Die Gebrüder Lang GmbH in Ettringen hat gestern mitgeteilt, dass die Müllbrennungsanlage nach gegenwärtigem Stand nicht finanzierbar ist und daher auf eine Zwischenlösung mit reinem Gasbetrieb gesetzt wird. Ursächlich für diese Entscheidung seien die angespannte wirtschaftliche Situation und die Verszögerungen durch die Öffentlichkeitsbeteiligung.
Ein Etappensieg? Nur bedingt, denn die Dampferzeugung mit Gas ist zwar grundsätzlich mit weniger Schadstoffausstoß verbunden, als dies bei der Verbrennung von Müll der Fall wäre, ein wirklich nachhaltiges Konzept steckt dahinter aber auch nicht. Zudem steckt in der Erklärung von Lang Papier eine Stolperfalle, wird doch am Genehmigungverfahren festgehalten. Dahinter könnte die Taktik stecken, dass die ursprüngliche Planung genehmigt wird, im Vertrauen darauf, dass es bei der Gas-Zwischenlösung bleibt. Man wird sehen, wie es weitergeht.
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Papier Lang stoppt vorläufig den Bau der Müllverbrennung
Geschrieben von Michael Wenzl
um
08:41
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Tags für diesen Artikel: ettringen, lang, lechfeld, müll, müllverbrennung, schwabmünchen, wertachtal
Montag, 2. März 2009
5 vor 12 im Wertachtal
Was interessieren die Probleme der Welt, wenn vor der Haustüre gezündelt wird. In der Gemeinde Ettringen, plant die Papierfabrik Lang ein neues Kraftwerk, für die Produktion von Prozesswärme, Wasserdampf und Strom. Papierproduktion ist eben immer noch eine energieintensive Angelegenheit und je billiger die Energie erzeugt werden kann, umso höher der Profit. Politisch korrekt formuliert muss das natürlich heissen, umso sicherer sind die Arbeitsplätze.
Damit das neue Kraftwerk möglichst kostengünstig betrieben werden kann, wird es u.a. mit Müll befeuert. Dafür gibt es auch Euphemismen, da heisst es dann Reststoffe oder Ersatzbrennstoffe. Naja, Papier ist ja bekanntlich geduldig. Ich halte es da lieber mit einem Vergleich, den die Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal zieht: Im Landkreis Unterallgäu (an der Grenze zum Landkreis Augsburg) entsteht die drittgrösste bayerische Müllverbrennungsanlage. Im lokalen Bezug heisst das, sie wird etwa die doppelte Kapazität haben, wie die Öfen der AVA in Augsburg.
Müllverbrennung in solchen Größenordnungen ist ein Geschäft und wo es ums Geschäft geht, stehen andere Interessen typischerweise hintenan. Sicher, die geplante Anlage der Papierfabrik Lang erfüllt alle Vorschriften was die Emissionen angeht, anders wäre ein Genehmigungsverfahren gar nicht zu bestehen. Aber ist das genug? Meiner Meinung nach nicht. Gesetzliche Grenzwerte sind ein rein politisches Instrument, die Festsetzung erfolgt i.d.R. erst nach jahrelangem Tauziehen und beinhaltet alle Kompromisse die von Seiten der Industrielobby gefordert werden. Damit ist es ein leichtes sie einzuhalten und ist bei Lichte betrachtet auch kein grosses Entgegenkommen der Industrie, gleichwohl wird es natürlich als solches verkauft. Welche gesundheitlichen Risiken hinter den Schadstoffen tatsächlich stecken, wird es erst Jahre später sichtbar. Dann ist es aber zu spät, die Profite sind verteilt und die negativen Auswirkungen allein von den Betroffenen zu tragen. Was es bräuchte, wäre wirklich zukunftsfähiges - nachhaltiges - Handeln.
Hier könnte die Papierfabrik Lang aus der eigenen Erfahrung lernen. Das Schwerölkkraftwerk, das mit der neuen Anlage ersetzt werden soll, war bei der Errichtung auch der letzte Schrei in wirtschaftlicher Hinsicht und die gesetzlichen Schadstoffgrenzwerte wurden seinerzeit auch eingehalten. Heute, gut 50 Jahre später, ist das Teil eine Dreckschleuder und die Nutzung fossiler Brennstofe ein finanzielles Fiasko. Mit der Verbrennung von Müll wird es nicht viel anders laufen. Schon jetzt buhlen Müllverbrennungsanlagen um den Dreck, damit ihre Anlagen in Betrieb gehalten werden können, was in der Folge zu Mülltourismus führt. Für die geplante Verbrennung bei der Papierfabrik Lang geht man bereits davon aus, dass die sog. Ersatzbrennstoffe aus bis zu 450 km Entfernung hergeschafft werden. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu begreifen, das lässt sich nur buchhalterisch begründen.
Widerstand in Zeiten der Wirtschaftskrise ist ein schwieriges Unterfangen, das darf aber nicht dazu führen, dass wir uns jetzt Situtation vorsetzen lassen, deren negative Auswirkungen noch jahrzentelang nachwirken und nicht wieder umkehrbar sind. Noch können bis zum 19. März 2009 Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden. Erhoben werden können sie von jedem, der sich persönlich von der Anlage betroffen fühlt, das ist nicht an Regionalgrenzen gebunden. Von der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal gibt es eine Anleitung und Vorlagen für den Widerspruch. Auf geht's!
