung im Internet führen.
Ich denke, die zentrale Frage um die es im dem Artikel geht, ist ob eine weitere Community machbar ist und wer sie bezahlt, der Autor Hans Bayartz ist schliesslich als Anbieter von "Social Software" tätig. Die Frage nach dem Geld ist schnell beantwortet, das liegt bei Verbänden und Unternehmen. Bei den Verbänden dominiert personell und vor allem finanziell der Bauernverband, der indirekt an Landwirtschaftsverlagen beteiligt ist, die ihrerseits eigene Comunities betreiben, allen voran landlive.de. Unternehmen gäbe es im landwirtschaftlichen Umfeld genug, deren Engagement im Bereich Social Media und Web 2.0 ist z.Z. noch sehr begrenzt. Ob diese sich allerdings jenseits der eigenen Markenpolitik an eine Landwirtschaftscommunity wagen, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür ist die Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit mit dem Bauernverband zu stark.
Was bleibt ist die Nische in der Nische. Beispielsweise Verbände jenseits der Agrarindustrie oder Segmente wie die Direktvermarkter. Ersteren fehlt schlicht das Geld, wobei ich aus meinen Gesprächen mit Funktionären der bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft weiß, dass der Wille durchaus vorhanden wäre. Bzgl. Direktvermarkter und Web 2.0 gab es hier im Blog schon heftigste Diskussionen, es sind Einzelne, die ihre Vorteile erkennen und nutzen sie dann auch. Für die Mehrzahl der Direktvermarkter gilt wahrscheinlich auch hier, dass der Aufwand für Zeit und/oder Geld eher klein gehalten werden muss.
Es bleibt schwierig in der Landwirtschaft, ob mit oder ohne Web 2.0. Ich glaube auch hier gibt es einen Prozess, der sich dem Internet und seinen Möglichkeiten weiter öffnet. Doch der verläuft langsam, langsamer als in vielen anderen Bereichen, das hat schlicht seine Ursache in der Struktur der Landwirtschaft und so lange ein Gutteil der Zielgruppe noch nicht einmal DSL hat, darf man die Segel nicht zu groß nähen. Gleichwohl halte ich Web 2.0, Social Media oder wie auch immer der nächste Internettrend heissen wird, für die Möglichkeit, die verkrusteten Strukturen innerhalb der Agrarpublizistik aufzubrechen. Die Themen müssen authentisch sein, nämlich von den aktiven Teilnehmern des Agrarsektors und nicht den Verbandslobbyisten. Die Plattform dafür kann eine Communitysoftware sein, ein Blog, Wiki oder Forum, neu aufgebaut oder ein bestehendes System. Wichtiger als der Businessplan ist es das Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Möglichkeiten bestehen und, dass diese über das hinausgehen was sich die Entwickler manchmal dabei gedacht haben.
Donnerstag, 15. Oktober 2009
eCampaigning absurd beim DBV
Mal abgesehen davon, dass Soja nur dafür notwendig ist, um billiges und minderwertiges Fleisch in überfüllten Riesenställen zu produzieren. Wer, der bei klarem Verstand ist, kann ernsthaft fordern, dass Futtermittel in den Umlauf kommen, die Bestandteile enthalten, die nicht verkehrsfähig sind?
Die Krone auf's Fass kommt mit dem Motiv der "ePostkarte", mit der Ilse Aigner auf die angeblichen Probleme aufmerksam gemacht werden soll. Süße kleine Ferkelchen auf einer Strohmatte. Das ist so weit weg von der Realität in den konventionellen Massenställen, wie es nur geht. Beim kleinen Bauern um die Ecke mag es so aussehen, der ist aber nicht auf importiertes Soja angewiesen. Das ist pures Taktieren, wenn mit dem Image der bäuerlichen Landwirtschaft, einseitig Lobbyarbeit für die Interessen der Agrarindustrie zu machen.
