Bei den Radionachrichten eben hatte ich den Eindruck in einer Zeitmaschine zu stecken, der Sprecher erzählte etwas von "Etikettenschwindel bei Ökostrom". Das
Schreckgespenst der bewussten Stromkunden ging doch schon Ende November 2007 um. Scheinbar dauert es einfach seine Zeit bis gewisse Themen den Weg in die Massenmedien finden. Kurz zusammengefasst: Durch den Handel mit RECS (
Renewable Energy Certificate System) Zertifikaten ist es möglich grauen Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken als grünen "Ökostrom" zu verkaufen. Wie ein Wunder, ist dieser graugrüne Strom in vielen Fällen auch noch billiger als der graue Strom des lokalen Anbieters.
Etwas einfach formuliert sieht das so aus, dass für jede kWh Strom die aus grauen Quellen stammt und als "Öko" bezeichnet werden will, darf eine kWh grüner Strom (z.B. Wasserkraft) nicht mehr als Ökostrom verkauft werden. Das nennt man wohl "Win-Win-Strategie", die Kunden haben ein gutes Gewissen und die EVUs mehr Geld in der Tasche. Wahrscheinlich ist es sogar "Win-Win-Win", denn zum Glück eilt dem Strom aus Wasserkraft ja der Ruf voraus, dass er per se Ökostrom sei, ohne, dass es extra erwähnt werden muss. Wen interessiert es da, dass der Öko-Nimbus nicht mehr in der Werbung auftauchen darf, weil er zwischenzeitlich als grüner Anstrich für Atomstrom herhalten durfte.
Stromkunden denen es um mehr als Gewissensberuhigung geht, sollten sich an Ökostrom-Anbieter halten die bewusst auf RECS-Zertifikate verzichten. So weit mir bekannt ist, sind das in Deutschland
Naturstrom,
Greenpeace Energy und die
Elektrizitätswerke Schönau.
Wer schon einen Vertrag mit einem EVU abgeschlossen hat, der ihm jetzt suspekt vorkommt, sollte einen Blick in den Vertrag werfen um das Vertragsende für einen Wechsel zu einem echten Ökostrom-Anbieter zu nutzen. Das System der RECS Zertifikate funktioniert nur weil es sich am Markt verkaufen lässt. Keine Kunden - keine Nachfrage - Ende des Systems.
Kommentare