Nachtrag: Bei der gestrigen Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal in Hiltenfingen, musste ich gelegentlich schmunzeln und an Rolands Artikel zu Öko 1.0 - 2.0 denken. Es ist schon noch ein ungewohnter Klang, wenn ein CSU Politiker, zwar im typischen Unionssprachgebahren, aber immerhin, mehr Umweltschutz fordert und den Zuhörern partizipatorische Demokratie nahelegt.
Damit das neue Kraftwerk möglichst kostengünstig betrieben werden kann, wird es u.a. mit Müll befeuert. Dafür gibt es auch Euphemismen, da heisst es dann Reststoffe oder Ersatzbrennstoffe. Naja, Papier ist ja bekanntlich geduldig. Ich halte es da lieber mit einem Vergleich, den die Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal zieht: Im Landkreis Unterallgäu (an der Grenze zum Landkreis Augsburg) entsteht die drittgrösste bayerische Müllverbrennungsanlage. Im lokalen Bezug heisst das, sie wird etwa die doppelte Kapazität haben, wie die Öfen der AVA in Augsburg.
Müllverbrennung in solchen Größenordnungen ist ein Geschäft und wo es ums Geschäft geht, stehen andere Interessen typischerweise hintenan. Sicher, die geplante Anlage der Papierfabrik Lang erfüllt alle Vorschriften was die Emissionen angeht, anders wäre ein Genehmigungsverfahren gar nicht zu bestehen. Aber ist das genug? Meiner Meinung nach nicht. Gesetzliche Grenzwerte sind ein rein politisches Instrument, die Festsetzung erfolgt i.d.R. erst nach jahrelangem Tauziehen und beinhaltet alle Kompromisse die von Seiten der Industrielobby gefordert werden. Damit ist es ein leichtes sie einzuhalten und ist bei Lichte betrachtet auch kein grosses Entgegenkommen der Industrie, gleichwohl wird es natürlich als solches verkauft. Welche gesundheitlichen Risiken hinter den Schadstoffen tatsächlich stecken, wird es erst Jahre später sichtbar. Dann ist es aber zu spät, die Profite sind verteilt und die negativen Auswirkungen allein von den Betroffenen zu tragen. Was es bräuchte, wäre wirklich zukunftsfähiges - nachhaltiges - Handeln.
Hier könnte die Papierfabrik Lang aus der eigenen Erfahrung lernen. Das Schwerölkkraftwerk, das mit der neuen Anlage ersetzt werden soll, war bei der Errichtung auch der letzte Schrei in wirtschaftlicher Hinsicht und die gesetzlichen Schadstoffgrenzwerte wurden seinerzeit auch eingehalten. Heute, gut 50 Jahre später, ist das Teil eine Dreckschleuder und die Nutzung fossiler Brennstofe ein finanzielles Fiasko. Mit der Verbrennung von Müll wird es nicht viel anders laufen. Schon jetzt buhlen Müllverbrennungsanlagen um den Dreck, damit ihre Anlagen in Betrieb gehalten werden können, was in der Folge zu Mülltourismus führt. Für die geplante Verbrennung bei der Papierfabrik Lang geht man bereits davon aus, dass die sog. Ersatzbrennstoffe aus bis zu 450 km Entfernung hergeschafft werden. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu begreifen, das lässt sich nur buchhalterisch begründen.
Widerstand in Zeiten der Wirtschaftskrise ist ein schwieriges Unterfangen, das darf aber nicht dazu führen, dass wir uns jetzt Situtation vorsetzen lassen, deren negative Auswirkungen noch jahrzentelang nachwirken und nicht wieder umkehrbar sind. Noch können bis zum 19. März 2009 Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden. Erhoben werden können sie von jedem, der sich persönlich von der Anlage betroffen fühlt, das ist nicht an Regionalgrenzen gebunden. Von der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal gibt es eine Anleitung und Vorlagen für den Widerspruch. Auf geht's!
Nachtrag: Bei der gestrigen Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Gesundes Wertachtal in Hiltenfingen, musste ich gelegentlich schmunzeln und an Rolands Artikel zu Öko 1.0 - 2.0 denken. Es ist schon noch ein ungewohnter Klang, wenn ein CSU Politiker, zwar im typischen Unionssprachgebahren, aber immerhin, mehr Umweltschutz fordert und den Zuhörern partizipatorische Demokratie nahelegt.
Samstag, 8. März 2008
Kampf um den Müll
Jahrzente zurück, als Mittelstufler mit Erdkundelehrplänen traktiert, die von der ersten Ölkrise beeinflusst waren, habe ich zum Thema Erdölknappheit gemutmasst, dass in ein paar Jahrzenten die ersten Müllberge wieder abgetragen werden, um aus dem darin entsorgten Kunstoff das Erdöl zurückzugewinnen. Keine Ahnung ob ich das damals nur aufgeschnappt hatte, meine Klassenkameraden fanden es jedenfalls eher belustigend, dass Müll irgendwann ein wertvoller Rohstoff sein könnte. "Kampf um den Müll" vollständig lesen »
Geschrieben von Michael Wenzl
um
15:30
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