Nachtrag: Jetzt sorgt man sich beim DBV um die "Eiweißfuttergrundlage für heimische Viehwirtschaft". Mir kommen die Tränen, so viel Text für die einfache Formel: Wenn andere Mist bauen, dann müssen wir das auch.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Bauernverband twittert als @Bauern_Verband
Zufällig habe ich heute entdeckt, dass der Bauernverband twittert und zwar unter der Kennung @Bauern_Verband. Richtig, die Premiere war zum Bauerntag, wovon auch zahlreiche Einträge zeugen. Aktuelle wird kommen tweets aus einem Forum zum Thema "Internet und Qualitätsjournalismus". Alles noch ein bisschen holprig, vor allem der Rückkanal funktioniert nur zaghaft. Immerhin war ein kurzer Austausch über den Namen @Bauerntag war möglich, den ich erstens gar nicht so schlimm finde, zweitens es nicht für schwierig halte ihn für eine Veranstaltung entsprechend umzubenenen. Aber gut, wie man den Tweets entnehmen kann, war man gerade dabei zu lernen, dass Redakteure in Mails untergehen und deswegen das Fax reüssiere. Dumm nur wenn das Redaktionsfax nur noch als PC existiert und eingehende Faxe in PDF umwandelt und in genau die selben Email-Postfächer der Redakteure verteilt werden, in denen auch die übrigen Emails landen.
Also liebe Anbauverbände spätestens jetzt heisst es für Euch auch ran an Twitter, kann ja nicht angehen, dass dem DBV das Feld alleine überlassen wird. @Bioland kann sich vielleicht den gesperrten Account über den Support von Twitter holen. Schlecht sieht es hingegen für @Biopark und @ABL aus, die Kennungen sind bereits vergeben. Damit keine "Unbefugter" bei @Naturland und @Biokreis auf dumme Gedanken kommt, sind die jetzt auch belegt, das schreibe ich deren Pressestellen aber gleich auch noch persönlich. Ob der DBV vielleicht Interesse an @Agrarindustrie hat?
Nachtrag: Der DBV hat den Namen seines Accounts geändert und ist jetzt als @Bauern_Verband in der Welt der kurzen Meldung zugegen. War da nicht die Rede davon, dass das nicht so einfach ginge?
Also liebe Anbauverbände spätestens jetzt heisst es für Euch auch ran an Twitter, kann ja nicht angehen, dass dem DBV das Feld alleine überlassen wird. @Bioland kann sich vielleicht den gesperrten Account über den Support von Twitter holen. Schlecht sieht es hingegen für @Biopark und @ABL aus, die Kennungen sind bereits vergeben. Damit keine "Unbefugter" bei @Naturland und @Biokreis auf dumme Gedanken kommt, sind die jetzt auch belegt, das schreibe ich deren Pressestellen aber gleich auch noch persönlich. Ob der DBV vielleicht Interesse an @Agrarindustrie hat?
Nachtrag: Der DBV hat den Namen seines Accounts geändert und ist jetzt als @Bauern_Verband in der Welt der kurzen Meldung zugegen. War da nicht die Rede davon, dass das nicht so einfach ginge?
Donnerstag, 24. September 2009
Der Milchpreis und die Frage der Verantwortung
Gestern lautetet beim Tagesgespräch auf Bayern 2 das Thema "Preisverfall und Überschuss: Sind die Milchbauern selbst schuld?". Als Gesprächspartnerin war Ulrike Müller eingeladen, sie ist Funktionärin beim bayerischen Bauernverband und sitzt für die Freien Wähler im Landtag. Im Ostallgäu betreibt sie zusammen mit ihrem Mann eine Landwirtschaft mit 55 Milchkühen. Zur Einordnung, der Durchschnitt in Bayern sind z.Z. 28 Milchkühe pro Betrieb. Das Gespräch gibt es als Podcast (MP3 Datei) zum Herunterladen. Inhaltlich gab es von Ulrike Müller nichts wirklich aufregendes zu hören, im wesentlichen wurde das Konzept des Bauernverbands wiedergegeben.
Wirklich interessant war ein Anrufer (ab ca. 20:30). Es handelte sich um Jürgen Zettl, der die Initiative "Der faire Milchlieferant" gegründet hat. Sie will erreichen, dass Milchbauern in eigener Verantwortung die Milchproduktion an den Bedürfnissen des Markts ausrichten. Seiner Meinung nach ist die Überproduktion die ganz wesentliche Ursache für die niedrigen Preise.
