
Was macht die Schneekönigin in der größten Sommerhitze auf einem Pferd? Klar, sie wartet auf ihren Start bei der Kostüm-Quadrille. Wer nun aber glaubt, das Kostüm sei eigentlich zu warm, der sollte sich mal die Verkleidungen der anderen Wettbewerber ansehen. Der
Starlight Express und die
Panzerknacker hatten es beim
1. Süddeutschen Pferdefestival in Bad Wörishofen auch nicht viel angenehmer.

Ob das daran liegt, dass die Quadrillen über den Winter erdacht und geprobt werden, während noch keiner so Recht an den Sommer glauben will? Immerhin
eine Gruppe hatte ein sommerliches Outfit gewählt. Das fand das anwesende
Fernsehteam dann auch so beeindruckend, dass sie die vier Amazonen ausgiebigst ablichteten, gleichwohl der Sieg des Wettbewerbs an die
Darstellung des Eisenbahn Musicals ging.

So weit der Exkurs zum Englischreiten. Denn eigentlich war ich ja als stellv.
Turniertrottel Equipmentmanager und Kraftfahrer nach Bad Wörishofen gekommen und hatte mich den Disziplinen des Westernreitens zu widmen. "Unsere Reitbeteiliung" hatte sich nämlich dazu überreden lassen einmal Turnierluft zu schnuppern. Trotz ihrer anfänglichen Aufregung war die Teilnahme sehr erfolgreich, in allen drei Wettkämpfen für die sie gemeldet war, ist sie platziert worden, davon einmal sogar als erste. Für das erste Westernturnier ihres Lebens und nur minimalem Training im Vorfeld, ist das eine ansehliche Leistung. Das heisst nun nicht, dass die übrigen Teilnehmer so schlecht gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Sah man sich die Startlfeld genauer an, fanden sich einige Reiter, bei denen man den Eindruck hatte sie seien auf Stippvisite in niedere Sphären - aber dazu später mehr.

Denkwürdigsterer Wettkampf an dem Tag war zweifellos die
Dollar Bill Pleasure. Dabei mussten alle Teilnehmer ohne Sattel auf ihrem Pferd reiten und Sieger sollte der werden, dem es gelingt am längsten einen Geldschein zwischen seinem Hinterteil und dem Pferderücken zu halten. Die Hände durften dabei natürlich nur zum Halten der Zügel verwendet werden. Damit das ganze nicht so leicht wird wie es sich jetzt vielleicht anhört, fordern die Richter regelmässig zum Wechsel der Gangarten auf, ganz so wie in einer normalen Pleasure auch. Spätestens wenn zum Galopp aufgefordert wird ("lope your horse, please lope your horse") fliegen die ersten Scheine. So auch hier, nur bewiesen fünf Reiterinnen so viel Sitzfleisch, dass sie auch nach fast einer halben Stunden immer noch im Kampf um den Sieg waren.

Daran änderte auch die, als zusätzliche Komplikation,
herangeschaffte Stange nichts, die Fünf ritten munter weiter und weder sie noch ihre Pferde zeigten Ermüdungserscheinungen. Nun ist ein halbe Stunde Reiten, noch dazu bei den Temperaturen, kein Pappenstiel und daher beendeten die Preisrichter den Wettkampf mit fünf Siegerinnen. Nachdem das Preisgeld (50€) unter den Hartnäckigsten aufgeteilt war, zeigt sich, dass ein Weiterreiten ziemlich sinnlos geworden wäre. Die Papierschnippsel, die als Geldscheinattrappen dienten, waren mittlerweile vollständig zerbröselt und hatten eine innige Verbindung zu den Hosenböden - da konnte nichts mehr wegfliegen.
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