Im Artikel zum Blog Action Day hatte ich bereits geschrieben, dass hinsichtlich der Landwirtschaft und ihrer Auswirkungen aufs Klima, leicht schizophrene Tendenzen zu bemerken sind. Einerseits stellt man zusammen mit der Forstwirtschaft die grossen Reservoirs zur CO2 Umwandlung und Speicherung, andererseits wird jede Menge CO2, Methan und Stickoxide (NOx) in die Atmosphäre gepustet.
Bisher war man allgemein davon ausgegangen, dass vor allem die Wälder Europas eine grosse Senke für klimaschädlich Gase sind und weit weniger davon produziert werden, als sie kompensieren. Berücksichtig wurde dabei aber ausschliesslich Kohlendioxid. Methan und Lachgas, die vor allem in der intensiven konventionellen Landwirtschaft entstehen, blieben in den Modellrechnungen bisher unberücksichtigt. Eine Forschergruppe um Ernst-Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena kommt zu dem Ergebnis, dass die CO2-Bilanz für Europa gerade noch ausgeglichen ist. Wenn der Düngemittelverbrauch und die Viehmast weiter zunehmen, wird die Bilanz endgültig kippen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Nutzung der Wälder als Energielieferant stark zunimmt und dadurch das im Holz gespeicherte CO2 wieder in die Atmosphäre gelangt.
Jetzt haben wir es also schriftlich, dass der grüne Nimbus der konventionellen Landwirtschaft perdü ist. Wenn das mal keine Denkanregung für den Klimagipfel in Kopenhagen ist.
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Intensive Landwirtschaft ist schlecht fürs Klima
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Blog Action Day '09: Klima und Landwirtschaft
Was liegt in diesem Blog näher als heute den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landwirtschaft zu betrachten. Ein schwieriges, dennoch wichtiges Thema, entsteht doch durch die Landwirtschaft etwa die gleiche Menge klimaschädlicher Gase, wie durch den Sektor Transport. Ein interessanter Vergleich. Beim Thema Verkehr wird die Diskussion um Klimaschutz schnell von Emotionen bestimmt , da Umweltschutz mit dem Niedergang der Zivilisation gleichgesetzt wird. Ähnlich in der Landwirtschaft: Oh weh, am Ende müssen wir alle verhungern. Gespeist wird dieses Denken durch Lobbyarbeit, die bei jeder Gelegenheit von einer "grünen Landwirtschaft" spricht und ihren Gipfel in der "Grünen Woche" hat, die nichts anderes als eine Leistungsschau der Agrar- und Ernährungsindustrie ist.In einer Art Gegenrechnung wird angeführt, dass in der Land- und Forstwirtschaft viel CO2 umgewandelt bzw. gespeichert wird. Eine Milchmädchenrechnung, die nicht berücksichtigt wird, dass über die Hälfte der entstehenden Klimagase, Methan und Lachgas sind, mit denen keine Pflanze etwas anfangen kann. Zudem: In einer Kulturlandschaft wie hier in Europa kann kaum ein Stück Grünfläche gedeihen, das nicht im weitesten Sinne land- oder forstwirtschaftlich genutzt wird. In dem Duktus zu Ende gedacht, ist der Agrarsektor dann sogar die heile Welt, die für alle anderen Bereiche den grossen CO2 Killer gibt. Wieder einmal hilft der Blick über Tellerrand. Die grossen biologischen CO2-Speichern gehen verloren, weil Waldflächen gerodet und Moore trockengelegt werden. Rodungsflächen, die dann für den Anbau von Sojabohnen und Ölpalmen Verwendung finden. Passiert halt nur jenseits des eigenen Horizonts, irgendwo in Südamerika. Wenn die Produkte dann nach Europa importiert sind, setzt wieder der Schutzreflex ein: Ohne Soja kein Kraftfutter, ohne Kraftfutter keine Milch und kein Fleisch, wir werden alle verhungern. Bei der Menge an Nahrungsmitteln, die jeden Tag vernichtet werden ist das schlichter Hohn. Es stimmt einfach nicht! Die Landwirtschaft produziert in weiten Bereichen über Bedarf, die niedrigen Milchpreise sind ein Beispiel dafür, bei den Preisen für Schlachtvieh sieht es auch nicht viel besser aus. Der selbst gewählte Ausweg ist da gerne die Steigerung der Produktion, gepaart mit Massnahmen den Absatz zu bewerben. Wieviel Milch und Fleisch sollen wir noch in uns hineinstopfen und wieviele regionalen Märkte sollen noch mit subventionierter Importware ruiniert werden?
