Was interessieren die Probleme der Welt, wenn vor der Haustüre gezündelt wird. In der Gemeinde Ettringen, plant die Papierfabrik Lang ein neues Kraftwerk, für die Produktion von Prozesswärme, Wasserdampf und Strom. Papierproduktion ist eben immer noch eine energieintensive Angelegenheit und je billiger die Energie erzeugt werden kann, umso höher der Profit. Politisch korrekt formuliert muss das natürlich heissen, umso sicherer sind die Arbeitsplätze.
Damit das neue Kraftwerk möglichst kostengünstig betrieben werden kann, wird es u.a. mit Müll befeuert. Dafür gibt es auch Euphemismen, da heisst es dann Reststoffe oder Ersatzbrennstoffe. Naja, Papier ist ja bekanntlich geduldig. Ich halte es da lieber mit einem Vergleich, den die Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal zieht: Im Landkreis Unterallgäu (an der Grenze zum Landkreis Augsburg) entsteht die drittgrösste bayerische Müllverbrennungsanlage. Im lokalen Bezug heisst das, sie wird etwa die doppelte Kapazität haben, wie die Öfen der AVA in Augsburg.
Müllverbrennung in solchen Größenordnungen ist ein Geschäft und wo es ums Geschäft geht, stehen andere Interessen typischerweise hintenan. Sicher, die geplante Anlage der Papierfabrik Lang erfüllt alle Vorschriften was die Emissionen angeht, anders wäre ein Genehmigungsverfahren gar nicht zu bestehen. Aber ist das genug? Meiner Meinung nach nicht. Gesetzliche Grenzwerte sind ein rein politisches Instrument, die Festsetzung erfolgt i.d.R. erst nach jahrelangem Tauziehen und beinhaltet alle Kompromisse die von Seiten der Industrielobby gefordert werden. Damit ist es ein leichtes sie einzuhalten und ist bei Lichte betrachtet auch kein grosses Entgegenkommen der Industrie, gleichwohl wird es natürlich als solches verkauft. Welche gesundheitlichen Risiken hinter den Schadstoffen tatsächlich stecken, wird es erst Jahre später sichtbar. Dann ist es aber zu spät, die Profite sind verteilt und die negativen Auswirkungen allein von den Betroffenen zu tragen. Was es bräuchte, wäre wirklich zukunftsfähiges - nachhaltiges - Handeln.
Hier könnte die Papierfabrik Lang aus der eigenen Erfahrung lernen. Das Schwerölkkraftwerk, das mit der neuen Anlage ersetzt werden soll, war bei der Errichtung auch der letzte Schrei in wirtschaftlicher Hinsicht und die gesetzlichen Schadstoffgrenzwerte wurden seinerzeit auch eingehalten. Heute, gut 50 Jahre später, ist das Teil eine Dreckschleuder und die Nutzung fossiler Brennstofe ein finanzielles Fiasko. Mit der Verbrennung von Müll wird es nicht viel anders laufen. Schon jetzt buhlen Müllverbrennungsanlagen um den Dreck, damit ihre Anlagen in Betrieb gehalten werden können, was in der Folge zu Mülltourismus führt. Für die geplante Verbrennung bei der Papierfabrik Lang geht man bereits davon aus, dass die sog. Ersatzbrennstoffe aus bis zu 450 km Entfernung hergeschafft werden. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu begreifen, das lässt sich nur buchhalterisch begründen.
Widerstand in Zeiten der Wirtschaftskrise ist ein schwieriges Unterfangen, das darf aber nicht dazu führen, dass wir uns jetzt Situtation vorsetzen lassen, deren negative Auswirkungen noch jahrzentelang nachwirken und nicht wieder umkehrbar sind. Noch können bis zum 19. März 2009 Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden. Erhoben werden können sie von jedem, der sich persönlich von der Anlage betroffen fühlt, das ist nicht an Regionalgrenzen gebunden. Von der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal gibt es eine Anleitung und Vorlagen für den Widerspruch. Auf geht's!
Nachtrag: Bei der gestrigen Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal in Hiltenfingen, musste ich gelegentlich schmunzeln und an Rolands Artikel zu Öko 1.0 - 2.0 denken. Es ist schon noch ein ungewohnter Klang, wenn ein CSU Politiker, zwar im typischen Unionssprachgebahren, aber immerhin, mehr Umweltschutz fordert und den Zuhörern partizipatorische Demokratie nahelegt.
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