
Letzte Woche traf ich mich mit
Mirjam Maier und Peter Kral von
ixenio, um über ihr Spendenportal
wikando zu reden. Ursprünglich war geplant, dass
wikando zu dem Zeitpunkt bereits online ist und wir uns in vito über dessen Funktionen und Möglichkeiten unterhalten. Es kam wie so oft anders, der Starttermin musste um ein paar Wochen verschoben werden, trotzdem war ich natürlich gespannt darauf mehr zu erfahren.
Was ich bis dato wusste, stammte aus
Pressemeldungen und den Berichten (
1,
2) der
FTD über den Gründerwettbewerb
enable2start. Da gab es für mich einigen Klärungsbedarf, den ich, mit einer langen Liste Fragen im Gepäck, decken wollte. Wieder kam es anders, wo ich damit rechnete, auf zwei Geheimniskrämer zu treffen, die keinen Deut ihrer Geschäftsidee preisgeben wollen, saß ich auf zwei offenen Menschen gegenüber, die mit viel Begeisterung von ihrem Projekt erzählten. Meine vorbereiteten Fragen waren Makulatur, sie wurden von Mirjam und Peter beantwortet, bevor ich sie stellen konnte.
Die Idee hinter wikando klingt vertraut: Spender und Hilfsprojekte sollen zusammengebracht werden. Projekte, die auf Zeit-, Geld, oder Sachspenden angewiesen sind, finden bei wikando eine Plattform sich zu präsentieren und den Bedarf öffentlich zu präsentieren. Zeit, Geld oder Sachen können von Privatpersonen oder Firmen kommen. Privatpersonen und Firmen haben natürlich ebenfalls die Möglichkeit sich auf wikando ein Profil anzulegen. Besonders interessant ist das für Firmen, denen damit die Möglichkeit geboten wird ihr soziales Engagement darzustellen. So definiert sich dann auch das Geschäftsmodell. Hilfsprojekte und Privatpersonen können wikando kostenlos nutzen. Für Unternehmen fällt eine Gebühr an, die unabhängig von den getätigten Spenden ist und sich einzig an der Anzahl der Mitarbeiter orientiert. Die Spenden gehen in jedem Fall zu 100% an die Empfänger.
Wenn „Geschäftsmodell“ und „soziales Engagement“ in einem Atemzug genannt wird, stockt es in mir innerlich immer. Man muss sich aber folgendes vor Augen halten. Im sozialen Bereich muss auch Geld in die Hand genommen werden, um Gutes zu tun. Das kommt leider nicht in dem Masse von öffentlich Stellen wie man es sich wünschen würde. Spendensammeln, oder neudeutsch Fundraising, ist da der Regelfall und professionelle Unterstützung durch Berater, zumindest bei großen Organisationen, an der Tagesordnung. Deren Bezahlung kommt auf irgendeinem Weg immer aus dem Spendentopf, dezimiert also die Mittel, die dann tatsächlich für soziale Belange eingesetzt werden können. Wo hohes Spendenaufkommen zu erwarten ist, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Auf der anderen Seite gibt es auch bei großen Unternehmen den Trend das soziale Engagement zu professionalisieren – Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR). Dabei steht nicht alleine das Engagement im Vordergrund, sondern die Frage ist auch immer, wie sich das öffentlichkeitswirksam darstellen lässt.

Es geht aber nicht immer um sechsstellige Etats. Ein Kindergarten, der ein paar Eimer Farbe braucht, wird deswegen keine professionelle Beratung einholen und die Anwaltskanzlei wird sich keine Corporate-Social-Responsibility-Kampagne leisten um den jährlichen Spendenetat zu verteilen. An dem Punkt setzt wikando an. Einerseits wird kleinen Projekten eine mediale Plattform geboten sich und ihr Anliegen darzustellen, andererseits können sich Privatleute und Unternehmen einen Überblick verschaffen und gezielt auswählen was und wofür sie spenden wollen. Für Unternehmen stellt so etwas selbstverständlich auch eine ideale Werbeplattform - da wäre wieder das Thema CSR - dar. Als Gegenleistung dafür tragen sie die Unkosten der Plattform. Ein fairer Handel, wie ich meine.
Mit betterplace.org steht wikando ein direkter Mitbewerber gegenüber, der ein sehr ähnliches Konzept bietet. Der Erfolg von wikando wird davon abhängen sich davon zu unterscheiden. Dafür sehe ich einiges Potential. betterplace.org macht bei Leibe keine schlechte Sache, aber es gibt nichts was man nicht noch besser machen könnte. Die Voraussetzungen dafür sind da, in technischer, wie in menschlicher Hinsicht. In jedem Satz, den Mirjam und Peter gesagt haben, konnte man die Energie und Begeisterung spüren, mit der sie daran arbeiten ihre Ideen umzusetzen. Ich warte jedenfalls schon gespannt auf den Starttermin.
Wer neugierig geworden ist, kann sich schon mal bei wikando anmelden und erfährt dann brandheiß wenn es losgeht. Ein Blog der Macher gibt es übrigens ebenfalls, wenn auch z.Z. das Artikelaufkommen etwas spärlich ist, die Fertigstellung der Portals geht einfach vor.