Recht hat er, auch wenn des der nachfolgende Anrufer, Reinhard Trummer vom BDM, ganz anders sieht, ihm gar "das Messer in der Tasche aufgeht". Die Wortwahl muss der Hr. Trummer mit sich selbst ausmachen, eine gute Figur hat er damit jedenfalls nicht abgeliefert und kann Ulrike Müller getrost die Hand reichen. Auf, dass wieder erfolgreich das Klischee der egoistischen Landwirte gepflegt wurde, für die Verantwortung, zuerst dort zu suchen ist, wo sie einem selbst keine Nachteile bringt.
Zu den fairen Milchlieferanten habe ich ausser einem Bericht von "Unser Land" leider nichts im Netz gefunden.
Da es gut zum Thema passt, die Butterberge der EU wachsen wieder.
Wirklich interessant war ein Anrufer (ab ca. 20:30). Es handelte sich um Jürgen Zettl, der die Initiative "Der faire Milchlieferant" gegründet hat. Sie will erreichen, dass Milchbauern in eigener Verantwortung die Milchproduktion an den Bedürfnissen des Markts ausrichten. Seiner Meinung nach ist die Überproduktion die ganz wesentliche Ursache für die niedrigen Preise.
Recht hat er, auch wenn des der nachfolgende Anrufer, Reinhard Trummer vom BDM, ganz anders sieht, ihm gar "das Messer in der Tasche aufgeht". Die Wortwahl muss der Hr. Trummer mit sich selbst ausmachen, eine gute Figur hat er damit jedenfalls nicht abgeliefert und kann Ulrike Müller getrost die Hand reichen. Auf, dass wieder erfolgreich das Klischee der egoistischen Landwirte gepflegt wurde, für die Verantwortung, zuerst dort zu suchen ist, wo sie einem selbst keine Nachteile bringt.
Zu den fairen Milchlieferanten habe ich ausser einem Bericht von "Unser Land" leider nichts im Netz gefunden.
Da es gut zum Thema passt, die Butterberge der EU wachsen wieder.
Freitag, 11. September 2009
Kein Aufruf zum Milchstreik
In seltener Einmütigkeit schliesst sich dem auch der Bauernverband, sonst nur schwerlich mit BDM und AbL einer Meinung, an und veröffentlicht keinen Aufruf zum Milchstreik. Das versteh nun wer will und vor allem richtig.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Hartnäckig nervend das Thema verfehlt
Seit heute Mittag teilt mir der DBV, genauer gesagt dessen Presseverteiler stündlich mit, dass die Heimvolkshochschule eine Station auf der Bildungsreise der Kanzlerin ist. Scheinbar ist bei den Admins des Mailservers heute schon Feiertag, oder ist es nur ein geschickter Schachzug, der dabei helfen soll in spamüberfüllten Mailboxen aufzufallen. Das könnte aber auch nach hinten losgehen und nicht nur wegen Spamfilter, die häufig auch die Frequenz ähnlicher Mails als Kriterium für die Spamerkennung einsetzen.
Um ein Haar wäre mir eine wirklich interessante Meldung entgangen, zumindest hielt ich sie anfangs dafür. Der Verein information.medien.agrar hat ein Online Agrarlexikon veröffentlicht. Glaubt man der Pressemeldung handelt es sich um ein
Kann ja noch werden mag man zu Gute halten, die Wikipedia hat auch mal klein angefangen. Ein Wiki bedeutet immer auch Zusammenarbeit und mit möglicht vielen freiwilligen Autoren wird das schon. Der information.medien.agrar e.V. hat das Prinzip nur scheinbar nicht verstanden, denn auf der Startseite des Online-Agrilexikon lesen wir
Wem wirklich an freier Information liegt, die von freiwilligen Autoren zusammengetragen wird, sollte einen Blick auf das Portal Land- und Forstwirtschaft der Wikipedia werfen. So macht man das, geht auch ganz ohne name dropping.
