Zwei Dinge beschäftigen den Landwirt wohl am meisten. Zunächst geht es ihm darum seine Produkte optimal zu erzeugen und dann muss er zusehen seine Erzeugnisse möglichst effektiv zu verkaufen. In der Regel passiert dies über den Erfassungshandel, z.B. die Milch geht an eine Molkerei oder Getreide wird in einem gemeinsamen Lager zusammengefasst und an Mühlen weiterverkauft. Über die anschliessende Veredelung und diversen Stationen bei Großhändlern kommen die Produkte dann beim Kunden an. Jeder kann sich an fünf Fingern abzählen wieviel vom Verkaufspreis beim Landwirt landet. Nun ist der Markt so wie er ist und höhere Preise für die landw. Erzeugnisse sind nur begrenzt erzielbar. Folglich muss man in der Verwertungskette ansetzen um höhere Margen zu erzielen. Der erste Schritt ist dabei meist den Erfassungshandel zu umgehen und Verträge direkt den Verarbeitern oder dem Großhandel abzuschliessen. Das kann funktionieren, setzt aber voraus, dass man selbst entsprechende Mengen liefern kann und auch die Logistik in den Griff bekommt. Damit hätte man dann eine Stufe eingespart und mit ein wenig Glück landet deren Marge jetzt auf dem eigenen Konto.
Richtig interessant wird es aber erst wenn man in der Lage ist die Zwischenschritte mit der größten Wertschöpfung selbst durchzuführen. Was liegt da näher als die Veredelung, bzw. Teile davon, vorzunehmen. Möglichkeiten gibt es genug, angefangen von der Ölmühle mit Abfüllanlage bis hin zu Hofkäsereien und Hofmetzgereien. Es geht aber auch durchaus einfacher mit selbst hergestellter Marmelade oder Brot aus dem eigenen Ofen. Was nun folgt ist die Gretchenfrage wie man die Waren an die Frau bzw. den Mann bringt. Abnehmer für die veredelten Produkte finden sich bestimmt auch bei Handelsunternehmen, das Schlagwort in diesem Zusammenhang lautet aber Direktvermarktung.
Bei der Direktvermarktung denkt sicher jeder sofort an Hofläden, dabei gibt es eine Form des direkten Handels zwischen Landwirt und Verbraucher die schon seit Jahrhunderten existiert. Die wirtschaftlichen Veränderungen haben den direkten Kontakt allerdings immer weiter zurückgehen lassen und Bauernmärkte die früher das Stadtbild geprägt haben wurden zunehmend verdrängt. Dabei haben Bauernmärkte durchaus Vorteile gegenüber Hofläden. Zunächst einmal spart man sich Umbauten am Hof da lediglich ein mehr oder weniger mobiler Stand benötigt wird, der u.U. sogar vom Organisator gestellt wird. Positiv in der Aussenwirkung ist, dass man auf seine Kundschaft zugeht, schliesslich kommt man mit seinen Waren zu ihm und der Kunde muss nicht zur mitunter abgelegenen Hofstelle fahren. Der meiner Meinung nach entscheidende Vorteil lässt sich aber mit den Worten "Gemeinsam sind wir stark" zusammenfassen. Besteht bei einem Hofladen immer die Gefahr, dass das Angebot zu dünn ist, und die Kundschaft dann nicht willens ist wegen 2kg Äpfel raus zum Bauern zu fahren, herrscht auf einem Bauernmarkt Vielfalt. Dann ist es zwar mitunter ärgerlich wenn der Nachbarstand Umsatz macht, man selbst profitiert aber genauso vom "Mitnahmeeffekt". Auch lassen sich effektive Werbemassnahmen für den einzelnen günstiger realisieren.
Das ließe sich sogar noch steigern wenn es eine Art bundes-/europaweiter Kampgne für Bauernmärkte gäbe wie z.B. in den USA. Dort wird alljährlich Anfang Juni offiziell die
Bauernmarkt-Saison eingeläutet, begleitet von Werbeaktionen und publikumswirksamen Veranstaltungen auf den Bauernmärkten. Das US Agrarministerium betreibt sogar eine eigene
Website auf der Verbraucher einen Bauernmarkt in ihrere Nähe finden können. Zugegeben, die ist jetzt nicht wirklich schön, geschweige denn webzweinullig. Aber immerhin, für Deutschland kenne ich nichts dergleichen und die spärlich vorhandenen Verzeichnisse für Hofläden erreichen nicht die
Wünsche der Verbraucher. Ein Landwirt der sich für die Vermarktung auf einem Bauernmarkt interessiert steht da vor dem gleichen Problem, wie will man herausfinden ob es in der Nähe so etwas bereits gibt.
Ein durchdachtes und vor allem kundenorientiertes Verzeichnis aller Direktvermarkter scheint also überfällig zu sein. Dabei ist es gar nicht so, dass es eine neue Idee wäre, Ende der 90er sind Websites auf denen sich Hofläden, Abokistenanbieter etc. eintragen konnten aus dem Boden geschossen. So weit ich es beurteilen kann sind entweder die Server nicht mehr aktiv oder die Daten von anno tobak. Sollte ich in der Hinsicht bereits betriebsblind sein und tatsächlich ein aktuelles Verzeichnis existieren bin ich gerne bereit es hier im Blog zu besprechen. Sollte meine Einschätzung aber auf Zustimmung treffen und jemand auf der Suche nach Mitstreitern für ein solches Verzeichnis sein, kann man sich gerne bei mir melden.