Frustrierend genug, dass wir es eigentlich alle schon lange wissen, sich die Änderung aber nur langsamst Bahn bricht. Für die meisten Konsumenten sind Kaufentscheidungen egoistisch motiviert. Das Für und Wider von Bio ist so ein Beispiel. Die eigene Gesundheit zieht da besser als die globalen Zusammenhänge des Klimawandels. Was in der Regel noch besser funktioniert ist der Weg über den Geldbeutel. Wenn konventionelle Produkte auch die Kosten enthalten würden, die durch die Schädigung der Umwelt entstehen, würden sich Kaufentscheidungen wahrscheinlich zügig in Richtung Bio-Produkte verschieben. Regionale Produkte würden nicht mehr nur bei strategischen Käufern im Einkaufswagen landen, müsste das Kilometergeld für Food Miles an der Supermarktkasse berappt werden. Aber halt, damit gefährden wir ja die Chemiekonzerne und die Speditionen gehen womöglich auch noch zu Grunde. Tja, so ist das eben in der Marktwirtschaft, was nix taugt verschwindet wieder von der Bildfläche. Naja, zumindest wäre es so.
Nachtrag: Wie sehr sich die Agrarlobby vor einer Klimadebatte fürchtet, zeigt das amerikanische Agroblog AgWired, das Klimawandel als schlechtes Thema sieht und Agroblogger aufruft die Argumente in die "passende" Richtung zu rücken oder wenigstens der Blog Action Day zu boykottieren. Sorry AgWired, you bet on the wrong horse.
Freitag, 9. Oktober 2009
Time for climate justice
"how can we sleep while the beds are burning" - timeforclimatejustice.org
Link zum Video
Das Original ist von der australischen Band Midnight Oil, deren Sänger Peter Garrett seit 2007 Minister für Umwelt, Kulturerbe und Kunst ist.
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Das Original ist von der australischen Band Midnight Oil, deren Sänger Peter Garrett seit 2007 Minister für Umwelt, Kulturerbe und Kunst ist.
Dienstag, 30. September 2008
Frankfurter Waldbesetzung wegen Flughafenausbau
Ein Gastbeitrag von Ingo Frost.
Während wir Erdbürger unseren Rekord für CO2-Emissionen im Jahr 2007 wiedereinmal gebrochen haben und damit selbst jenseits der schlimmsten Szenarios liegen (Global Carbon Project), die in den IPCC-Simulationen angenommen wurden, wird in Frankfurt am Main der Flughafen ausgebaut. Fast alle Formen des Protests sind ins Leere gelaufen, vorbereitende Maßnahmen zum Bau der neuen Landebahn sind bereits abgeschlossen. Nur in einem kleinen Waldstück verharren Umweltaktivisten und halten die Bäume besetzt. Ich habe sie besucht und vom 1. bis zum 10. September täglich unter blogs.taz.de/reportvorort/ gebloggt.
Nach zehn Tagen im Camp nehme ich einiges nach Berlin mit. Wenn man alleine in ein solches Camp kommt, braucht man einige Tage, um mit den Menschen vor Ort warm zu werden. Diese Geduld sollte man mitbringen. Im Camp ist keine feste Gruppe die Neue aufnehmen kann, sondern neben einem kleinen festen Kern ein ständiges kommen und gehen. Es hängt sehr von den einzelnen Personen ab, wie man aufgenommen wird oder wie man selbst nach einigen Tagen dort neue aufnimmt.

Mich persönlich hat am meisten die Dualität zwischen sich politisch einmischen und alternativ leben fasziniert. Ein politisches Anliegen wird glaubhafter, wenn man auch bereit ist selbst anders zu leben. Also eigene Wege zu gehen, fern ab der Konsumgesellschaft und einem höher, schneller, weiter. Würde man nur die Art verändern wie man lebt, sich versorgt und mit anderen umgeht, wäre die Wirkung in der Breite beschränkt. Dann lebt man eine Alternative in Isolation und es besteht die Gefahr den Anschluss zu verlieren.
Im Camp kann man erleben, was es bedeutet, sich weitestgehend vegan zu ernähren und ohne konventionell gekaufte Waren auszukommen. Natürlich kostet der Aufenthalt im Camp nichts. Auch wenn man wieder auf den Bäumen lebt, ist der Lebensstil keineswegs primitiv. Zeitweise wurde sogar ein WLAN-Internetzugang für alle Camp-Bewohner angeboten. Auch haben die Bewohner ein recht umfangreiches Abendprogramm auf die Beine gestellt. Permanent steht für alle eine kleine Bibliothek, ein Umsonstladen, weit aus komfortablere Toiletten als auf einem Campingplatz, eine recht gut ausgestattete Küche und sogar ein Waschsaal für alle bereit.
