
Den meisten Erdgasabnehmern im Landkreis Augsburg dürfte die Sommerlaune verhagelt worden sein. Haben sie doch diesen Tagen Post von der
erdgas schwaben GmbH erhalten, mit der die neuen Gaspreise angekündigt werden. Bezogen auf den Arbeitspreis (kWh) ergibt sich zur letzten Erhöhung im Januar 2008 eine Steigerung, je nach Tarif, von 24% bis 27%. Der Grundpreis (aka Servicepauschale) wird bei der Gelegenheit auch erhöht, die tatsächliche Steigerung kann also noch höher ausfallen.
Nun ging die anstehende Erhöhung der Preise ja lange durch die Presse und keiner darf wirklich überrascht sein, dass es nun auch so kommt. Interessant ist aber wie die Preiserhöhung von der
erdgas schwaben GmbH verkauft wird. Im Anschreiben steht, dass von 2006 auf 2008, die Jahresgesamtkosten um ca. 15% gestiegen seien. Bezogen auf ein Kalenderjahr mag der Rechentrick funktionieren, spätestens wenn man 2007 mit 2009 vergleicht, vorausgesetzt es gibt keine weiteren Erhöhungen, liegen wir bei weniger schön klingenden 31%. Ein Vergleich der
Preisentwicklung seit 2005, sieht bei der
erdgas schwaben GmbH gar eine Steigerung von 66,75%, ein für den Verbraucher unangenehmer Spitzenwert (
Screenshot).
An der Situation, dass die Gaspreise steigen wird sich in nächster Zeit nichts ändern. Das liegt zum einen daran, dass Energie ganz grundsätzlich teurer wird und die Bestrebungen die Kopplung vom Erdgaspreis, an den des Erdöls aufzuheben, wenn überhaupt vorhanden, halbherzig sind. Stellen wir uns daher lieber die Frage ob der Preis in seiner absoluten Höhe angemessen ist. Dazu habe ich die vier Privatkundentarife der
erdgas schwaben GmbH mit rund 220 anderen Anbietern in Deutschland verglichen
1. Die Basis bildete der immer wieder gerne herangezogene Jahresverbrauch von 20000 kWh Erdgas, inkl. aller Grundgebühren. Was soll man lange herumreden, der Standardtarif (Comfort) von
erdgas schwaben ist der teuerste im Vergleich, zwei weitere (schwaben preis und schwaben bonus) sind ebenfalls unter den Top 10. Nur mit Treuerabatt für langjährige Kundschaft entkommt man knapp auf Platz 11 in der Rangliste (drastisch formuliert: über 200 Anbieter sind günstiger). Interessant ist die Spreizung der Preise, 43% liegt der teuerste Preis über dem des günstigsten Anbieters. In der Modellrechnung, sie entspricht etwa einem 2 Personenhaushalt, sind das rund 550 EUR Unterschied pro Jahr.

Der
Homo oeconomicus schließt daraus einfach, dass da am Preis was gehen muss, nur wird man schlechterdings mit dem Anbieter verhandeln können. Wenn überhaupt muss man den Erdgaslieferanten wechseln. Das ist die Manifestierung des berühmten Wettbewerbs in der Marktwirtschaft. Leider kann man nicht so einfach sein Gas von dem Anbieter beziehen, der einem gefällt. Er muss auch wollen und vor allem können. Wenn ich mir für
Schwabmünchen den aktuellen Gaspreisvergleich (Bild rechts) bei
Verivox ansehe. Sieht es da schlecht aus. Neben der
erdgas schwaben GmbH kann oder/und will nur "
E wie einfach" bei mir Erdgas an den Mann bringen. Preislich bleibt man immerhin unter dem Standardtarif, hält sich aber fern von den sog. "Schwaben Preisen". Unter den markigen Begriff "Schwaben Preise" fallen bei der
erdgas schwaben GmbH die Tarife, die im Vergleich zu Grundtarif günstiger sind, dafür aber mit längeren Vertragslaufzeiten (12 Monate) einhergehen.
Schon eigenartig, Wettbewerb stelle ich mir eigentlich anders vor. Licht in die Situation bringt vielleicht ein Blick auf die Unternehmen. Die
E WIE EINFACH Strom & Gas GmbH gehört dem Energiekonzern
E.ON AG. Die Gesellschafter der
erdgas schwaben GmbH sind zu 35,1% die
Stadtwerke Augsburg und zu 64,9% die
Thüga AG, die wiederum gehört zu 100% der
E.ON AG. Wer erwartet im Ernst, dass sich Konzerntöchter der
E.ON AG gegenseitig Konkurrenz machen?
Dass die
E.ON AG möglicherweise immer zu Apothekerpreisen neigt wäre zu früh gefolgert.
E.ON Bayern z.B. beliefert seine Privatkunden im Grundtarif mit 15,4% niedrigeren Preisen, als die
erdgas schwaben GmbH. Wie man der
Karte des Liefergebiets von E.ON Bayern entnehmen kann, hält man sich aber aus Schwaben heraus. Das von
E.ON Bayern verkaufte Erdgas stammt weitgehend aus den gleichen Quellen und wird mit dem gleichen technischen Aufwand vertrieben wie das der
erdgas schwaben GmbH. Woher also der drastische Preisunterschied? Die Frage kann sich wahrscheinlich jeder selbst beantworten, der einen Blick auf die Wettbewerbssituation wirft. Warum sich dieser Wettbewerb aber nicht überall ergibt und sich kein anderer Gasanbieter nach Schwaben wagt, gibt mir Rätsel auf. Wollen sie nicht oder sind sie nicht gewollt?
Immerhin, seit März 2008 sind auch dem
Bundeskartellamt die dratischen Preisunterschiede und regionalen Monopole bei den Erdgasanbietern aufgefallen. Der Präsident Bernhard Heitzer geht gar von einem dringenden Verdacht aus, wie
in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist. Wie das Verfahren ausgeht und ob es eine positive Wirkung auf die Preise hat, wird leider erst die Zukunft zeigen. Strafgelder werden im Zweifel mit der nächsten Preiserhöhung kompensiert und die Gewinne der letzten Jahre sind längst in den Bilanzen der Konzerne verpufft. Getreu dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
Unmittelbar kann man sich als Verbraucher nur schwer zur Wehr setzen. Mangels Alternativen kommt eine Kündigung nur in Frage wenn der Energiebedarf anderweitig gedeckt werden kann. Einen Widerspruch gegen die Preiserhöhung sollte man in jedem Fall einlegen. Auch ein Anbieter ohne echte Konkurrenz darf seine Preise nicht willkürlich festsetzen. Ausserdem gehört es ja zum guten Ton, dass man seine Geschäftspartner auf etwaige Fehler aufmerksam macht, damit diese abgestellt werden. Bei der
Verbraucherzentrale Bayern gibt es ein Musterschreiben für den Widerspruch gegen die Gaspreiserhöhung.
1 vollständige Liste:
vergleich_gaspreise_2008.html
Datenquellen:
Spiegel Online,
Gaspreisvergleich bei www.verivox.de, Webseiten der Anbieter