Um ein Haar wäre mir eine wirklich interessante Meldung entgangen, zumindest hielt ich sie anfangs dafür. Der Verein information.medien.agrar hat ein Online Agrarlexikon veröffentlicht. Glaubt man der Pressemeldung handelt es sich um ein
Neues Online-Agrilexikon nach Wikipedia-VorbildSchaut man sich besagtes Online-Agrilexikon an, stellt man fest, dass dort gerade mal 300 Begriffe aufgeführt werden und die werden nicht mal ausführlich erklärt. Der Begriff Landwirt bringt es auf ein paar Zeilen und zwei Grafiken, der Grubber wird in zwei Sätzen versucht zu erklären. Wie es anders und vor allem besser gehen kann, zeigt die Wikipedia: Landwirt + Grubber.
Kann ja noch werden mag man zu Gute halten, die Wikipedia hat auch mal klein angefangen. Ein Wiki bedeutet immer auch Zusammenarbeit und mit möglicht vielen freiwilligen Autoren wird das schon. Der information.medien.agrar e.V. hat das Prinzip nur scheinbar nicht verstanden, denn auf der Startseite des Online-Agrilexikon lesen wir
In Gegensatz zu vielen anderen Enzyklopädien handelt es um keine „freie“ Datenbank. Vielmehr werden die Inhalte von einem Redaktionsteam erstellt und betreut.Zwar wird potentiellen Helfern angeboten sich melden zu können, trotzdem drängt sich der Verdacht auf, dass entweder beim information.medien.agrar e.V. oder beim Autor der Pressemeldung tiefstes Unwissen über das Wiki-Prinzip vorliegt. So etwas geht nicht einmal mehr als gut gemeint durch!
Wem wirklich an freier Information liegt, die von freiwilligen Autoren zusammengetragen wird, sollte einen Blick auf das Portal Land- und Forstwirtschaft der Wikipedia werfen. So macht man das, geht auch ganz ohne name dropping.
Dienstag, 15. Juli 2008
Die Kraft vom Land
Das Bauernlied des Deutschen Bauernverbands. Am besten vorher hier und hier reinhören, dann ist es nicht ganz so schlimm.
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe
Auf den Bayerischen Bauernverband (BBV) übertragen: "Wenn einer Traktordemos macht, dann sind wir das"
War ja irgendwie zu erwarten, dass die aufmerksamkeitsträchtige Inszenierung bei der Übergabe der Austrittserklärungen, dem Bauernverband nicht gefallen wird. Ob es die Dramaturgie der Aktion oder der Verlust von über 80 "Berufskollegen" war? Ich tendiere zu Ersterem. Anders kann ich mir die nicht minder inszenierte Entrüstung der bayerischen Landfrauen (eine Unterorganisation des Bayerischen Bauernverbands) erklären. Auch die etwas weniger moralisierende Erklärung des BBV, die kurz davor veröffentlicht wurde, klingt nach Doppelmoral. Besonders peinlich ist die Bildunterschrift des Fotos:
Was will man damit zum Ausdruck bringen? Etwa, dass jeder der nicht die gleiche Meinung wie der Bauernverband hat, automatisch undemokratisch ist?
Für mich spricht aus diesem diesem Satz das Dilemma, in dem der Deutsche Bauernverband insgesamt steckt. Die Mehrheit der Mitglieder sind kleine bis mittlere Betriebe. Zahlenmässig in der Minderheit sind große Agrarfabriken, finanziell sind es aber die großen Akteure der Branche. Dabei spielt ausgerechnet die Agrarpolitik, die der DBV ja angeblich aktiv mitgestaltet, den Großbetrieben in die Tasche und immer mehr Kleinbetriebe machen die Grätsche. Entweder sind die DBV Funktionäre doch keine so wichtigen Akteure oder sie vertreten die Interessen der Großen und halten sich die Kleinen nur als Stimmvieh.
Gerade in Bayern klafft die Schere zwischen realem Bauernalltag und der Agrarpolitik weit auseinander. Es gibt vergleichsweise viele kleine Betriebe, rund 30% der deutschen Betriebe sind in Bayern, bewirtschaften aber nur knapp 20% der Agrarfläche in der BRD. In dieser Umgebung konnte der BBV gedeihen und die Verdienste um seine Mitglieder sind zahlreich und nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr wundert es, dass Gerd Sonnleitner, der Vorsitzende des BBV gleichzeitig auch der Präsident des Bundesverbandes ist. Unterschiedlicher könnten die Vorgaben nicht sein unter denen er Lobbyarbeit leisten muss. Ein Missverständnis ist da schnell passiert, die Quittung dafür ist jetzt gekommen.
