Die Welt stellt in ihrem Artikel über einen Schweinezüchter, der sich als Ökobauer versucht hat, die ökologische Landwirtschaft als eine von reiner Ideologie getriebene Wirtschaftsform dar. Als Beweis wird der besagte Ex-Ökobauer angeführt, der es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, dass er seinen Schweinen pilzverseuchtes Einstreu und Futter präsentieren musste und u.a. deswegen wieder auf konventionelle Wirtschaftsweise umgestellt hat.
Ich weiss, das klingt polemisch. Nach der Lektüre des Artikel geht das aber nicht anders. Es paart sich die handwerkliche Schluderei. Die mangelnde Recherche des Autors deckt nicht auf, dass die hohe Pilzbelastung nicht alleine auf den fehlenden Einsatz von Fungiziden zurückzuführen ist. Pilzbelastung entsteht nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei der Lagerung. Es sind handwerkliche Fehler - beim Drusch, der Reinigung und der Lagerung selbst - die dazu führen. Die passieren zwar, sind aber grösstenteils vermeidbar und beileibe kein Systemproblem der ökologischen Landwirtschaft.
Apropos Handwerk. Eine Pilzbelastung, die tatsächlich vom Feld ins Lager getragen wird, ist das giftige Mutterkorn. Der Landwirt, der in dem Artikel zitiert wird, hatte in einer Charge Futter dieses Mutterkorn. Nur an seiner Stelle würde es mir zu Denken geben, wenn mir dessen Existenz erst von einem Tierarzt gezeigt werden muss. Die Kontrolle der Futtermittel gehört zur Arbeit, egal aus welcher Quelle sie stammen. Ein Praktiker sollte den Befall durch Mutterkorn eigentlich erkennen können, zumal wenn sie so auffällig ist, wie es in dem Artikel beschrieben wird.
An einem Punkt muss ich dem Artikel trotzdem zustimmen:
Ich glaube, die Menschen in Deutschland wissen immer weniger von der Landwirtschaft.Den Autor des Artikels darf man womöglich in diese Verallgemeinerung einschliessen, allerdings hätte man von ihm erwarten können, dass er die Aussagen des Landwirts hinterfragt. Aber vielleicht ist das ja auch ein Systemfehler. Im Endeffekt bleibt nur der Eindruck, dass hier der angeblich ideologisierte ökologische Landwirtschaft mit Gegenideologie das Wasser abgegraben werden soll. Wem nützt es?






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