Man spürt recht schnell, dass man sich mit einem recht mächtigen Gegner - der Fraport AG - angelegt hat. Hubschrauber kreisen über dem Camp, mit Mountainbikes ausgestattete Frasec (Fraport Security) Mitarbeiter radeln täglich um das Camp; jeder Regelverstoß wird peinlich genau fotografiert. Bei dem Versuch Flyer im Flughafen zu verteilen, wurde sofort mit einem Hausverbot reagiert.
Dennoch sollte man sich nicht einschüchtern lassen: Auch wenn die Situation schwierig ist, kann man sein eigenes Verhalten ändern und auf den einen oder anderen Flug verzichten. Es wird immer wichtiger politisch einzufordern, den Weg von einer fossilen Wirtschaft zu einer nachhaltigen zu gehen. Vergrößerte Flughäfen und viele neue Kohlekraftwerke gehören nicht dazu und verhindern ernsthafte Klimaschutzziele.
Bild: Ingo Frost
Während wir Erdbürger unseren Rekord für CO2-Emissionen im Jahr 2007 wiedereinmal gebrochen haben und damit selbst jenseits der schlimmsten Szenarios liegen (Global Carbon Project), die in den IPCC-Simulationen angenommen wurden, wird in Frankfurt am Main der Flughafen ausgebaut. Fast alle Formen des Protests sind ins Leere gelaufen, vorbereitende Maßnahmen zum Bau der neuen Landebahn sind bereits abgeschlossen. Nur in einem kleinen Waldstück verharren Umweltaktivisten und halten die Bäume besetzt. Ich habe sie besucht und vom 1. bis zum 10. September täglich unter blogs.taz.de/reportvorort/ gebloggt.
Nach zehn Tagen im Camp nehme ich einiges nach Berlin mit. Wenn man alleine in ein solches Camp kommt, braucht man einige Tage, um mit den Menschen vor Ort warm zu werden. Diese Geduld sollte man mitbringen. Im Camp ist keine feste Gruppe die Neue aufnehmen kann, sondern neben einem kleinen festen Kern ein ständiges kommen und gehen. Es hängt sehr von den einzelnen Personen ab, wie man aufgenommen wird oder wie man selbst nach einigen Tagen dort neue aufnimmt.

Kommunikation 2.0?! - Dosentelefon funktioniert auch ohne Strom
Mich persönlich hat am meisten die Dualität zwischen sich politisch einmischen und alternativ leben fasziniert. Ein politisches Anliegen wird glaubhafter, wenn man auch bereit ist selbst anders zu leben. Also eigene Wege zu gehen, fern ab der Konsumgesellschaft und einem höher, schneller, weiter. Würde man nur die Art verändern wie man lebt, sich versorgt und mit anderen umgeht, wäre die Wirkung in der Breite beschränkt. Dann lebt man eine Alternative in Isolation und es besteht die Gefahr den Anschluss zu verlieren.
Im Camp kann man erleben, was es bedeutet, sich weitestgehend vegan zu ernähren und ohne konventionell gekaufte Waren auszukommen. Natürlich kostet der Aufenthalt im Camp nichts. Auch wenn man wieder auf den Bäumen lebt, ist der Lebensstil keineswegs primitiv. Zeitweise wurde sogar ein WLAN-Internetzugang für alle Camp-Bewohner angeboten. Auch haben die Bewohner ein recht umfangreiches Abendprogramm auf die Beine gestellt. Permanent steht für alle eine kleine Bibliothek, ein Umsonstladen, weit aus komfortablere Toiletten als auf einem Campingplatz, eine recht gut ausgestattete Küche und sogar ein Waschsaal für alle bereit.
Man spürt recht schnell, dass man sich mit einem recht mächtigen Gegner - der Fraport AG - angelegt hat. Hubschrauber kreisen über dem Camp, mit Mountainbikes ausgestattete Frasec (Fraport Security) Mitarbeiter radeln täglich um das Camp; jeder Regelverstoß wird peinlich genau fotografiert. Bei dem Versuch Flyer im Flughafen zu verteilen, wurde sofort mit einem Hausverbot reagiert.
Dennoch sollte man sich nicht einschüchtern lassen: Auch wenn die Situation schwierig ist, kann man sein eigenes Verhalten ändern und auf den einen oder anderen Flug verzichten. Es wird immer wichtiger politisch einzufordern, den Weg von einer fossilen Wirtschaft zu einer nachhaltigen zu gehen. Vergrößerte Flughäfen und viele neue Kohlekraftwerke gehören nicht dazu und verhindern ernsthafte Klimaschutzziele.
Bild: Ingo Frost
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