Über Art und Weise der Abrechnung kann man sicher streiten, nur sollte der BBV und erst Recht der DBV die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um die Wahrung der Besitzstände geht, ist man sich auch für keine Anstandsgrenze zu schade. Ich erinnere mich noch sehr gut an Künast-Puppen die an Frontladern baumelten und symbolische Grablegungen gab es ja erst jüngst wieder. Wenn überhaupt sollte das Thema Traktordemo endlich mal beerdigt werden. Welche Meinung soll denn mit einem 5t Gefährt zum Ausdruck gebracht werden? Meiner ist grösser als deiner?
In diesem Sinne, Ball flach halten. Die Bauern können wahrscheinlich ohne Verband leben, umgekehrt ist die Prognose ungünstiger.
War ja irgendwie zu erwarten, dass die aufmerksamkeitsträchtige Inszenierung bei der Übergabe der Austrittserklärungen, dem Bauernverband nicht gefallen wird. Ob es die Dramaturgie der Aktion oder der Verlust von über 80 "Berufskollegen" war? Ich tendiere zu Ersterem. Anders kann ich mir die nicht minder inszenierte Entrüstung der bayerischen Landfrauen (eine Unterorganisation des Bayerischen Bauernverbands) erklären. Auch die etwas weniger moralisierende Erklärung des BBV, die kurz davor veröffentlicht wurde, klingt nach Doppelmoral. Besonders peinlich ist die Bildunterschrift des Fotos:
Die BBV-Landesversammlung - das demokratische Bauernparlament
Was will man damit zum Ausdruck bringen? Etwa, dass jeder der nicht die gleiche Meinung wie der Bauernverband hat, automatisch undemokratisch ist?
Für mich spricht aus diesem diesem Satz das Dilemma, in dem der Deutsche Bauernverband insgesamt steckt. Die Mehrheit der Mitglieder sind kleine bis mittlere Betriebe. Zahlenmässig in der Minderheit sind große Agrarfabriken, finanziell sind es aber die großen Akteure der Branche. Dabei spielt ausgerechnet die Agrarpolitik, die der DBV ja angeblich aktiv mitgestaltet, den Großbetrieben in die Tasche und immer mehr Kleinbetriebe machen die Grätsche. Entweder sind die DBV Funktionäre doch keine so wichtigen Akteure oder sie vertreten die Interessen der Großen und halten sich die Kleinen nur als Stimmvieh.
Gerade in Bayern klafft die Schere zwischen realem Bauernalltag und der Agrarpolitik weit auseinander. Es gibt vergleichsweise viele kleine Betriebe, rund 30% der deutschen Betriebe sind in Bayern, bewirtschaften aber nur knapp 20% der Agrarfläche in der BRD. In dieser Umgebung konnte der BBV gedeihen und die Verdienste um seine Mitglieder sind zahlreich und nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr wundert es, dass Gerd Sonnleitner, der Vorsitzende des BBV gleichzeitig auch der Präsident des Bundesverbandes ist. Unterschiedlicher könnten die Vorgaben nicht sein unter denen er Lobbyarbeit leisten muss. Ein Missverständnis ist da schnell passiert, die Quittung dafür ist jetzt gekommen.
Über Art und Weise der Abrechnung kann man sicher streiten, nur sollte der BBV und erst Recht der DBV die Kirche im Dorf lassen. Wenn es um die Wahrung der Besitzstände geht, ist man sich auch für keine Anstandsgrenze zu schade. Ich erinnere mich noch sehr gut an Künast-Puppen die an Frontladern baumelten und symbolische Grablegungen gab es ja erst jüngst wieder. Wenn überhaupt sollte das Thema Traktordemo endlich mal beerdigt werden. Welche Meinung soll denn mit einem 5t Gefährt zum Ausdruck gebracht werden? Meiner ist grösser als deiner?
In diesem Sinne, Ball flach halten. Die Bauern können wahrscheinlich ohne Verband leben, umgekehrt ist die Prognose ungünstiger.
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