Vorweg, es ist mir schon klar, dass ich gleich wieder als zynische und rückschrittliche Altöko dastehe. Bei der Jubelperserei geht mir aber der Hut hoch. Sicher ist es schön, wenn die Gewinne im Kreditkartengeschäft nicht allein bei den Banken und Kreditkartenanbietern landen. Aber sind 30%, die davon als Spende an den BUND, terre des hommes, Plant for the Planet oder First Climate gehen schon ausreichend um sie als "grün", "grüner" oder gar "grünste" zu bezeichnen?
Sinvoller wäre es doch über den generellen Einsatz von Kreditkarten nachzudenken und die EC Karten gleich in die Überlegungen einzubeziehen. Sie erleichtern uns nicht nur den Geldverkehr, sondern lassen uns den Bezug zum Wert des Geldes verlieren. Wem ist es nicht schon passiert, dass er, bewusst oder unbewusst, sein Konto überzogen hat, weil er am Monatsende noch unbedingt etwas gekauft hat, das bequem mit Kredit- oder EC-Karte bezahlt werden konnte. Was bei dem einen noch Kalkül ist, kann beim nächsten schon in einer ruinösen Verschuldung enden. Das ist die rein pekuniäre Seite. Es soll aber auch Fälle geben, da nehme ich mich nicht aus, in denen vollkommen unnützes Zeug gekauft wird, weil es eben so einfach bezahlt werden kann. Der Gang zur Bank um Bargeld zu holen, hätte da vielleicht die Zeit für den notwendigen Denkprozess geschaffen.
Nicht unbedingt das Thema für die breite Masse ist der Datenschutz. Der Gebrauch von Karten als Zahlungsmittel macht uns überwachbar und gibt Aufschlüsse über unser Konsumverhalten. Auch wenn das möglicherweise ethisch bestimmt ist, muss das ja auch nicht jeder wissen. Höre ich da irgendwo jemanden "Datenschutzgesetze" murmeln? Dazu möchte nur einmal kurz und heftig Lachen! Das hat ja mittlerweile meine greise Grossmutter kapiert, dass Unternehmen im Zweifel erst an sich und dann an Regeln denken.
Aber gut, wer unbedingt meint eine Kreditkarte zu brauchen, für den sind die sog. "grünen Kreditkarten" ein gangbarer Weg. Grundsätzlich meine ich aber, dass die grünste Kreditkarte die ist, bei der man sich vorher genau überlegt wie man sie einsetzt und ob man sie überhaupt braucht. Die Anzahl der möglicherweise gepflanzten Bäume ist da ein denkbar ungeeigneter Benchmark, ganz davon abgesehen, dass man die Bäume ja wieder pflanzen lässt und selbst keinen direkten Bezug dazu hat.
Mein Lerneffekt war jedenfalls schon vor einiger Zeit meine Kreditkarten zurückzugeben und die Zahl der EC-Karten auf ein Notexemplar zu reduzieren. Die Jahresgebühren werden gespendet und die Reduzierung sinnentleerter Spontankäufe lässt mir mehr Zeit und Geld für wichtige Dinge. Leben tue ich trotzdem noch!
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